Heilberufe-Kammergesetz

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Inkraftgetreten am 01.02.2019 • Veröffentlicht in GVBl S. 545 ff.

Diese von der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer erstellte Ausgabe des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes beruht auf dem Wort­laut der Neube­kannt­ma­chung vom 6. Februar 2002 (GVBl. S. 42, BayRS 2122–3-UG) in der ab 1. Januar 2002 gelten­den Fassung. Einge­ar­bei­tet sind folgende norma­ti­ven Ände­run­gen: • die durch § 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Geset­zes über das öffent­li­che Versor­gungs­we­sen, des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes und des Baye­ri­schen Archi­tek­ten­ge­set­zes vom 8. Novem­ber 2002 (GVBl. S. 624) erfolg­ten Ände­run­gen in Art. 33 Abs. 5 und Art. 35 Abs. 2 Satz 1 Nr. 8 (Verweis auf geän­derte EU-Richt­li­nien) (Inkraft­tre­ten 16. Novem­ber 2002) • die durch Art. 36 Nr. 4 des Geset­zes über den öffent­li­chen Gesund­heits- und Vete­ri­när­dienst, die Ernäh­rung und den Verbrau­cher­schutz sowie die Lebens­mit­tel­über­wa­chung vom 24. Juli 2003 (GVBl. S. 465) erfolg­ten Ände­run­gen in
• Art. 24 Abs. 1 Satz 2 (spezi­fi­sche Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin),
• Art. 29 Abs. 2 Sätze 2 und 3 (Wegfall der Inkom­pa­ti­bi­li­tät von „All­ge­mein­me­di­zin“ und „prak­ti­scher Arzt“ mit (weite­ren) Gebiets­be­zeich­nun­gen) und
• Art. 35 Abs. 2 Satz 1 Nr.3 (Zuord­nung von Zusatz­be­zeich­nun­gen zu Gebie­ten)
(Inkraft­tre­ten 1. August 2003) • die durch § 7 Abs. 1 des Geset­zes zur Auflö­sung des Baye­ri­schen Obers­ten Landes­ge­richts und der Staats­an­walt­schaft bei diesem Gericht vom 25. Okto­ber 2004 (GVBl. S. 400) erfolg­ten Ände­run­gen in Art. 68 Abs. 2, Art. 70 Abs. 1 und Art. 71 Abs. 5 (Bestim­mung der Gerichte, bei denen die Berufs­ge­richte für die Heil­be­rufe und das Landes­be­rufs­ge­richt einge­rich­tet werden) (Inkraft­tre­ten 1. Januar 2005) • die durch § 2 des Geset­zes zur Ände­rung des Gesund­heits­dienst- und Verbrau­cher­schutz­ge­set­zes und des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes vom 24. Dezem­ber 2005 (GVBl S. 648) erfolg­ten Ände­run­gen in
• Art. 21 – 26 (Wegfall der spezi­fi­schen Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin im HKaG),
• Art. 28 Abs. 4 (Aufnahme spezi­fi­schen Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin in die Weiter­bil­dungs­ord­nung),
• Art. 33 Abs. 5 Satz 3 (Einbe­zie­hung der Schwei­zer Eidge­nos­sen­schaft in weiter­bil­dungs­recht­li­che Quali­fi­ka­tion),
• Art. 35 Abs. 2 Nr. 8 (Einbe­zie­hung der Schwei­zer Eidge­nos­sen­schaft in weiter­bil­dungs­recht­li­che Quali­fi­ka­tion),
• Art. 38 Abs. 6 Satz 3 (redak­tio­nelle Ände­rung),
• Art. 41 Abs. 4 (Einbe­zie­hung der Schwei­zer Eidge­nos­sen­schaft in Erleich­te­rung im Rahmen des Dienst­leis­tungs­ver­kehrs)
(Inkraft­tre­ten 1. Januar 2006) • die durch § 15 des Geset­zes zur Neuord­nung des Baye­ri­schen Diszi­pli­nar­rechts und zur Ände­rung weite­rer Vorschrif­ten vom 24. Dezem­ber 2005 (GVBl S. 665) erfolgte Ände­rung in
• Art. 71 Abs. 4 Nr. 4 (Hinde­rung an der Ausübung des Rich­ter­am­tes im Falle eines gericht­li­chen Diszi­pli­nar­ver­fah­rens)
(Inkraft­tre­ten 1. Januar 2006) • die durch § 2 des Geset­zes zur Ände­rung des Gesund­heits­dienst- und Verbrau­cher­schutz­ge­set­zes und des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes vom 24. Juli 2007 (GVBl S.498) erfolgte Ände­rung in
• Art. 59. Abs. 4 (Strei­chung der Befug­nis­norm u.a. den Voll­zug des Laden­schluss­ge­set­zes auf die Landes­apo­the­ker­kam­mer zu über­tra­gen)
(Inkraft­tre­ten 1. Septem­ber 2007) • die durch § 2 des Geset­zes zur Ände­rung des Gesund­heits­dienst- und Verbrau­cher­schutz­ge­set­zes und des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes vom 23. April 2008 (GVBl S.132) erfolg­ten Ände­run­gen in
• Art. 2 Abs. 2 (Benen­nung von Sach­ver­stän­di­gen und Einsichts­recht in Verfah­rens­ak­ten)
• Art. 4 Abs. 8 neu (Unter­rich­tung der Kammern über Neuzu­las­sung durch Berufs­zu­las­sungs­be­hörde)
• Art. 22 Abs. 2, Art. 24, Art. 28 Abs. 4, Art. 33 Abs. 5, Art. 35 Abs. 2, Art. 40 Abs. 2, Art. 41, Art. 50 Abs. 8 und Art. 58 Abs. 7 (Umset­zung der Richt­li­nie 2005/36/EG des Euro­päi­schen Parla­ments und des Rates vom 7. Septem­ber 2005 [ABl EU 255 vom 30.09.2005, S. 22ff.] in natio­na­les Recht)
• Art. 73 (Entschä­di­gung ehren­amt­li­cher Rich­ter)
• Art. 104 (Klar­stel­lung, dass Verweis auf Vorschrif­ten die jeweils geltende Fassung betrifft)
(Inkraft­tre­ten 16. Mai 2008) • die durch Art. 4 Nr. 2 Abs. 2 des Geset­zes zur Über­lei­tung von Zustän­dig­kei­ten in der Gesund­heit, im Arbeits­schutz und in der Ernäh­rung vom 02. April 2009 (GVBl S. 46)
• Art. 32 Abs. 3 Satz1 Halb­satz 2 (Wegfall des Einver­neh­mens mit dem Staats­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozial­ord­nung, Fami­lie und Frauen bei Zulas­sung von Kran­ken­haus­ab­tei­lun­gen als Weiter­bil­dungs­stät­ten)
(Inkraft­tre­ten 30. Okto­ber 2008) • die durch Gesetz zur Ände­rung des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes und ande­rer Rechts­vor­schrif­ten vom 24. Juli 2013 (GVBl S. 454 ff.)
• Art. 2 Abs. 1 Satz 2 (Grund­lage für Erlass einer Fort­bil­dungs­sat­zung)
• Art. 4 Abs. 2, Abs. 6, Abs. 7 und Abs. 8 (Rege­lung zur Mitglied­schaft in Bayern)
• Art. 4 Abs. 3 (Rege­lung zur Mitglied­schaft in Bayern und außer­halb Bayerns)
• Art. 4 Abs. 9 (Präzi­sie­rung des Meld­ein­halts an das Versor­gungs­werk)
• Art 15 Abs. 3 (Konkre­ti­sie­rung des Kosten­schuld­ners)
• Art. 18 Abs. 1 Nr. 4 (Rechts­grund­lage für Pflicht sich ausrei­chend Haft­pflicht zu versi­chern und Zustän­dig­keits­re­ge­lung im Sinn von § 117 Abs. 2 VVG)
• Art. 18 Abs. 3 Satz 1 (Rechts­grund­lage für Konkre­ti­sie­rung der Haft­pflicht­ver­si­che­rung in der Berufs­ord­nung)
• Art. 22 Abs. 2 (Anpas­sung an aktua­li­sierte EU-Richt­li­nie)
• Art. 30 Abs. 5 (Möglich­keit der Aner­ken­nung von Weiter­bil­dungs­zei­ten in gerin­ge­ren Umfang als der übli­chen Wochen­ar­beits­zeit)
• Art. 31 Abs. 1 (Besei­ti­gung der 3jäh­ri­gen Befris­tung der Weiter­bil­dung im nieder­ge­las­se­nen Bereich)
• Art. 32 Abs. 3 Satz 1 (ausschließ­li­che Zustän­dig­keit der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer für die Zulas­sung von Weiter­bil­dungs­stät­ten – auch im statio­nären Bereich – außer Univer­si­täts­kli­nika)
• Art. 33 Abs. 5 (Anpas­sung an die durch das Gesetz zur Verbes­se­rung der Fest­stel­lung und Aner­ken­nung im Ausland erwor­be­ner Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen vom 6. Dezem­ber 2011 vorge­nom­mene Ände­run­gen, insbe­son­dere im Berufs­recht der bundes­recht­lich gere­gel­ten Heil­be­rufe)
• Art. 33 Abs. 5 a (Form­vor­schrift zu Art. 33 Abs. 5)
• Art. 35 Abs. 2 (Wegfall der Verpflich­tung zur Fest­le­gung verwand­ter Gebiete, Folge­än­de­rung zu Art. 32 Abs. 3 Satz 1 – Weiter­bil­dungs­stät­ten, Rechts­grund­lage für Rück­nahme und Wider­ruf der Ermäch­ti­gung und Zulas­sung sowie die Voraus­set­zun­gen für die Rück­nahme und den Wider­ruf der Aner­ken­nung)
• Art. 35 Abs. 4 (Rechts­grund­lage für die Ertei­lung sowie die Rück­nahme und den Wider­ruf einer Verbun­der­mäch­ti­gung)
• Art. 36 a (Zustän­dig­keits­re­ge­lung im Rahmen der Berufs­auf­sicht aufgrund Mehr­fach­mit­glied­schaft in verschie­de­nen Landes­kam­mern und wegen Mono­mit­glied­schaft in einer Berufs­ver­tre­tung inner­halb Bayerns)
• Art. 38 Abs. 1 (Möglich­keit eine Rüge mit einer Geld­buße, zuguns­ten der sozia­len Einrich­tung der Kammer)
• Art. 38 Abs. 4 (Präzi­sie­rung der Form des Rechts­be­helfs)
• Art. 40 Abs. 1 (Konkre­ti­sie­rung des Gebüh­ren­schuld­ners)
• Art. 41 Abs. 1 und Abs. 2 (Klar­stel­lun­gen im Rahmen der Dienst­leis­tungs­er­brin­ger)
• Art. 51 a (Einfüh­rung eines einheit­li­chen Ansprech­part­ners gemäß der Richt­li­nie 2006/123/EG im tier­ärzt­li­chen Bereich)
• Art. 59 Abs. 1 (Konkre­ti­sie­rung der Mitglieds­da­ten im Bereich der Apothe­ker)
• Art. 64 a (Rechts­grund­lage für den Erlass einer Weiter­bil­dungs­ord­nung für die Berufs­gruppe der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten)
• Art. 66 Abs. 2 (Erhö­hung der Verfol­gungs­ver­jäh­rung auf 5 Jahre)
• Art. 67 Abs. 1 (maxi­male Geld­buße 100.000,- €)
• Art. 68 Abs. 2 (Klar­stel­lung der Zustän­dig­keit im Falle eines Wieder­auf­nah­me­ver­fah­rens)
• Art. 70 Abs. 1 (Einschal­tung eines Unter­su­chungs­füh­rers auch in Beru­fungs­in­stanz)
• Art. 77 Abs. 2 (Mindest­an­for­de­run­gen an die Antrags­schrift zur Einlei­tung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens)
• Art. 80 Abs. 3 (Normie­rung der Pflich­ten eines Unter­su­chungs­füh­rers)
• Art. 81 Abs. 1 (Verzicht auf eine Ladung bei Vorlie­gen gewis­ser [eng einge­grenz­ter] Voraus­set­zun­gen)
• Art 83 Abs. 1 Satz 2 und Art. 89 Abs. 4 Satz 2 (klar­stel­len­der Hinweis auf Anwen­dung der Straf­pro­zess­ord­nung im Bereich Eröff­nungs­be­schluss und Urteil)
• Art. 90 Abs. 2 (Frist zur Begrün­dung der einge­leg­ten Beru­fung)
• Abs. 92 Abs. 2 (Folgen bei Nicht­er­schei­nen des Beschul­dig­ten – Beru­fungs­füh­rer)
• Art. 95 Abs. 2 Satz 1 (Kosten­folge bei gericht­li­cher Bestä­ti­gung des Beschwer­de­be­schei­des)
• Art. 96 Abs. 6 Satz 3 (Aufer­le­gung oder Auftei­lung der notwen­di­gen Ausla­gen der Berufs­ver­tre­tung bei Einstel­lung des Verfah­rens)
• Art. 98 Satz 2 (Klar­stel­lung aufgrund Entschei­dung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Menschen­rechte vom 8. Juni 2006 [NJW, S. 2389]) • die durch Gesetz zur Ände­rung des Heil­be­rufe-Kammer­ge­set­zes und ande­rer Rechts­vor­schrif­ten vom 22. Mai 2015 (GVBl S. 158 ff.)
• Art. 4 Abs. 4 – Strei­chung (Aufhe­bung der frei­wil­li­gen Mitglied­schaft)
• Art. 5 Abs. 1 Satz 2 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 5 Abs. 1 Satz 3 (Folge­än­de­rung wegen Strei­chung des Art. 4 Abs. 4)
• Art. 9 Satz 1 (Ände­rung der Zustän­dig­keit im Rahmen der Rechts­auf­sicht – Konzen­tra­tion auf 2 Bezirks­re­gie­run­gen)
• Art. 9 Satz 3, Art. 11 Abs. 1 Satz 2, Art. 14 Abs. 1, Art. 15 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 Satz 3 sowie Art. 16 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 18 Abs. 2 (Einfüh­rung der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung)
• Art. 18 Abs. 3 (Art. 18 Abs. 2 alt)
• Art. 18 Abs. 4 (Umset­zung der Pati­en­ten­mo­bi­li­täts­richt­li­nie – 2011/24/EU – Infor­ma­ti­ons­pflich­ten)
• Art. 18 Abs. 5 (Art. 18 Abs. 3 alt)
• Art. 20 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art 21 (Aufhe­bung der Rege­lung über Prak­ti­sche Ärzte)
• Art. 30 Abs. 2 (Umset­zung der Richt­li­nie 2013/55/EU)
• Art. 30 Abs. 8, Art. 31 Abs. 1 Satz 4, Art. 33 Abs. 2 Sätze 4 und 5 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 30 Abs. 5 (Umset­zung der Richt­li­nie 2013/55/EU)
• Art. 30 Abs. 5a (Einfüh­rung aufgrund Umset­zung der Richt­li­nie 2013/55/EU)
• Art. 33 Abs. 6 Satz 3 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 35 Abs. 1 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 35 Abs. 5 (Einfüh­rung aufgrund Umset­zung der Richt­li­nie 2013/55/EU – Rechts­grund­lage für Befrei­un­gen)
• Art. 41 Abs. 6 Satz 2 (redak­tio­nelle Namens­än­de­rung)
• Art. 41 Abs. 7 (Einfüh­rung aufgrund Umset­zung der Richt­li­nie 2013/55/EU – Rechts­grund­lage für Vorwarn­me­cha­nis­mus)
• Art. 41 Abs. 8 (Art. 41 Abs. 7 alt)
• Art. 45 Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 46 Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 50 Abs. 1 und Abs. 7 (redak­tio­nelle Ände­run­gen)
• Art. 51 Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 58 Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 59 Abs. 1 Satz 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 64a Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 65 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 67 Abs. 1 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 67 Abs. 1 Nr. 5 (Folge­än­de­rung wegen Strei­chung des Art. 4 Abs. 4)
• Art. 101 Abs. 3 (redak­tio­nelle Ände­rung)
• Art. 104a Abs. 1 (Einfüh­rung wegen Strei­chung des Art. 4 Abs. 4)
• Art. 105 Satz 1 (Inkraft­tre­ten)
• Art. 105 Satz 2 (Außer­kraft­tre­ten des Art. 104a) • die gemäß Art. 39b (8) Baye­ri­sches Daten­schutz­ge­setz vom 15. Mai 2018 (GVBl S. 230 ff.)
• Art 2 Abs. 2 Satz 4
(Inkraft­tre­ten 25. Mai 2018) • die durch §§ 3 und 6 Abs. 2 Nr. 2 des Geset­zes zur Errich­tung des Baye­ri­schen Obers­ten Landes­ge­richts vom 12. Juli 2018 (GVBl S. 545 ff.)
• Art. 68 Abs. 2 Satz 3
• Art. 70 Abs. 1 Satz 1
• Art. 71 Abs. 5 Satz 1
• Art. 104
(Inkraft­tre­ten 01. Februar 2019)

Gesetz über die Berufsausübung, die Berufsvertretungen und die Berufsgerichtsbarkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker sowie der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Heilberufe-Kammergesetz - HKaG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 6. Februar 2002 (GVBl S.42, BayRS 2122-3-UG), zuletzt geändert durch Gesetz vom 22. Mai 2015 (GVBl S. 158, BayRS 2122-3-G)

Erster Teil

Ärzte

Abschnitt I

Organisation der Berufsvertretung

Art. 1

Die Berufs­ver­tre­tung der Ärzte besteht aus den ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den, den ärzt­li­chen Bezirks­ver­bän­den und der Landes­ärz­te­kam­mer.

Art. 2
 

(1)
Die Berufs­ver­tre­tung hat die Aufgabe, im Rahmen der Gesetze die beruf­li­chen Belange der Ärzte wahr­zu­neh­men, die Erfül­lung der ärzt­li­chen Berufs­pflich­ten zu über­wa­chen, die ärzt­li­che Fort­bil­dung zu fördern, soziale Einrich­tun­gen für Ärzte und deren Ange­hö­rige zu schaf­fen sowie in der öffent­li­chen Gesund­heits­pflege mitzu­wir­ken. Im Bereich der ärzt­li­chen Fort­bil­dung kann die Landes­ärz­te­kam­mer in einer Satzung insbe­son­dere Rege­lun­gen tref­fen über die Aner­ken­nung von Fort­bil­dungs­maß­nah­men, die Auss­tel­lung eines Fort­bil­dungs­zer­ti­fi­kats und die Vergabe und Erfas­sung von Fort­bil­dungs­punk­ten.
(2)
Die Berufs­ver­tre­tung ist berech­tigt, inner­halb ihres Aufga­ben­be­reichs Anfra­gen, Vorstel­lun­gen und Anträge an die zustän­di­gen Behör­den zu rich­ten; sie ist verpflich­tet, diesen Behör­den auf Verlan­gen Gutach­ten zu erstat­ten oder Sach­ver­stän­dige zur Erstat­tung von Gutach­ten zu benen­nen. Die Behör­den sollen die Berufs­ver­tre­tung vor der Rege­lung wich­ti­ger einschlä­gi­ger Fragen hören und auf Anfra­gen der Berufs­ver­tre­tung Auskunft ertei­len, soweit nicht dienst­li­che Gründe entge­gen­ste­hen. Die Berufs­ver­tre­tung ist berech­tigt, den Gerich­ten auf Verlan­gen Gutach­ten zu erstat­ten oder Sach­ver­stän­dige zur Erstat­tung von Gutach­ten zu benen­nen. Soweit es zur Erfül­lung der Aufga­ben nach Satz 1 Halb­satz 2 und Satz 3 erfor­der­lich ist, ist die Berufs­ver­tre­tung abwei­chend von Art. 9 Abs. 1 der Verord­nung (EU) 2016/679 (Daten­schutz-Grund­ver­ord­nung) berech­tigt, die in den jewei­li­gen Verfah­rens­ak­ten enthal­te­nen perso­nen­be­zo­ge­nen Gesund­heits­da­ten zu verar­bei­ten.

Art. 3
 

(1)
Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände sind jeweils für den Bereich einer Kreis­ver­wal­tungs­be­hörde zu bilden; sie können für den Bereich mehre­rer Kreis­ver­wal­tungs­be­hör­den des glei­chen Regie­rungs­be­zirks gebil­det werden, wenn die Mitglie­der­zahl im Bereich der betrof­fe­nen Kreis­ver­wal­tungs­be­hör­den 2 000 nicht über­steigt. Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände umfas­sen diese Berei­che in ihrem jewei­li­gen Gebiets­um­fang.
(2)
Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände sind Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Sie führen ein Dienst­sie­gel.

Art. 4
 

(1)
Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände sind alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Ärzte, die
1.
in Bayern ärztlich tätig sind oder,
2.
ohne ärztlich tätig zu sein, in Bayern ihre Hauptwohnung im Sinn des Melderechts haben.
(2)
Die Mitglied­schaft wird bei dem ärzt­li­chen Kreis­ver­band begrün­det, in dessen Bereich der Betref­fende sich nieder­ge­las­sen hat oder sonst ärzt­lich tätig ist. Übt der Betref­fende den ärzt­li­chen Beruf im Bereich mehre­rer ärzt­li­cher Kreis­ver­bände aus, wird die Mitglied­schaft ausschließ­lich in dem Kreis­ver­band begrün­det, in dessen Bereich der Betref­fende über­wie­gend ärzt­lich tätig ist. Ist dies durch die betrof­fe­nen ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände nach Abs. 6 Satz 7 nicht oder nur mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Aufwand fest­zu­stel­len, ist der Betref­fende von der Landes­ärz­te­kam­mer schrift­lich aufzu­for­dern, inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist zu erklä­ren, in welchem ärzt­li­chen Kreis­ver­band eine Mitglied­schaft begrün­det werden soll. Die Erklä­rung ist schrift­lich abzu­ge­ben und nicht wider­ruf­lich; die betrof­fe­nen Kreis- und Bezirks­ver­bände sind von der Landes­ärz­te­kam­mer über die abge­ge­bene Erklä­rung schrift­lich zu unter­rich­ten. Sofern die Erklä­rung nicht oder nicht inner­halb der gesetz­ten Frist abge­ge­ben wird, bestimmt die Landes­ärz­te­kam­mer durch ein Losver­fah­ren, in welchem ärzt­li­chen Kreis­ver­band die Mitglied­schaft begrün­det wird. Dem Betref­fen­den sowie den betei­lig­ten Kreis- und Bezirks­ver­bän­den ist die Entschei­dung der Landes­ärz­te­kam­mer schrift­lich mitzu­tei­len. Der Betref­fende ist über das in den Sätzen 4 bis 6 bestimmte Verfah­ren vorab aufzu­klä­ren; das Losver­fah­ren darf erst durch­ge­führt werden, wenn die Aufklä­rung nach­weis­lich erfolgt ist. Ändern sich die für die Begrün­dung der Mitglied­schaft in einem ärzt­li­chen Kreis­ver­band maßgeb­li­chen Verhält­nisse in der Person des Mitglieds und teilt das Mitglied dies dem zustän­di­gen ärzt­li­chen Bezirks­ver­band mit oder erhält dieser auf ande­rem Wege hier­von Kennt­nis, ist das Verfah­ren zur Bestim­mung der Mitglied­schaft in einem ärzt­li­chen Kreis­ver­band nach den Sätzen 1 bis 7 erneut durch­zu­füh­ren. Das Nähere regelt die Melde­ord­nung nach Abs. 7. Übt ein Arzt keine ärzt­li­che Tätig­keit aus, so bestimmt sich die Mitglied­schaft nach seiner Haupt­woh­nung.
(3)
Die Mitglied­schaft in einer vergleich­ba­ren ärzt­li­chen Berufs­ver­tre­tung außer­halb des Geltungs­be­reichs dieses Geset­zes lässt die Mitglied­schaft in einem ärzt­li­chen Kreis­ver­band nach Abs. 2 unbe­rührt. Die nähere Ausge­stal­tung der sich aus einer mehr­fa­chen Mitglied­schaft erge­ben­den Rechte und Pflich­ten eines Mitglieds bleibt den Satzun­gen der Berufs­ver­tre­tun­gen vorbe­hal­ten.
(4)
(aufge­ho­ben)
(5)
Die Mitglied­schaft ruht bei Ruhen der Appro­ba­tion (§ 6 der Bunde­särz­te­ord­nung) und bei Anord­nung des Verbots, den ärzt­li­chen Beruf auszuü­ben (§ 70 des Straf­ge­setz­buchs-StGB). Das Ruhen der Mitglied­schaft endet im Fall des § 6 der Bunde­särz­te­ord­nung mit Aufhe­bung der Ruhens­an­ord­nung, im Fall des § 70 StGB mit Ablauf der Dauer oder mit der Ausset­zung des Berufs­ver­bots.
(6)
Die Mitglie­der sind verpflich­tet, sich bei dem zustän­di­gen ärzt­li­chen Bezirks­ver­band unter Vorlage der Berech­ti­gungs­nach­weise zu melden; im Fall einer ärzt­li­chen Tätig­keit im Bereich mehre­rer ärzt­li­cher Bezirks­ver­bände ist die Meldung bei dem Bezirks­ver­band vorzu­neh­men, in dessen Bereich die Mitglied­schaft begrün­det werden soll. Außer­dem haben die Mitglie­der Beginn und Been­di­gung ihrer Berufs­aus­übung unver­züg­lich dem ärzt­li­chen Bezirks­ver­band anzu­zei­gen. Im Fall der Aufnahme der Berufs­aus­übung ist
1.
die Anschrift der Niederlassung oder der Beschäftigungsstelle anzugeben,
2.
die Berechtigung zur Ausübung des Berufs oder zur Führung der Berufsbezeichnung nachzuweisen und
3.
anzugeben, ob und an welchen weiteren Standorten eine ärztliche Tätigkeit ausgeübt wird, die Art und der Umfang der jeweiligen ärztlichen Tätigkeit und ob bereits eine Mitgliedschaft in einer anderen ärztlichen Berufsvertretung besteht.
Anzu­zei­gen sind auch Ände­run­gen der Nieder­las­sung. Der ärzt­li­che Bezirks­ver­band unter­rich­tet den zustän­di­gen ärzt­li­chen Kreis­ver­band und die Landes­ärz­te­kam­mer über die Mitglie­der­da­ten, die zur Erfül­lung ihrer Aufga­ben erfor­der­lich sind, außer­dem auf Ersu­chen das zustän­dige Gesund­heits­amt oder die zustän­dige Regie­rung über die Mitglie­der­da­ten, auf die sich die Melde- und Anzei­ge­pflich­ten den Sätzen 1 bis 4 bezie­hen. Übt das Mitglied eine ärzt­li­che Tätig­keit an mehre­ren Stand­orten aus oder liegt bereits eine Mitglied­schaft in einer ande­ren ärzt­li­chen Berufs­ver­tre­tung vor, unter­rich­tet der ärzt­li­che Bezirks­ver­band die für die weite­ren Tätig­keit­sorte zustän­di­gen Berufs­ver­tre­tun­gen über die Mitglie­der­da­ten, auf die sich die Melde- und Anzei­ge­pflich­ten nach den Sätzen 1 bis 4 bezie­hen, soweit dies für die Erfül­lung ihrer Aufga­ben erfor­der­lich ist; dies gilt entspre­chend, wenn die Zustän­dig­keit voll­stän­dig auf eine andere Berufs­ver­tre­tung über­geht. Die nach Satz 6 Halb­satz 1 betrof­fe­nen ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände stim­men sich anhand der vorlie­gen­den Anga­ben des Mitglieds darüber ab, bei welcher Berufs­ver­tre­tung die Mitglied­schaft nach Abs. 2 Satz 2 begrün­det wird. Führt die Abstim­mung nach Satz 7 zu keinem Ergeb­nis oder ist die Fest­stel­lung des Beste­hens einer Mitglied­schaft aus ande­ren Grün­den nicht oder nur mit unver­hält­nis­mä­ßi­gem Aufwand möglich, über­mit­telt der gemäß Satz 1 befasste ärzt­li­che Bezirks­ver­band die zur Durch­füh­rung des Verfah­rens nach Abs. 2 Sätze 3 bis 7 erfor­der­li­chen Daten in Bezug auf das Mitglied an die Landes­ärz­te­kam­mer. Meldun­gen und Anzei­gen nach den Sätzen 1 bis 4 nimmt auch der zustän­dige ärzt­li­che Kreis­ver­band entge­gen und leitet sie unver­züg­lich an den ärzt­li­chen Bezirks­ver­band weiter. Der zustän­dige ärzt­li­che Bezirks­ver­band kann die Erfül­lung der Melde- und Anzei­ge­pflicht nach den Sätzen 1 bis 4 gegen­über dem Mitglied durch Verwal­tungs­akt anord­nen.
(7)
Die Landes­ärz­te­kam­mer kann in einer Melde­ord­nung das Nähere über das Verfah­ren zur Bestim­mung der Mitglied­schaft nach Abs. 2 und das Melde­ver­fah­ren zu den ärzt­li­chen Bezirks­ver­bän­den regeln und die zur Über­wa­chung der ärzt­li­chen Berufs­pflich­ten erfor­der­li­chen Anga­ben und Nach­weise, die Gegen­stand der Meldung sein sollen, fest­le­gen.
(8)
Die für die Berufs­zu­las­sung zustän­di­gen Behör­den unter­rich­ten die Landes­ärz­te­kam­mer über Perso­nen, denen die Berufs­zu­las­sung neu erteilt wurde; mitzu­tei­len sind dabei der voll­stän­dige Name, gege­be­nen­falls ein abwei­chen­der Geburts­name, das Geburts­da­tum, der Geburts­ort sowie die voll­stän­dige Wohn­an­schrift. Eine Weiter­gabe der Daten an den für die Entge­gen­nahme der Meldung nach Abs. 6 Satz 1 zustän­di­gen ärzt­li­chen Bezirks­ver­band und den ärzt­li­chen Kreis­ver­band, bei dem die Mitglied­schaft nach Abs. 2 besteht, ist zuläs­sig.
(9)
Die Landes­ärz­te­kam­mer über­mit­telt dem zustän­di­gen berufs­stän­di­schen Versor­gungs­werk Namen, Geburts­da­tum, Anschrift und Datum der Berufs­zu­las­sung derje­ni­gen Ärzte, die nach Absatz 1 Nr. 1 erst­mals Mitglie­der eines ärzt­li­chen Kreis­ver­bands wurden sowie sons­tige Infor­ma­tio­nen, insbe­son­dere über den Tod oder den dauer­haf­ten Wegfall der Berufs­zu­las­sung eines Mitglieds, soweit die Über­mitt­lung zur Erfül­lung der in der Zustän­dig­keit des berufs­stän­di­schen Versor­gungs­werks liegen­den Aufga­ben erfor­der­lich ist.

Art. 5
 

(1)
Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände regeln ihre Vertre­tung und ihre sons­ti­gen Verhält­nisse durch eine Satzung, die der Zustim­mung der Landes­ärz­te­kam­mer und der Geneh­mi­gung der Regie­rung bedarf. Zustim­mung und Geneh­mi­gung sind entbehr­lich, wenn der ärzt­li­che Kreis­ver­band ein mit Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit und Pflege (Staats­mi­nis­te­rium) erlas­se­nes Satzungs­mus­ter der Landes­ärz­te­kam­mer über­nimmt. In der Satzung ist das Verfah­ren bei der Neubil­dung ärzt­li­cher Kreis­ver­bände zu regeln.
(2)
Bei ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den von mehr als 2 500 Mitglie­dern nimmt eine Dele­gier­ten­ver­samm­lung, die von den Mitglie­dern auf die Dauer von vier Jahren gewählt wird, deren Aufga­ben wahr. Es sind bei ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den mit nicht mehr als 3000 Mitglie­dern 25 Dele­gierte und mit nicht mehr als 4 000 Mitglie­dern 35 Dele­gierte zu wählen; wird die Mitglie­der­zahl von 4 000 über­schrit­ten, so sind ebenso wie für jedes weitere ange­fan­gene Tausend an Mitglie­dern jeweils drei zusätz­li­che Dele­gierte zu wählen; die Gesamt­zahl der Dele­gier­ten darf 80 nicht über­schrei­ten. Sinkt die Mitglie­der­zahl ärzt­li­cher Kreis­ver­bände wieder unter 2 500, kann die Dele­gier­ten­ver­samm­lung beibe­hal­ten werden. Die Dele­gier­ten und ihre Ersatz­leute in ange­mes­se­ner Zahl müssen Mitglie­der des jewei­li­gen ärzt­li­chen Kreis­ver­bands sein. In der Wahl­ord­nung, die vom jewei­li­gen ärzt­li­chen Kreis­ver­band zu erlas­sen ist und der Zustim­mung der Landes­ärz­te­kam­mer sowie der Geneh­mi­gung der Regie­rung bedarf, kann die Dauer der Wahl­pe­ri­ode auf bis zu sechs Jahren verlän­gert werden. Art. 11 Abs. 5 und Art. 12 gelten für Dele­gierte sowie für Vorstands- und Ausschuss­mit­glie­der entspre­chend.
(3)
Erreicht ein ärzt­li­cher Kreis­ver­band drei Monate vor der nächs­ten ordnungs­ge­mä­ßen Wahl der Vorstands­mit­glie­der eine Mitglie­der­zahl von mehr als 2 500, so ist eine Dele­gier­ten­ver­samm­lung zu wählen. Für diese Wahl findet die am Stich­tag nach Satz 1 geltende Wahl­ord­nung oder Satzung des ärzt­li­chen Kreis­ver­bands unter Berück­sich­ti­gung des Absat­zes 2 Anwen­dung. Nach der in Satz 2 genann­ten Wahl­ord­nung oder Satzung rich­tet sich auch die von der Dele­gier­ten­ver­samm­lung vorzu­neh­mende Wahl der Vorstands­mit­glie­der. Bei den in Absatz 2 Satz 2 genann­ten ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den ist eine durch Anstei­gen oder Absin­ken der Mitglie­der­zahl verän­derte Zahl der Dele­gier­ten bei den danach erst­mals anste­hen­den ordnungs­ge­mä­ßen Wahlen zu berück­sich­ti­gen; maßge­bend für die Zahl der zu wählen­den Dele­gier­ten ist der in Satz 1 genannte Stich­tag.
(4)
Die Dele­gier­ten­ver­samm­lung ist vom Vorstand mindes­tens einmal jähr­lich einzu­be­ru­fen. Außer­or­dent­li­che Dele­gier­ten­ver­samm­lun­gen sind vom Vorstand unver­züg­lich unter Angabe des Verhand­lungs­ge­gen­stands
1.
auf Antrag von mindestens einem Drittel der Delegierten,
2.
auf Anordnung der Landesärztekammer oder der Aufsichtsbehörde
zu einer binnen zwei Mona­ten nach Zugang des Antrags oder der Anord­nung statt­fin­den­den Zusam­men­kunft einzu­be­ru­fen; in diesen Versamm­lun­gen ist Gele­gen­heit zu geben, den Verhand­lungs­ge­gen­stand in ange­mes­se­nem Umfang zu erör­tern. Im Fall des Satzes 2 Nr. 1 ist zur Beschluss­fä­hig­keit mindes­tens die Anwe­sen­heit der dort genann­ten Zahl von Dele­gier­ten erfor­der­lich, ansons­ten sind außer­or­dent­li­che Dele­gier­ten­ver­samm­lun­gen unbe­scha­det der Zahl der erschie­ne­nen Dele­gier­ten beschluss­fä­hig; hier­auf ist in den Ladun­gen hinzu­wei­sen. Ein weite­rer Antrag nach Satz 2 Nr. 1 zu dem im Wesent­li­chen glei­chen Gegen­stand in dersel­ben Wahl­pe­ri­ode ist nicht zuläs­sig.
(5)
Wird die Wahl einer Dele­gier­ten­ver­samm­lung bestands­kräf­tig für ungül­tig erklärt, so ist diese für den Rest der Wahl­pe­ri­ode binnen sechs Mona­ten zu wieder­ho­len, worauf­hin unver­züg­lich der Vorstand und die Ausschüsse neu zu wählen sind. Die Wirk­sam­keit vorher gefas­s­ter Beschlüsse und sonst vorge­nom­me­ner Amts­hand­lun­gen der in Satz 1 genann­ten Organe bleibt unbe­rührt.
(6)
Bei ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den ohne Dele­gier­ten­ver­samm­lung gilt Absatz 4 für die Mitglie­der­ver­samm­lung sinn­ge­mäß.

Art. 6
 

Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände sind berech­tigt, zur Erfül­lung ihrer Aufga­ben von allen Mitglie­dern Beiträge zu erhe­ben. Die Höhe der Beiträge wird in einer Beitrags­ord­nung fest­ge­setzt, die von den Mitglie­dern bzw. Dele­gier­ten der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände zu beschlie­ßen ist und zu ihrer Wirk­sam­keit der Zustim­mung der Landes­ärz­te­kam­mer und der Geneh­mi­gung der Regie­rung bedarf. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 gilt entspre­chend. Der Vorstand des ärzt­li­chen Kreis­ver­bands kann die Durch­füh­rung der Beitrags­er­he­bung der Landes­ärz­te­kam­mer über­tra­gen.

Art. 7
 

(1)
Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände jedes Regie­rungs­be­zirks sind zu einem ärzt­li­chen Bezirks­ver­band zusam­men­ge­schlos­sen. Der Kreis­ver­band München hat zugleich die Stel­lung eines Bezirks­ver­bands. Die Bezirks­ver­bände sind Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Sie führen ein Dienst­sie­gel.
(2)
Die Aufga­ben und die Vertre­tung des Bezirks­ver­bands werden durch Satzung bestimmt. Die Satzung bedarf der Zustim­mung der Landes­ärz­te­kam­mer und der Geneh­mi­gung der Regie­rung. Jeder ärzt­li­che Kreis­ver­band muss in der Vorstand­schaft des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands vertre­ten sein. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 gilt entspre­chend.

Art. 8
 

Die zur Erfül­lung der Aufga­ben der ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände erfor­der­li­chen Mittel sind von den ärzt­li­chen Kreis­ver­bän­den im Umla­ge­ver­fah­ren aufzu­brin­gen.

Art. 9
 

Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände und Bezirks­ver­bände stehen unter der Aufsicht der Landes­ärz­te­kam­mer und der für ihren Sitz zustän­di­gen Regie­rung; örtlich zustän­dig ist die Regie­rung von Ober­bay­ern für die Regie­rungs­be­zirke Ober­bay­ern, Nieder­bay­ern, die Ober­pfalz und Schwa­ben sowie die Regie­rung von Unter­fran­ken für die Regie­rungs­be­zirke Ober­fran­ken, Mittel­fran­ken und Unter­fran­ken. Die Regie­rung und die Landes­ärz­te­kam­mer können jeder­zeit Auskunft über ihre Ange­le­gen­hei­ten und Beschlüsse verlan­gen; die Regie­rung kann außer­dem gesetz- oder satzungs­wid­rige Beschlüsse nach Anhö­rung der Lande­ärz­te­kam­mer außer Kraft setzen. Im Übri­gen finden für die Regie­rung Art. 59 Abs. 2, Art. 112 Satz 2, Art. 113 und 114 der Gemein­de­ord­nung entspre­chende Anwen­dung; die daraus sich erge­ben­den Rechte und Pflich­ten betref­fen an Stelle der Gemeinde den ärzt­li­chen Kreis- oder Bezirks­ver­band, an Stelle des Gemein­de­rats den Vorstand, an Stelle des ersten Bürger­meis­ters den Vorsit­zen­den des ärzt­li­chen Kreis- oder Bezirks­ver­bands und an Stelle der Staats­re­gie­rung das Staats­mi­nis­te­rium.

Art. 10
 

(1)
Die Landes­ärz­te­kam­mer besteht aus 180 Dele­gier­ten der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände und der medi­zi­ni­schen Fach­be­rei­che der Landes­u­ni­ver­si­tä­ten. Ihr Sitz ist München. Sie ist eine Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts. Sie führt ein Dienst­sie­gel.
(2)
Zur Wahr­neh­mung der die deut­sche Ärzte­schaft berüh­ren­den gemein­sa­men Berufs- und Stan­des­fra­gen ist die Landes­ärz­te­kam­mer berech­tigt, sich mit den außer­baye­ri­schen ärzt­li­chen Landes­or­ga­ni­sa­tio­nen zu Arbeits­ge­mein­schaf­ten zusam­men­zu­schlie­ßen.

Art. 11
 

(1)
Die Dele­gier­ten zur Landes­ärz­te­kam­mer und eine ange­mes­sene Zahl von Ersatz­de­le­gier­ten werden auf die Dauer von vier Jahren
1.
von den Mitgliedern der ärztlichen Kreisverbände durch geheime und schriftliche Abstimmung aus der Zahl ihrer Mitglieder gewählt (Absatz 3),
2.
von den Mitgliedern der medizinischen Fachbereiche der Landesuniversitäten aus der Zahl ihrer Mitglieder entsandt (Absatz 2).
In der Wahl­ord­nung, die von der Landes­ärz­te­kam­mer zu erlas­sen ist und der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums bedarf, kann die Dauer auf bis zu sechs Jahre verlän­gert werden.
(2)
Die medi­zi­ni­schen Fach­be­rei­che der Landes­u­ni­ver­si­tä­ten entsen­den je einen Dele­gier­ten.
(3)
Die um die Zahl der nach Absatz 2 zu entsen­den­den Dele­gier­ten vermin­derte Gesamt­zahl der Dele­gier­ten wird auf die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände nach der Zahl ihrer Mitglie­der verteilt; auf jeden ärzt­li­chen Kreis­ver­band muss dabei mindes­tens ein zu wählen­der Dele­gier­ter entfal­len. Das Vertei­lungs- und Wahl­ver­fah­ren wird im Übri­gen durch die Wahl­ord­nung gere­gelt.
(4)
Der Landes­ärz­te­kam­mer gehö­ren weiter die vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­der der Landes­ärz­te­kam­mer und die ersten vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­der der ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände an, soweit sie nicht bereits Dele­gierte sind.
(5)
Das Wahl­recht und die Wähl­bar­keit ruhen, solange
1.
dem Mitglied zur Besorgung aller seiner Angelegenheiten ein Betreuer nicht nur durch einstweilige Anordnung bestellt ist; dies gilt auch, wenn der Aufgabenkreis des Betreuers die in § 1896 Abs. 4 und § 1905 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bezeichneten Angelegenheiten nicht erfasst oder
2.
das Mitglied sich in Untersuchungs- oder Strafhaft befindet.

Art. 12
 

(1)
Ein Dele­gier­ter verliert seinen Sitz in der Landes­ärz­te­kam­mer
1.
durch Verzicht, der dem Vorstand der Landesärztekammer gegenüber schriftlich erklärt werden muss und unwiderruflich ist,
2.
mit der Beendigung der Mitgliedschaft nach Art. 4 Abs. 1 bei einem ärztlichen Kreisverband im Freistaat Bayern,
3.
durch Entziehung nach Art. 67 Abs. 1 Nr. 3.
(2)
Das Mandat eines Dele­gier­ten ruht, solange die in Art. 11 Abs. 5 bezeich­ne­ten Voraus­set­zun­gen beste­hen.
(3)
Der Verlust des Sitzes nach Absatz 1 Nr. 2 und das Ruhen des Mandats werden wirk­sam, wenn ein entspre­chen­der Beschluss des Vorstands der Landes­ärz­te­kam­mer dem Dele­gier­ten zuge­stellt ist. Im Fall des Absat­zes 1 oder des Todes eines Dele­gier­ten ist der nach der Wahl­ord­nung (Satzung) nach­rückende Ersatz­de­le­gierte in glei­cher Weise zu verstän­di­gen.

Art. 13
 

(1)
Der Vorstand der Landes­ärz­te­kam­mer besteht aus dem ersten vorsit­zen­den Mitglied, höchs­tens zwei stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Mitglie­dern, den ersten vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­dern der ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sowie höchs­tens zwölf aus der Mitte der Dele­gier­ten zu wählen­den Mitglie­dern; das erste vorsit­zende Mitglied führt die Bezeich­nung „Prä­si­dent“ oder „Prä­si­den­tin“, die stell­ver­tre­ten­den Mitglie­der führen die Bezeich­nung „Vize­prä­si­dent“ oder „Vize­prä­si­den­tin“. Die Amts­dauer des Vorstands beträgt vier Jahre. Art. 11 Abs. 1 Satz 2 gilt entspre­chend.
(2)
Die Dele­gier­ten der Landes­ärz­te­kam­mer wählen die vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­der sowie aus ihrer Mitte die übri­gen Vorstands­mit­glie­der und die erfor­der­li­chen Ausschüsse. Art. 5 Abs. 4 gilt im Übri­gen entspre­chend.
(3)
Der Vorstand und die Ausschüsse können sich bis zu einem Sieb­tel ihrer Zahl durch Zuwahl wähl­ba­rer Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände ergän­zen.
(4)
Art. 12 Abs. 1, 2 und 3 Satz 1 gelten für die Vorstands- und Ausschuss­mit­glie­der entspre­chend.

Art. 14
 

(1)
Die Landes­ärz­te­kam­mer gibt sich eine Satzung, die der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums bedarf.
(2)
Das erste vorsit­zende Vorstands­mit­glied und jedes der stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­der vertre­ten die Landes­ärz­te­kam­mer nach Maßgabe der Satzung nach außen.

Art. 15
 

(1)
Die Beschlüsse der Landes­ärz­te­kam­mer und ihres Vorstands sind für die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände und Bezirks­ver­bände bindend.
(2)
Die Landes­ärz­te­kam­mer ist berech­tigt, zur Erfül­lung ihrer Aufga­ben von allen Mitglie­dern der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände Beiträge zu erhe­ben. Die Höhe der Beiträge wird in einer Beitrags­ord­nung fest­ge­setzt, die von der Landes­ärz­te­kam­mer zu erlas­sen ist und der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums bedarf.
(3)
Die Landes­ärz­te­kam­mer ist berech­tigt, für die Inan­spruch­nahme von Kammer­ein­rich­tun­gen und für Leis­tun­gen und Tätig­kei­ten, die sie in Wahr­neh­mung ihrer Aufga­ben, insbe­son­dere auf dem Gebiet der Weiter­bil­dung, erbringt, Kosten (Gebüh­ren und Ausla­gen) zu erhe­ben. Die Gebüh­ren sind nach dem Verwal­tungs­auf­wand und der Bedeu­tung der Ange­le­gen­heit für den Kosten­schuld­ner zu bemes­sen. Die Gebüh­ren­tat­be­stände und die Höhe der Gebüh­ren setzt die Landes­ärz­te­kam­mer durch Satzung fest, die der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums bedarf.
(4)
Beiträge und Kosten sind nach Maßgabe des Art. 40 beizu­trei­ben.

Art. 16
 

(1)
Die Landes­ärz­te­kam­mer steht unter der Aufsicht des Staats­mi­nis­te­ri­ums. Dieses kann insbe­son­dere zu den Kammer­sit­zun­gen Vertre­ter entsen­den, denen auf Verlan­gen jeder­zeit das Wort erteilt werden muss. Art. 9 Sätze 2 und 3 finden entspre­chende Anwen­dung.
(2)
Das Staats­mi­nis­te­rium kann der Landes­ärz­te­kam­mer beson­dere Aufga­ben über­tra­gen.

Abschnitt II

Berufsausübung

Art. 17
 

Die Ärzte sind verpflich­tet, ihren Beruf gewis­sen­haft auszuü­ben und dem ihnen im Zusam­men­hang mit dem Beruf entge­gen­ge­brach­ten Vertrauen zu entspre­chen.

Art. 18
 

(1)
Die Ärzte, die ihren Beruf ausüben, haben insbe­son­dere die Pflicht,
1.
sich im fachlichen Rahmen ihrer Berufsausübung beruflich fortzubilden und sich dabei über die für ihre Berufsausübung geltenden Bestimmungen zu unterrichten,
2.
soweit sie in eigener Praxis tätig sind, am Notfall- und Bereitschaftsdienst teilzunehmen,
3.
über in Ausübung ihres Berufs gemachte Feststellungen und getroffene Maßnahmen Aufzeichnungen zu fertigen,
4.
sich gegen die aus der Ausübung ihres Berufs ergebenden Haftpflichtansprüche ausreichend zu versichern und dies auf Verlangen des zuständigen ärztlichen Bezirksverbands oder der Landesärztekammer nachzuweisen; die Landesärztekammer ist zuständige Stelle im Sinn von § 117 Abs. 2 des Gesetzes über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG) vom 23. November 2007 (BGBl I S. 2631). Die Versicherungspflicht besteht für den Arzt persönlich, es sei denn, der Arzt ist in vergleichbarem Umfang, insbesondere im Rahmen eines Anstellungs- oder Beamtenverhältnisses, gegen Haftpflichtansprüche abgesichert.
Die Führung einer ärzt­li­chen Praxis in der Rechts­form einer juris­ti­schen Person des priva­ten Rechts ist nicht statt­haft.
(2)
Part­ner­schafts­ge­sell­schaf­ten mit beschränk­ter Berufs­haf­tung erfül­len die Voraus­set­zun­gen nach § 8 Abs. 4 Satz 1 des Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­set­zes, wenn sie eine dem aus der Berufs­au­sü­bung erwach­sen­den Haftungs­ri­siko ange­mes­sene Berufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung unter­hal­ten und die Mindest­ver­si­che­rungs­s­umme pro Versi­che­rungs­fall 5 000 000 Euro beträgt. Die Leis­tun­gen des Versi­che­rers für alle inner­halb eines Versi­che­rungs­jahrs verur­sach­ten Schä­den kön­nen auf den Betrag der Mindest­ver­si­che­rungs­s­umme, verviel­facht mit der Zahl der Part­ner, begrenzt werden, die Jahres­höchst­leis­tung muss sich jedoch mindes­tens auf den vier­fa­chen Betrag der Mindest­ver­si­che­rungs­s­umme belau­fen.
(3)
Ärzte, die den Abbruch einer Schwan­ger­schaft im Einzel­fall für nicht verant­wort­bar halten, müssen ihre Mitwir­kung daran ableh­nen. Ferner haben Ärzte es zu unter­las­sen, einer ande­ren Person als einem Arzt das Geschlecht eines Unge­bo­re­nen mitzu­tei­len, bevor seit der Empfäng­nis zwölf Wochen verstri­chen sind, wenn nicht die Mittei­lung nach ärzt­li­cher Erkennt­nis zur Beur­tei­lung der Voraus­set­zun­gen des § 218 a Abs. 2 StGB oder aus ärzt­li­cher Sicht im Inter­esse des unge­bo­re­nen Lebens gebo­ten ist; sie haben zur Einhal­tung dieser Pflicht ihre berufs­mä­ßig täti­gen Gehil­fen und die Perso­nen anzu­hal­ten, die bei ihnen zur Vorbe­rei­tung auf den Beruf tätig sind. Ärzte, die einen Schwan­ger­schafts­ab­bruch vorneh­men, haben Aufzeich­nun­gen zu ferti­gen über
1.
die festgestellte Dauer der Schwangerschaft,
2.
die Durchführung der Aufklärung und Beratung über die ärztlich bedeutsamen Gesichtspunkte, insbesondere über Ablauf, Folgen und Risiken sowie über mögliche körperliche und seelische Auswirkungen des Abbruchs der Schwangerschaft,
3.
die Unterrichtung der Frau über die für die ärztliche Entscheidung maßgeblichen Gesichtspunkte und über den von der Verfassung gebotenen Schutz des ungeborenen Lebens.
Außer­dem sind von den an einem Schwan­ger­schafts­ab­bruch mitwir­ken­den Ärzten, soweit nicht ein Fall des § 218 a Abs. 1 StGB vorliegt, die für die ärzt­li­che Erkennt­nis im Einzel­fall maßgeb­li­chen Gesichts­punkte einschließ­lich der Stel­lung­nah­men konsi­lia­risch beige­zo­ge­ner ande­rer Fachärzte aufzu­zeich­nen. Die Sätze 1 bis 4 gelten nicht für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, bei denen die Voraus­set­zun­gen des § 12 Abs. 2 des Schwan­ger­schafts­kon­flikt­ge­set­zes vorlie­gen.
(4)
Ärzte stel­len auf Anfrage eines Pati­en­ten
1.
im Hinblick auf eine geplante Behandlung Informationen
a)
für eine sachkundige Entscheidung des Patienten hinsichtlich der von ihnen erbrachten Gesundheitsdienstleistungen,
b)
über die voraussichtlichen Kosten und die Preisgestaltung,
c)
über das Vorliegen einer gültigen Berufszulassung und
d)
über Bestehen und Umfang einer Berufshaftpflichtversicherung sowie
2.
nach Abschluss der Behandlung klare Rechnungen bereit.
(5)
Das Nähere zu Absatz 1 Satz 1 Nrn. 1 bis 3 regelt die Berufs­ord­nung; darin können auch nähere Bestim­mun­gen zu Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 getrof­fen werden. Sie hat zu Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 vorzu­se­hen, dass die Teil­nah­me­ver­pflich­tung nur für einen bestimm­ten regio­na­len Bereich gilt und Befrei­ung von der Teil­nahme am Notfall- und Bereit­schafts­dienst aus schwer­wie­gen­den Grün­den, insbe­son­dere wegen körper­li­cher Behin­de­run­gen, beson­ders belas­ten­der fami­li­ärer Pflich­ten oder wegen Teil­nahme an einem klini­schen Bereit­schafts­dienst mit Notfall­ver­sor­gung auf Antrag ganz, teil­weise oder vorüber­ge­hend erteilt werden kann.

Art. 19
 

Die Berufs­ord­nung kann weitere Vorschrif­ten über Berufs­pflich­ten im Rahmen des Art. 17 enthal­ten, insbe­son­dere über
1.
die Einhaltung der Schweigepflicht und der sonst für die Berufsausübung geltenden Rechtsvorschriften,
2.
die Ausstellung von Gutachten und Zeugnissen,
3.
die Praxisankündigung und Praxiseinrichtung,
4.
die Durchführung von Sprechstunden und Hausbesuchen,
5.
die gemeinsame Ausübung der Berufstätigkeit,
6.
die Angemessenheit und Nachprüfbarkeit des Honorars,
7.
das Ausmaß des Verbots oder der Beschränkung der Werbung,
8.
die Verordnung und Empfehlung von Heil- und Hilfsmitteln,
9.
das berufliche Verhalten gegenüber anderen Berufsangehörigen und die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Berufe,
10.
die Beschäftigung von Vertretern, Assistenten und sonstigen Mitarbeitern,
11.
die Ausbildung von Personal,
12.
die Beteiligung an Maßnahmen der Qualitätssicherung,
13.
die Beratung in berufsethischen und berufsrechtlichen Fragen vor der Durchführung
a)
klinischer Versuche am Menschen,
b)
epidemiologischer Forschungsvorhaben mit personenbezogenen Daten,
c)
der Forschung mit vitalen menschlichen Gameten und Embryonen.

Art. 20
 

Die Berufs­ord­nung wird von der Landes­ärz­te­kam­mer erlas­sen und bedarf der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums.

Abschnitt III

Spezifische Ausbildung in der Allgemeinmedizin; Praktische Ärzte

Art. 21
 

(aufge­ho­ben)

Art. 22
 

(1)
Das aufgrund eines erteil­ten Zeug­nis­ses über eine abge­schlos­sene spezi­fi­sche Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin erwor­bene Bezeich­nungs­recht bleibt unbe­rührt, sofern betrof­fene Ärzte nicht aus ande­rem Grund die in der Weiter­bil­dungs­ord­nung für die Allge­mein­me­di­zin vorge­se­hene Gebiets­be­zeich­nung berech­tigt führen.
(2)
Perso­nen, die im Geltungs­be­reich der Bunde­särz­te­ord­nung den ärzt­li­chen Beruf auszuü­ben berech­tigt sind und nach dem Recht eines ande­ren Mitglied­staa­tes der Euro­päi­schen Union, eines ande­ren Vertrags­staa­tes des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum oder eines Vertrags­staa­tes, dem Deutsch­land und die Euro­päi­sche Gemein­schaft oder Deutsch­land und die Euro­päi­sche Union vertrag­lich einen entspre­chen­den Rechts­an­spruch einge­räumt haben, zur Ausfüh­rung von Art. 1 der Richt­li­nie 86/457/EWG des Rates vom 15. Septem­ber 1986 über eine spezi­fi­sche Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin (ABl L 267 S. 26), von Art. 30 der Richt­li­nie 93/16/EWG des Rates vom 5. April 1993 zur Erleich­te­rung der Frei­zü­gig­keit für Ärzte und zur gegen­sei­ti­gen Aner­ken­nung ihrer Diplome, Prüfungs­zeug­nisse und sons­ti­gen Befä­hi­gungs­nach­weise (ABl L 165 S. 1) oder gemäß Art. 28 der Richt­li­nie 2005/36/EG des Euro­päi­schen Parla­ments und des Rates vom 7. Septem­ber 2005 über die Aner­ken­nung von Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen (ABl L 255 S. 22, ber. 2007 ABl L 271 S. 18, 2008 ABl L 93 S. 28, 2009 ABl L 33 S. 49) einen Ausbil­dungs­nach­weis über eine abge­leis­tete spezi­fi­sche oder beson­dere Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin erwor­ben haben, erhal­ten auf Antrag die entspre­chende Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 Satz 1. Für Inha­ber eines in einem Dritt­staat ausge­stell­ten und von einem Staat nach Satz 1 gemäß Art. 2 Abs. 2 der Richt­li­nie 2005/36/EG aner­kann­ten Nach­wei­ses gilt Satz 1 nur, wenn der Inha­ber in dem aner­ken­nen­den Mitglied- oder Vertrags­staat drei Jahre Berufs­er­fah­rung in diesem Beruf erwor­ben hat und dies von dem Mitglied- oder Vertrags­staat beschei­nigt wird.

Art. 23
 

Ärzte, die vor dem 1. Januar 2006 eine spezi­fi­sche Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin begon­nen und noch nicht abge­schlos­sen haben, können diese als Weiter­bil­dung in dem die Allge­mein­me­di­zin betref­fen­den Gebiet nach den Bestim­mun­gen der Weiter­bil­dungs­ord­nung abschlie­ßen.

Art. 24
 

Auf Antrag werden in einem Staat nach Art. 22 Abs. 2 Satz 1 zurück­ge­legte Ausbil­dungs­zei­ten auf den Weiter­bil­dungs­gang im Sinn des Art. 23 ange­rech­net, wenn eine Beschei­ni­gung der zustän­di­gen Behörde des betrof­fe­nen Staa­tes vorge­legt wird, aus der sich neben der Ausbil­dungs­dauer und der Art der Ausbil­dungs­ein­rich­tung ergibt, dass die Ausbil­dung nach dem Recht dieses Staa­tes zur Ausfüh­rung von Art. 2 Abs. 1 Buchst. c Satz 2 der Richt­li­nie 86/457/EWG, von Art. 31 Abs. 1 Buchst. c Satz 2 der Richt­li­nie 93/16/EWG vom 5. April 1993, geän­dert durch die Richt­li­nie vom 14. Mai 2001, oder von Art. 28 Abs. 3 Unter­abs. 2 und 3 der Richt­li­nie 2005/36/EG erfolgt ist.

Art. 25
 

Wer am 1. Januar 1990 als nieder­ge­las­se­ner Arzt oder als nieder­ge­las­sene Ärztin die Bezeich­nung „prak­ti­scher Arzt“ oder „prak­ti­sche Ärztin“ berech­tigt geführt hat, darf sie weiter führen. Zur Führung dieser Bezeich­nung sind auch Ärzte berech­tigt, die bis zum 31. Dezem­ber 1990 die kassen­arzt­recht­li­che Vorbe­rei­tungs­zeit voll­stän­dig abge­leis­tet und sich bis spätes­tens 31. Dezem­ber 1991, ohne eine Gebiets­be­zeich­nung zu führen, nieder­ge­las­sen hatten.

Art. 26
 

Der Voll­zug des Abschnitts III obliegt der Landes­ärz­te­kam­mer.

Abschnitt IV

Weiterbildung

Art. 27
 

Ärzte können nach Maßgabe der Art. 28 bis 36 neben ihrer Berufs­be­zeich­nung weitere Bezeich­nun­gen führen, die auf beson­dere Kennt­nisse und Fähig­kei­ten in einem bestimm­ten medi­zi­ni­schen Gebiet (Gebiets­be­zeich­nung) oder Teil­ge­biet (Teil­ge­biets­be­zeich­nung) oder auf andere zusätz­lich erwor­bene Kennt­nisse und Fähig­kei­ten (Zusatz­be­zeich­nung) hinwei­sen.

Art. 28
 

(1)
Die Bezeich­nun­gen nach Art. 27 bestimmt die Landes­ärz­te­kam­mer in den Fach­rich­tun­gen
1.
Konservative Medizin,
2.
Operative Medizin,
3.
Nervenheilkundliche Medizin,
4.
Theoretische Medizin,
5.
Ökologische Medizin,
6.
Methodisch-technische Medizin
und in Verbin­dun­gen dieser Fach­rich­tun­gen, wenn dies im Hinblick auf die medi­zi­ni­sche Entwick­lung und eine ange­mes­sene ärzt­li­che Versor­gung erfor­der­lich ist.
(2)
Die Bestim­mung von Bezeich­nun­gen ist aufzu­he­ben, wenn die in Absatz 1 genann­ten Voraus­set­zun­gen nicht mehr gege­ben sind.
(3)
Gebiets­be­zeich­nun­gen sind auch die Bezeich­nun­gen „All­ge­mein­me­di­zin“ und „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“.
(4)
Die in der Weiter­bil­dungs­ord­nung fest­zu­le­gen­den Voraus­set­zun­gen für den Erwerb der die Allge­mein­me­di­zin betref­fen­den Gebiets­be­zeich­nung müssen den Mindest­an­for­de­run­gen genü­gen, die an die beson­dere Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin gemäß Art. 28 der Richt­li­nie 2005/36/EG gestellt werden. Die hier­nach vorge­se­hene Gebiets­be­zeich­nung muss ferner der gemäß Art. 21 Abs. 7 Unter­abs. 2 der Richt­li­nie nach Satz 1 einheit­lich für die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land im Amts­blatt der Euro­päi­schen Union bekannt gemach­ten Bezeich­nung entspre­chen.

Art. 29
 

(1)
Eine Bezeich­nung nach Art. 27 darf führen, wer eine Aner­ken­nung erhal­ten hat. Die Aner­ken­nung erhält der Arzt, der die vorge­schrie­bene Weiter­bil­dung erfolg­reich abge­schlos­sen hat.
(2)
Mehrere Gebiets­be­zeich­nun­gen dürfen auf verwand­ten Gebie­ten neben­ein­an­der geführt werden.
(3)
Teil­ge­biets­be­zeich­nun­gen dürfen nur zusam­men mit der Bezeich­nung des Gebiets geführt werden, dem die Teil­ge­biete zuge­hö­ren.

Art. 30
 

(1)
Die Weiter­bil­dung in den Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten erfolgt in prak­ti­scher Berufs­tä­tig­keit und theo­re­ti­scher Unter­wei­sung.
(2)
Die Weiter­bil­dung in den Gebie­ten darf drei Jahre nicht unter­schrei­ten und soll in der Regel sechs Jahre nicht über­schrei­ten. Die Weiter­bil­dung darf erst begon­nen werden, wenn eine ärzt­li­che Grund­aus­bil­dung nach den Vorga­ben der Richt­li­nie 2005/36/EG abge­schlos­sen und nach den Vorschrif­ten der Bunde­särz­te­ord­nung aner­kannt wurde, mit der ange­mes­sene medi­zi­ni­sche Grund­kennt­nisse erwor­ben wurden.
(3)
Die Weiter­bil­dung in den Teil­ge­bie­ten kann im Rahmen der Weiter­bil­dung in dem Gebiet durch­ge­führt werden, dem die Teil­ge­biete zuge­hö­ren, wenn es die Weiter­bil­dungs­ord­nung zulässt.
(4)
Die Weiter­bil­dung in den Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten hat der Weiter­zu­bil­dende ganz­tä­gig und in haupt­be­ruf­li­cher Stel­lung abzu­leis­ten. Dies gilt auch für eine Weiter­bil­dung in Berei­chen, sofern in der Weiter­bil­dungs­ord­nung nichts ande­res bestimmt ist. Zeiten bei einer Weiter­bil­dungs­stätte und einem weiter­bil­den­den Arzt unter sechs Mona­ten werden nur ange­rech­net, wenn sie vorge­schrie­ben sind. Die Landes­ärz­te­kam­mer kann von Satz 3 abwei­chende Bestim­mun­gen für die Weiter­bil­dung in einzel­nen Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten tref­fen sowie im einzel­nen Ausnah­men zulas­sen, wenn es mit den Zielen der Weiter­bil­dung verein­bar ist.
(5)
Die Weiter­bil­dung kann mit vorhe­ri­ger Zustim­mung der Landes­ärz­te­kam­mer nach nähe­rer Maßgabe der Weiter­bil­dungs­ord­nung in gerin­ge­ren Umfang als der übli­chen wöchent­li­chen Arbeits­zeit erfol­gen, wenn eine Weiter­bil­dung in Voll­zeit­tä­tig­keit aus stich­hal­ti­gem Grund nicht möglich oder nicht zumut­bar ist und wenn und soweit eine Teil­zeit­tä­tig­keit das Ziel der Weiter­bil­dung im jewei­li­gen Gebiet, Teil­ge­biet oder Bereich nicht beein­träch­tigt. Die Weiter­bil­dungs­zeit verlän­gert sich entspre­chend.
(6)
Eine Zeit beruf­li­cher Tätig­keit, in der auch eine eigene Praxis ausge­übt wird, ist auf Weiter­bil­dungs­zei­ten für die Gebiete und Teil­ge­biete nicht anrech­nungs­fä­hig.
(7)
Die Weiter­bil­dung umfasst insbe­son­dere die für den Erwerb der jewei­li­gen Bezeich­nung nach Art. 27 erfor­der­li­che Vertie­fung der Kennt­nisse und Fähig­kei­ten in der Verhü­tung, Erken­nung und Behand­lung von Krank­hei­ten, Körper­schä­den und Leiden, einschließ­lich der Wech­sel­be­zie­hun­gen zwischen Mensch und Umwelt, sowie in den notwen­di­gen Maßnah­men der Reha­bi­li­ta­tion.
(8)
Das Staats­mi­nis­te­rium wird ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung die Voraus­set­zun­gen für die Ertei­lung der Aner­ken­nung in dem Gebiet „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“, insbe­son­dere Inhalt und Dauer der Weiter­bil­dung im Rahmen des Absat­zes 2 zu regeln.

Art. 31
 

(1)
Die Weiter­bil­dung in Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten wird unter verant­wort­li­cher Leitung ermäch­tig­ter Ärzte in einem Univer­si­täts­zen­trum, einer Univer­si­täts­kli­nik oder in einer hierzu von der zustän­di­gen Behörde oder Stelle zuge­las­se­nen Einrich­tung der ärzt­li­chen Versor­gung (Weiter­bil­dungs­stät­ten) durch­ge­führt. Die Weiter­bil­dungs­ord­nung kann vorse­hen, dass auch die Weiter­bil­dung in Berei­chen unter verant­wort­li­cher Leitung entspre­chend ermäch­tig­ter Ärzte durch­ge­führt wird. Die Weiter­bil­dung in Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten kann nach nähe­rer Maßgabe der Weiter­bil­dungs­ord­nung auch bei einem ermäch­tig­ten nieder­ge­las­se­nen Arzt durch­ge­führt werden. Die Weiter­bil­dung im Gebiet „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“ wird in beson­de­ren, vom Staats­mi­nis­te­rium bestimm­ten Einrich­tun­gen durch­ge­führt.
(2)
Die Ermäch­ti­gung zur Weiter­bil­dung nach Absatz 1 kann nur erteilt werden, wenn der Arzt fach­lich und persön­lich geeig­net ist und wenn und soweit die Voraus­set­zun­gen nach Absatz 4 Satz 1 Nrn. 1 und 2 vorlie­gen. Sie kann für ein Gebiet oder Teil­ge­biet nur erteilt werden, wenn der Arzt die entspre­chende Bezeich­nung führt; sie kann mehre­ren Ärzten gemein­sam erteilt werden. Satz 2 Halb­satz 1 gilt für eine in der Weiter­bil­dungs­ord­nung fest­zu­le­gende ange­mes­sene Über­gangs­zeit nicht, wenn die Landes­ärz­te­kam­mer nach Art. 28 Abs. 1 eine neue Bezeich­nung bestimmt.
(3)
Der ermäch­tigte Arzt ist verpflich­tet, die Weiter­bil­dung entspre­chend den Weiter­bil­dungs­be­stim­mun­gen dieses Geset­zes sowie der Weiter­bil­dungs­ord­nung durch­zu­füh­ren. Über die Weiter­bil­dung hat er in jedem Einzel­fall ein Zeug­nis auszu­stel­len.
(4)
Die Zulas­sung einer Kran­ken­haus­ab­tei­lung als Weiter­bil­dungs­stätte setzt voraus, dass
1.
Patienten in so ausreichender Zahl und Art behandelt werden, dass der weiterzubildende Arzt die Möglichkeit hat, sich mit den typischen Krankheiten des Gebiets, Teilgebiets oder Bereichs, auf das sich die Bezeichnung nach Art. 27 bezieht, vertraut zu machen,
2.
Personal und Ausstattung vorhanden sind, die den Erfordernissen der medizinischen Entwicklung Rechnung tragen und
3.
regelmäßige Konsiliartätigkeit ausgeübt wird.
Dies gilt sinn­ge­mäß für Insti­tute und andere Einrich­tun­gen.
(5)
Mit der Been­di­gung der Tätig­keit des Arztes an der Weiter­bil­dungs­stätte erlischt seine Ermäch­ti­gung zur Weiter­bil­dung.

Art. 32
 

(1)
Über die Ermäch­ti­gung des Arztes und den Wider­ruf der Ermäch­ti­gung entschei­det die Landes­ärz­te­kam­mer. Die Ermäch­ti­gung bedarf eines Antrags.
(2)
Die Landes­ärz­te­kam­mer führt ein Verzeich­nis der ermäch­tig­ten Ärzte, aus dem hervor­geht, in welchem Umfang sie zur Weiter­bil­dung ermäch­tigt sind. Das Verzeich­nis ist bekanntz­u­ma­chen.
(3)
Über die Zulas­sung der Weiter­bil­dungs­stätte und den Wider­ruf der Zulas­sung entschei­det die Landes­ärz­te­kam­mer. Die Zulas­sung bedarf eines Antrags. Die zuge­las­se­nen Weiter­bil­dungs­stät­ten sind bekanntz­u­ma­chen.

Art. 33
 

(1)
Die Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 ist bei der Landes­ärz­te­kam­mer zu bean­tra­gen. Diese entschei­det über den Antrag auf Grund des Ergeb­nis­ses einer Prüfung der vorge­leg­ten Zeug­nisse über den Inhalt, den Umfang und den Erfolg der nach abge­schlos­se­nem Medi­zin­stu­dium durch­lau­fe­nen Weiter­bil­dung in dem gewähl­ten Gebiet, Teil­ge­biet oder Bereich (Art. 27) und eines Prüfungs­ge­sprächs über die erwor­be­nen beson­de­ren oder zusätz­li­chen Kennt­nisse und Fähig­kei­ten in theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Hinsicht. Die Weiter­bil­dungs­ord­nung kann auch für die Weiter­bil­dung in Berei­chen ein Prüfungs­ge­spräch vorse­hen.
(2)
Der Vorstand der Landes­ärz­te­kam­mer bestellt einen Ausschuss, der die Zeug­nisse im Sinn des Absat­zes 1 Satz 2 prüft und die Prüfungs­ge­sprä­che durch­führt. Bei Bedarf sind mehrere Ausschüsse zu bilden. Jedem Ausschuss gehö­ren mindes­tens drei Mitglie­der an. Das Staats­mi­nis­te­rium kann ein weite­res Mitglied bestim­men. Das Prüfungs­ge­spräch kann auch bei Abwe­sen­heit des vom Staats­mi­nis­te­rium bestimm­ten Mitglieds durch­ge­führt werden.
(3)
Kann die Aner­ken­nung nicht erteilt werden, so kann der Ausschuss vor Wieder­ho­lung des Verfah­rens nach Absatz 1 die vorge­schrie­bene Weiter­bil­dungs­zeit verlän­gern und beson­dere Anfor­de­run­gen an die Weiter­bil­dung stel­len. Das Aner­ken­nungs­ver­fah­ren kann mehr­mals wieder­holt werden.
(4)
Wer in einem von Art. 30 und 31 abwei­chen­den Weiter­bil­dungs­gang eine Weiter­bil­dung abge­schlos­sen hat, erhält auf Antrag die Aner­ken­nung, wenn die Weiter­bil­dung gleich­wer­tig ist. Eine nicht abge­schlos­sene oder eine abge­schlos­sene, aber nicht gleich­wer­tige Weiter­bil­dung kann unter voll­stän­di­ger oder teil­wei­ser Anrech­nung der bisher abge­leis­te­ten Weiter­bil­dungs­zei­ten nach den Weiter­bil­dungs­vor­schrif­ten dieses Geset­zes abge­schlos­sen werden. Über die Anrech­nung entschei­det die Landes­ärz­te­kam­mer. Die Sätze 2 und 3 gelten entspre­chend für die Tätig­keit als Arzt im Prak­ti­kum nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 der Bunde­särz­te­ord­nung, wenn die abge­leis­tete Tätig­keit der Weiter­bil­dung gleich­wer­tig ist.
(5)
Auf Antrag erhält die Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 Satz 1, wer einen Ausbil­dungs­nach­weis eines Mitglied­staa­tes der Euro­päi­schen Union oder eines ande­ren Vertrags­staa­tes des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum oder der Schweiz besitzt, der eine Weiter­bil­dung zum Fach­arzt beschei­nigt und nach der Richt­li­nie 2005/36/EG auch unter Berück­sich­ti­gung erwor­be­ner Rechte auto­ma­tisch aner­kannt wird. Wer einen Ausbil­dungs­nach­weis über eine Weiter­bil­dung zum Fach­arzt besitzt, der nicht nach Satz 1 auto­ma­tisch aner­kannt wird, erhält die Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 Satz 1 unter den Voraus­set­zun­gen von Art. 10 Buchst. b, d oder g und Art. 13 der Richt­li­nie 2005/36/EG. Die Antrag­stel­len­den haben eine Prüfung abzu­le­gen, wenn sich der Inhalt ihrer Weiter­bil­dung wesent­lich von dem in der Weiter­bil­dungs­ord­nung vorge­se­he­nen Inhalt unter­schei­det. Die Prüfung erstreckt sich auf dieje­ni­gen Weiter­bil­dungs­in­halte, in welchen wesent­li­che Ausbil­dungs­un­ter­schiede fest­ge­stellt wurden. Ein Unter­schied ist wesent­lich, wenn die fehlen­den Kennt­nisse eine wesent­li­che Voraus­set­zung für die Ausübung des Berufs darstel­len. Sätze 3 bis 5 gelten nicht, soweit die von den Antrag­stel­len­den im Rahmen ihrer Berufs­pra­xis erwor­be­nen Kennt­nisse und Fähig­kei­ten den wesent­li­chen Unter­schied im Sinn von Satz 3 ausglei­chen. Für die Aner­ken­nung eines Ausbil­dungs­nach­wei­ses, der in einem ande­ren als den in Satz 1 genann­ten Staa­ten ausge­stellt worden ist, gelten die Sätze 2 bis 6 entspre­chend mit der Maßgabe, dass sich die Prü­fung abwei­chend von Satz 4 auf den Inhalt der regu­lären Prü­fung nach der Weiter­bil­dungs­ord­nung bezieht.
(5a)
Die Landes­ärz­te­kam­mer bestä­tigt den Antrag­stel­len­den binnen eines Monats den Eingang der Unter­la­gen und teilt ihnen gege­be­nen­falls mit, welche Unter­la­gen fehlen. Die Entschei­dung über die Aner­ken­nung wird inner­halb einer Frist von drei Mona­ten ab dem Zeit-punkt, an dem die Antrag­stel­len­den den Antrag zusam­men mit den voll­stän­di­gen Unter­la­gen einge­reicht haben, durch rechts­mit­tel­fä­hi­gen Bescheid getrof­fen und muss begrün­det werden; im Fall der Aner-kennung nach Abs. 5 Sätze 2 bis 6 beträgt die Frist vier Monate. Die Landes­ärz­te­kam­mer hat zu ge- währ­leis­ten, dass eine aufer­legte Prü­fung im Sinn von Abs. 5 Satz 4 inner­halb von sechs Mona­ten nach Bekannt­gabe des Bescheids erst-mals abge­legt werden kann. 4Die Bezeich­nung im Sinn von Art. 27 ist in deut­scher Spra­che zu führen.
(6)
Im Gebiet „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“ wird der erfolg­rei­che Abschluss der Weiter­bil­dung durch das Beste­hen der Prüfung an einer Akade­mie für das öffent­li­che Gesund­heits­we­sen nach­ge­wie­sen. Die Aner­ken­nung wird erst erteilt, wenn die vorge­schrie­bene Weiter­bil­dungs­zeit abge­leis­tet ist. Die Aner­ken­nung erteilt das Staats­mi­nis­te­rium.

Art. 34
 

(1)
Wer eine Gebiets­be­zeich­nung führt, darf grund­sätz­lich nur in dem Gebiet, wer eine Teil­ge­biets­be­zeich­nung führt, muss auch in dem Teil­ge­biet tätig sein, dessen Bezeich­nung er führt.
(2)
Wer eine Gebiets­be­zeich­nung führt, soll sich in der Regel nur durch Berufs­an­ge­hö­rige vertre­ten lassen, die dieselbe Gebiets­be­zeich­nung führen.
(3)
Wer eine Bezeich­nung nach Art. 27 führt, hat sich in dem Gebiet, Teil­ge­biet oder Bereich, auf das sich die Bezeich­nung bezieht, und, wenn die Voraus­set­zun­gen für die Teil­nahme nach Art. 18 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 vorlie­gen, auch für eine Tätig­keit im Rahmen des Notfall- und Bereit­schafts­diens­tes fort­zu­bil­den.

Art. 35
 

(1)
Die Landes­ärz­te­kam­mer erlässt eine Weiter­bil­dungs­ord­nung, die der Geneh­mi­gung des Staats­mi­nis­te­ri­ums bedarf.
(2)
In der Weiter­bil­dungs­ord­nung sind insbe­son­dere zu regeln
1.
der Inhalt und Umfang der Gebiete, Teilgebiete und Bereiche, auf die sich die Bezeichnungen nach Art. 27 beziehen,
2.
die Bestimmung und die Aufhebung von Bezeichnungen nach Art. 28,
3.
der Inhalt und die Mindestdauer der Weiterbildung nach Art. 30, insbesondere Inhalt, Dauer und Reihenfolge der einzelnen Weiterbildungsabschnitte, die Bezeichnung der einzelnen Teilgebiete, bei denen die Weiterbildung nach Art. 30 Abs. 3 ganz oder teilweise in dem Gebiet durchgeführt werden kann, dem die einzelnen Teilgebiete zugehören, sowie Dauer und besondere Anforderungen der verlängerten Weiterbildung nach Art. 33 Abs. 3,
4.
die Voraussetzungen für die Erteilung der Ermächtigung und Zulassung nach Art. 31 Abs. 2, 4 und 5 sowie für die Rücknahme und den Widerruf der Ermächtigung und Zulassung,
5.
die Anforderungen, die an das Zeugnis nach Art. 31 Abs. 3 Satz 2 zu stellen sind,
6.
das Verfahren zur Erteilung der Anerkennung nach Art. 33 Abs. 1 und 2 sowie die Voraussetzungen für die Rücknahme und den Widerruf der Anerkennung,
7.
die nach dem einschlägigen Recht der Europäischen Union gemäß der Richtlinie 2005/36/EG oder nach dem Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum für die Staatsangehörigen der Mitglied- oder Vertragsstaaten sowie nach einem zwischen Deutschland und der Europäischen Gemeinschaft oder Deutschland und der Europäischen Union einerseits und einem sonstigen Staat andererseits geschlossenen Abkommen, in dem den Staatsangehörigen des letztgenannten Staates vertraglich ein entsprechender Rechtsanspruch eingeräumt wird, gebotenen besonderen Weiterbildungs- und Anerkennungsvoraussetzungen und -verfahren.
In der Weiter­bil­dungs­ord­nung können auch beson­dere Vorbil­dungs­vor­aus­set­zun­gen für die Weiter­bil­dung in berufs­über­grei­fen­den Gebie­ten fest­ge­legt werden.
(3)
Unter den Voraus­set­zun­gen des Art. 28 Abs. 1 können in der Weiter­bil­dungs­ord­nung weitere Befä­hi­gun­gen in der Form des Erwerbs
1.
zusätzlicher Kenntnisse und Fähigkeiten im jeweiligen Gebiet (zusätzliche Weiterbildung im Gebiet) oder
2.
von Fachkunden in ärztlichen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die ihrer Eigenart nach besondere Kenntnisse und Erfahrungen des Arztes voraussetzen, vorgesehen werden.
Die zu regeln­den Anfor­de­run­gen an den Erwerb dieser Befä­hi­gun­gen können sich dabei nach den Anfor­de­run­gen rich­ten, die in diesem Abschnitt an die Weiter­bil­dung in den Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten gestellt werden. Den Erwerb dieser Befä­hi­gun­gen bestä­tigt die Lande­ärz­te­kam­mer durch eine Beschei­ni­gung. Deren Inha­ber sind zur Ankün­di­gung dieser Befä­hi­gun­gen berech­tigt, wenn sie inso­weit tätig sind.
(4)
In der Weiter­bil­dungs­ord­nung können die Voraus­set­zun­gen für die Ertei­lung sowie die Rück­nahme und den Wider­ruf einer Verbun­der­mäch­ti­gung für mehrere in einer Region beste­hende und zusam­men­ar­bei­tende Weiter­bil­dungs­stät­ten oder für mehrere Weiter­bil­dende in einer Weiter­bil­dungs­stätte fest­ge­legt werden, die für sich allein nicht zur Durch­füh­rung der voll­stän­di­gen Weiter­bil­dung in einem Gebiet, Teil­ge­biet oder einer Zusatz­be­zeich­nung ermäch­tigt worden sind. Dabei darf die Ertei­lung einer Verbun­der­mäch­ti­gung nur vorge­se­hen werden, wenn sicher­ge­stellt ist, dass die von der Verbun­der­mäch­ti­gung umfass­ten Weiter­bil­dungs­stät­ten oder Weiter­bil­den­den in einer Weiter­bil­dungs­stätte in geeig­ne­ter Weise zusam­men­ar­bei­ten, um die voll­stän­dige Weiter­bil­dung in zeit­lich aufein­an­der­fol­gen­den und aufein­an­der abge­stimm­ten Abschnit­ten zu gewähr­leis­ten. Praxen nieder­ge­las­se­ner Ärzte können in die Verbun­der­mäch­ti­gung einbe­zo­gen werden, wenn dies für die Weiter­bil­dung erfor­der­lich oder sinn­voll ist.
(5)
ln der Weiter­bil­dungs­ord­nung kann eine Befrei­ung für einen Teil einer Weiter­bil­dung vorge­se­hen werden, wenn dieser Teil bereits im Rahmen einer ande­ren fachärzt­li­chen Weiter­bil­dung absol­viert wurde. Über die Befrei­ung entschei­det die Landes­ärz­te­kam­mer im Einzel­fall; eine Befrei­ung darf im Umfang von höchs­tens der Hälfte der Mindest­dauer der jewei­li­gen Fach­arzt­wei­ter­bil­dung ausge­spro­chen werden.

Art. 36
 

Die im übri­gen Geltungs­be­reich der Bunde­särz­te­ord­nung erteilte Aner­ken­nung, eine Bezeich­nung im Sinn des Art. 27 zu führen, gilt auch im Frei­staat Bayern.

Art. 36a

(1)
Zustän­dig für die Verfol­gung einer Berufs­pflicht­ver­let­zung eines Arztes ist der ärzt­li­che Bezirks­ver­band, in dessen Bezirk der ärzt­li­che Kreis­ver­band liegt, bei dem die Mitglied­schaft des Arztes besteht. Die Verfol­gung einer Berufs­pflicht­ver­let­zung ist ausge­schlos­sen, soweit und solange eine vergleich­bare ärzt­li­che Berufs­ver­tre­tung eines ande­ren Landes ein Mitglied wegen dessel­ben Sach­ver­halts berufs­recht­lich verfolgt. In Fällen des Satzes 2 unter­rich­tet der zustän­dige ärzt­li­che Bezirks­ver­band die Berufs­ver­tre­tung des ande­ren Landes über ihm bekannte Umstände in Bezug auf das Mitglied, die für die Verfol­gung der Berufs­pflicht­ver­let­zung erfor­der­lich sind.
(2)
Ärzt­li­che Kreis- und Bezirks­ver­bände, in deren Bereich ein Arzt, auch ohne dort Mitglied zu sein, ärzt­lich tätig ist, unter­rich­ten den nach Abs. 1 Satz 1 zustän­di­gen Bezirks­ver­band über tatsäch­li­che Anhalts­punkte für eine Berufs­pflicht­ver­let­zung des Arztes. Der nach Abs. 1 Satz 1 zustän­dige ärzt­li­che Bezirks­ver­band unter­rich­tet die ärzt­li­chen Berufs­ver­tre­tun­gen eines ande­ren Landes, bei welchen der Arzt eben­falls Mitglied ist, über die Einlei­tung, den Gegen­stand und den Ausgang eines in Anse­hung einer Berufs­pflicht­ver­let­zung durch­ge­führ­ten berufs­auf­sicht­li­chen Verfah­rens.

Abschnitt V

Berufsaufsicht

Art. 37
 

(1)
Zur Beile­gung von Strei­tig­kei­ten zwischen Ärzten sowie zwischen einem Arzt und einem Nicht­arzt, die sich aus der ärzt­li­chen Tätig­keit erge­ben, hat der Vorstand des ärzt­li­chen Kreis­ver­bands einen Vermitt­ler zu bestel­len.
(2)
Bei Strei­tig­kei­ten zwischen Ärzten unter­ein­an­der unter­nimmt der Vermitt­ler des ärzt­li­chen Kreis­ver­bands von sich aus oder auf Antrag eines Betei­lig­ten einen Vermitt­lungs­ver­such. Erhebt ein Betei­lig­ter vor Beginn des Vermitt­lungs­ver­suchs Wider­spruch, so entfällt eine Tätig­keit des Vermitt­lers.
(3)
Bei Strei­tig­kei­ten zwischen einem Arzt und einem Nicht­arzt wird der Vermitt­ler des ärzt­li­chen Kreis­ver­bands nur auf Antrag eines Betei­lig­ten mit ausdrück­li­cher Zustim­mung des ande­ren Betei­lig­ten tätig.
(4)
Der Vermitt­ler hat inner­halb von vier Wochen nach Anru­fung tätig zu werden. Er kann von den Betei­lig­ten Auskunft verlan­gen, soweit nicht das ärzt­li­che Berufs­ge­heim­nis oder eine dienst­li­che Verpflich­tung zur Verschwie­gen­heit entge­gen­steht, sowie persön­li­ches Erschei­nen veran­las­sen.
(5)
Kommt ein Ausgleich nicht zustande, ist die Tätig­keit des Vermitt­lers been­det.
(6)
Zustän­dig zur Durch­füh­rung des Vermitt­lungs­ver­fah­rens ist der ärzt­li­che Kreis­ver­band, dem die betei­lig­ten Ärzte ange­hö­ren. Gehö­ren die betei­lig­ten Ärzte verschie­de­nen Kreis­ver­bän­den an, so ist der zunächst um Vermitt­lung ange­gan­gene Kreis­ver­band zustän­dig.

Art. 38
 

(1)
Der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands kann ein Mitglied, das die ihm oblie­gen­den Berufs­pflich­ten verletzt hat, rügen, wenn die Schuld gering ist und der Antrag auf Einlei­tung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens nicht erfor­der­lich erscheint. In Verbin­dung mit der Rüge kann gegen das Mitglied eine Geld­buße bis fünf­tau­send Euro verhängt werden, die zuguns­ten sozia­ler Einrich­tun­gen der Kammer zu zahlen ist. Art. 40 gilt entspre­chend. Ärzte im öffent­li­chen Dienst unter­lie­gen hinsicht­lich ihrer dienst­li­chen Tätig­keit nicht dem Rüge­recht
(2)
Das Rüge­recht erlischt, sobald wegen dessel­ben Sach­ver­halts ein berufs­ge­richt­li­ches Verfah­ren gegen das Mitglied einge­lei­tet ist. Abwei­chend von Satz 1 kann in den Fällen des Art. 79 Abs. 1 Satz 2 und des Art. 83 Abs. 2 Satz 2 das Rüge­recht wieder ausge­übt werden. Im Übri­gen gelten Art. 66 Abs. 2 und Art. 67 Abs. 3 entspre­chend.
(3)
Vor Ertei­lung der Rüge ist das Mitglied zu hören. Der Bescheid, durch den das Verhal­ten des Mitglieds gerügt wird, ist zu begrün­den. Er ist dem Mitglied mit Rechts­mit­tel­be­leh­rung zuzu­stel­len. Eine Zweit­schrift des Bescheids ist der Landes­ärz­te­kam­mer und der Regie­rung zu über­sen­den.
(4)
Gegen den Bescheid kann das Mitglied inner­halb eines Monats nach Zustel­lung schrift­lich Beschwerde bei der Landes­ärz­te­kam­mer erhe­ben. Über die Beschwerde entschei­det der Vorstand der Landes­ärz­te­kam­mer; Absatz 3 Sätze 2 und 3 gelten entspre­chend. Eine Zweit­schrift des Beschwer­de­be­scheids ist dem ärzt­li­chen Bezirks­ver­band, der den Rüge­be­scheid erlas­sen hat, und der Regie­rung zu über­sen­den.
(5)
Wird die Beschwerde gegen den Rüge­be­scheid ganz oder teil­weise zurück­ge­wie­sen, so kann das Mitglied inso­weit inner­halb eines Monats nach der Zustel­lung Antrag auf gericht­li­che Entschei­dung durch das Berufs­ge­richt stel­len. Werden neue Tatsa­chen oder Beweis­mit­tel bekannt, so kann das Mitglied noch inner­halb eines Jahres nach Zustel­lung des Beschwer­de­be­scheids den Antrag stel­len. Der Antrag kann bis zu Beginn der münd­li­chen Verhand­lung oder, wenn das Beschluss­ver­fah­ren nach Art. 84 Abs. 3 durch­ge­führt wird, bis zur Entschei­dung des Gerichts zurück­ge­nom­men werden.
(6)
Das Berufs­ge­richt bestä­tigt den Beschwer­de­be­scheid, soweit es eine Berufs­ver­feh­lung für nach­ge­wie­sen hält, andern­falls hebt es Beschwer­de­be­scheid und Rüge­be­scheid auf. Der Rüge­be­scheid kann nicht deshalb aufge­ho­ben werden, weil der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands zu Unrecht ange­nom­men hat, dass die Schuld des Mitglieds nur gering und der Antrag auf Einlei­tung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens nicht erfor­der­lich sei. Im Übri­gen sind auf das Verfah­ren die Vorschrif­ten des Sechs­ten Teils entspre­chend anzu­wen­den mit Ausnahme der Art. 67 Abs. 1, 2 und 4, Art. 79 bis 83 und 90 bis 92.
(7)
Die Ertei­lung einer Rüge steht einem berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren wegen dessel­ben Sach­ver­halts auf Antrag gemäß Art. 77 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 nicht entge­gen. Jedoch kann der ärzt­li­che Bezirks­ver­band und nach Ablauf von einem Monat nach Zugang des Rüge­be­scheids auch die Regie­rung die Einlei­tung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens nur noch bean­tra­gen, wenn nach Ertei­lung der Rüge neue Tatsa­chen oder Beweis­mit­tel bekannt gewor­den sind, die die Berufs­ver­feh­lung als durch eine Rüge nicht genü­gend geahn­det erschei­nen lassen. Der Antrag kann nur inner­halb eines Jahres nach Ertei­lung der Rüge gestellt werden.
(8)
Bei einem Verfah­ren nach Absatz 7 wird die Rüge mit Rechts­kraft der Entschei­dung des Berufs­ge­richts gegen­stands­los. Hält das Berufs­ge­richt die Durch­füh­rung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens wegen Gering­fü­gig­keit der erho­be­nen Beschul­di­gun­gen nicht für erfor­der­lich oder stellt es wegen der Gering­fü­gig­keit der Berufs­pflicht­ver­let­zung das Verfah­ren ein, so hat es in seinem Beschluss die Rüge aufrecht­zu­er­hal­ten, wenn die Nach­prü­fung ergibt, dass sie zu Recht erteilt wurde.

Art. 39
 

(1)
Der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands bean­tragt die Einlei­tung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens (Art. 77 Abs. 1 Nr. 1), wenn eine Rüge nach Art. 38 Abs. 1 zur Ahndung der Verlet­zung der Berufs­pflicht nicht ausreicht oder wenn das Mitglied trotz einer rechts­wirk­sam erteil­ten Rüge sein bean­stan­de­tes Verhal­ten fort­setzt.
(2)
Bei einem beam­te­ten Arzt, auf den eine Diszi­pli­nar­ord­nung Anwen­dung findet, setzt der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands den Dienst­vor­ge­setz­ten des Arztes über die Verlet­zung der Berufs­pflicht in Kennt­nis.
(3)
Ist wegen des zu bean­stan­den­den Verhal­tens bei einem Gericht oder einer Behörde gegen das Mitglied bereits der Antrag auf Einlei­tung eines Straf-, Bußgeld- oder Diszi­pli­nar­ver­fah­rens gestellt worden, so kann der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands den Antrag auf Einlei­tung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens bis zum rechts­kräf­ti­gen Abschluss des ande­ren Verfah­rens zurück­stel­len. Nach Abschluss dieses Verfah­rens kann er von dem Antrag nach Absatz 1 abse­hen, wenn nicht Maßnah­men nach Art. 67 Abs. 1 Nr. 3 oder Nr. 4 ange­zeigt sind oder sonst die Voraus­set­zun­gen für eine zusätz­li­che berufs­ge­richt­li­che Ahndung nach Art. 67 Abs. 3 vorlie­gen. Die Entschei­dung, mit der der Antrag auf Einlei­tung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens zurück­ge­stellt wird oder von ihm abge­se­hen wird, ist dem Mitglied und der Regie­rung mitzu­tei­len.
(4)
Erhält der Vorstand des ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands Kennt­nis von der Verlet­zung der Berufs­pflich­ten durch einen Arzt, der einem ande­ren Bezirks­ver­band zuge­hö­ri­gen ärzt­li­chen Kreis­ver­band oder einer vergleich­ba­ren Berufs­ver­tre­tung eines ande­ren Landes der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land ange­hört, so gibt er dem ande­ren Bezirks­ver­band oder dem zustän­di­gen Organ der ande­ren Berufs­ver­tre­tung davon Kennt­nis.

Art. 40
 

(1)
Die ärzt­li­chen Kreis­ver­bände, die ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände und die Landes­ärz­te­kam­mer haben für die von ihnen fest­ge­setz­ten Beiträge und sons­ti­gen auf Grund der Satzung oder von Geset­zen einzu­he­ben­den Geld­for­de­run­gen sowie für die von ihnen erlas­se­nen verwal­tungs­recht­li­chen Anord­nun­gen das Voll­stre­ckungs­recht.
(2)
Der Vorstand der zustän­di­gen Berufs­ver­tre­tung hat die Voll­stre­ckung nach Maßgabe der Vorschrif­ten des Baye­ri­schen Verwal­tungs­zu­stel­lungs- und Voll­stre­ckungs­ge­set­zes bewir­ken zu lassen.

Art. 41
 

(1)
Ärzte, die nach Maßgabe von § 10b Abs. 1 der Bunde­särz­te­ord­nung im räum­li­chen Geltungs­be­reich dieses Geset­zes ihren Beruf gele­gent­lich oder vorüber­ge­hend nach dem Recht der Euro­päi­schen Gemein­schaft ausüben (Dienst­leis­tungs­ver­kehr), sind von der Mitglied­schaft zu einem ärzt­li­chen Kreis­ver­band befreit.
(2)
Die für die Entge­gen­nahme der Meldung nach § 10b Abs. 2 der Bunde­särz­te­ord­nung zustän­dige Behörde über­mit­telt der Landes­ärz­te­kam­mer eine Kopie der Meldung der in Abs. 1 genann­ten Ärzte und der nach § 10b Abs. 2 der Bunde­särz­te­ord­nung vorzu­le­gen­den Doku­mente und teilt der Landes­ärz­te­kam­mer außer­dem den voll­stän­di­gen Namen, gege­be­nen­falls einen abwei­chen­den Geburts­na­men, die voll­stän­dige Wohn­an­schrift sowie die Anschrift des Ortes oder der Orte mit, an denen der ärzt­li­che Beruf ausge­übt wird oder werden soll.
(3)
Die in Abs. 1 genann­ten Ärzte gelten inso­weit als Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände, als die Berufs­re­geln, die für Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände in unmit­tel­ba­rem Zusam­men­hang mit ihrer Berufs­qua­li­fi­ka­tion gelten, entspre­chende Anwen­dung finden. Dies gilt insbe­son­dere für Art. 17, 18, 38, 39, den Sechs­ten Teil dieses Geset­zes und die Berufs­ord­nung für die Ärzte Bayerns. Sätze 1 und 2 gelten nicht, soweit es sich um Rechte und Pflich­ten handelt, die eine nicht nur gele­gent­li­che oder vorüber­ge­hende Berufs­aus­übung im räum­li­chen Geltungs­be­reich dieses Geset­zes voraus­set­zen. Art. 4 Abs. 6 findet auf die in Abs. 1 genann­ten Ärzte keine Anwen­dung.
(4)
Besit­zen die in Abs. 1 genann­ten Ärzte einen Ausbil­dungs­nach­weis, der eine Weiter­bil­dung zum Fach­arzt beschei­nigt und im Fall einer Nieder­las­sung nach Art. 33 Abs. 5 Satz 1 unmit­tel­bar anzu­er­ken­nen wäre, so erbrin­gen sie die Dienst­leis­tung unter der von der Landes­ärz­te­kam­mer für das entspre­chende Gebiet fest­ge­leg­ten Bezeich­nung.
(5)
Die Landes­ärz­te­kam­mer erteilt den zustän­di­gen Behör­den ande­rer Mitglied­staa­ten der Euro­päi­schen Union, in denen die in Abs. 1 genann­ten Ärzte nicht nur vorüber­ge­hend oder gele­gent­lich zur Ausübung ihres Berufs berech­tigt sind oder in denen Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände eine Dienst­leis­tung im Sinn von Art. 5 der Richt­li­nie 2005/36/EG erbracht haben, auf Anfrage Auskunft, soweit dies bei Beschwer­den von Dienst­leis­tungs­emp­fän­gern gegen einen Dienst­leis­ter für die ordnungs­ge­mäße Durch­füh­rung der Beschwer­de­ver­fah­ren erfor­der­lich ist.
(6)
Die Landes­ärz­te­kam­mer erteilt den zustän­di­gen Behör­den eines ande­ren Mitglied­staa­tes der Euro­päi­schen Union, in dem Mitglie­der der ärzt­li­chen Kreis­ver­bände Dienst­leis­tun­gen im Sinn von Art. 5 der Richt­li­nie 2005/36/EG erbrin­gen, auf Anfrage Auskunft darüber, ob die Mitglie­der berech­tigt sind, eine Bezeich­nung im Sinn von Art. 27 zu führen, oder ob sie über die Aner­ken­nung einer abge­schlos­se­nen spezi­fi­schen oder beson­de­ren Ausbil­dung in der Allge­mein­me­di­zin, einschließ­lich erwor­be­ner Rechte, verfü­gen. Abwei­chend von Satz 1 wird die Auskunft für das Gebiet „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“ durch das Staats­mi­nis­te­rium erteilt.
(7)
Die Landes­ärz­te­kam­mer unter­rich­tet die zustän­di­gen Behör­den eines ande­ren Mitglied­staats der Euro­päi­schen Union über einen Arzt, dessen Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 zurück­ge­nom­men oder wider­ru­fen wurde. Die Meldung erfolgt inner­halb von drei Tagen, nach­dem die zugrun­de­lie­gende Entschei­dung bekannt­ge­ge­ben worden ist, mittels einer Warnung über das Binnen­markt-Infor­ma­ti­ons­sys­tem. Anzu­ge­ben sind bei der Meldung die Iden­ti­tät des Berufs­an­ge­hö­ri­gen, der Beruf, die Bezeich­nung der Behörde, die die Entschei­dung getrof­fen hat, sowie die Art, der Umfang und die zeit­li­che Dauer der getrof­fe­nen Maßnahme. Der Berufs­an­ge­hö­rige ist gleich­zei­tig schrift­lich hierü­ber zu unter­rich­ten. Über­mit­telte Daten sind inner­halb von drei Tagen im Binnen­markt-Infor­ma­ti­ons­sys­tem zu löschen, wenn die getrof­fene Maßnahme nicht mehr gül­tig ist. Das vorste­hende Verfah­ren gilt entspre­chend, wenn gericht­lich fest­ge­stellt wurde, dass eine Aner­ken­nung nach Art. 29 Abs. 1 unter Vorlage gefälsch­ter Quali­fi­ka­ti­ons­nach­weise bean­tragt wurde.
(8)
Abs. 1 bis 7 gelten entspre­chend für andere Vertrags­staa­ten des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum und Vertrags­staa­ten, denen Deutsch­land und die Euro­päi­sche Gemein­schaft oder Deutsch­land und die Euro­päi­sche Union vertrag­lich einen entspre­chen­den Rechts­an­spruch einge­räumt haben, und deren Staats­an­ge­hö­rige nach Maßgabe der genann­ten Abkom­men.

Zweiter Teil

Zahnärzte

Art. 42
 

Die Berufs­ver­tre­tung der Zahn­ärzte besteht aus den zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bän­den und der Landes­zahn­ärz­te­kam­mer.

Art. 43
 

(1)
Die zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sind für den Bereich eines Regie­rungs­be­zirks zu bilden; sie umfas­sen diesen Bereich in seinem jewei­li­gen Gebiets­um­fang. Die in der Stadt und im Land­kreis München ansäs­si­gen Zahn­ärzte bilden einen eige­nen Bezirks­ver­band. Die Bezirks­ver­bände stehen unter der Aufsicht der Landes­zahn­ärz­te­kam­mer und der Regie­rung. Sie sind Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Sie führen ein Dienst­sie­gel.
(2)
Mitglie­der der zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sind alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Zahn­ärzte, die
1.
in Bayern zahnärztlich tätig sind oder,
2.
ohne zahnärztlich tätig zu sein, in Bayern ihre Hauptwohnung haben.

Art. 44
 

(1)
Die Landes­zahn­ärz­te­kam­mer besteht aus 70 Dele­gier­ten der zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände.
(2)
Der Vorstand der Landes­zahn­ärz­te­kam­mer besteht aus dem ersten vorsit­zen­den Mitglied, höchs­tens zwei stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Mitglie­dern, den ersten vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­dern der zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sowie höchs­tens vier aus der Mitte der Dele­gier­ten zu wählen­den Mitglie­dern und einer von den medi­zi­ni­schen Fach­be­rei­chen der Landes­u­ni­ver­si­tä­ten zu entsen­den­den Lehr­per­son der Zahn­heil­kunde; das erste vorsit­zende Mitglied führt die Bezeich­nung „Prä­si­dent“ oder „Prä­si­den­tin“, die stell­ver­tre­ten­den Mitglie­der führen die Bezeich­nung „Vize­prä­si­dent“ oder „Vize­prä­si­den­tin“.
(3)
Der Landes­zahn­ärz­te­kam­mer gehö­ren weiter an dieje­ni­gen Mitglie­der des Vorstands, die nicht aus der Zahl der Dele­gier­ten gewählt wurden und nicht dem Vorstand gemäß Art. 13 Abs. 3 ange­hö­ren, ohne Dele­gierte zu sein.

Art. 45
 

(1)
Für die Weiter­bil­dung der Zahn­ärzte gilt der Abschnitt IV des Ersten Teils mit Ausnahme von Art. 35 Abs. 3 und 5 entspre­chend, soweit sich aus den folgen­den Absät­zen nichts ande­res ergibt.
(2)
Zahn­ärzte dürfen neben ihrer Berufs­be­zeich­nung weitere Bezeich­nun­gen führen, die auf beson­dere Kennt­nisse und Fähig­kei­ten in einem bestimm­ten Gebiet der Zahn­heil­kunde (Gebiets­be­zeich­nung) oder auf andere zusätz­lich erwor­bene Kennt­nisse und Fähig­kei­ten (Zusatz­be­zeich­nung) hinwei­sen. Mehrere Gebiets­be­zeich­nun­gen dürfen neben­ein­an­der geführt werden. Abwei­chend von Art. 34 Abs. 1 kann die Landes­zahn­ärz­te­kam­mer in der Weiter­bil­dungs­ord­nung Ausnah­men vorse­hen, wenn anzu­neh­men ist, dass der Zahn­arzt in seiner auf ein Gebiet beschränk­ten Tätig­keit keine ausrei­chende wirt­schaft­li­che Lebens­grund­lage findet.
(3)
Die Bezeich­nun­gen nach Absatz 2 Satz 1 bestimmt die Landes­zahn­ärz­te­kam­mer in den Fach­rich­tun­gen
1.
Konservative Zahnheilkunde,
2.
Operative Zahnheilkunde,
3.
Präventive Zahnheilkunde und in Verbindungen dieser Fachrichtungen unter den in Art. 28 Abs. 1 genannten Voraussetzungen.
(4)
Gebiets­be­zeich­nung ist auch die Bezeich­nung „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“.
(5)
Die Weiter­bil­dung in Gebie­ten kann auch bei einem ermäch­tig­ten nieder­ge­las­se­nen Zahn­arzt durch­ge­führt werden.

Art. 46
 

(1)
Im Übri­gen finden auf die Berufs­aus­übung und die Berufs­ver­tre­tun­gen der Zahn­ärzte die Vorschrif­ten des Ersten Teils mit Ausnahme des Art. 18 Abs. 3 sinn­ge­mäß Anwen­dung.
(2)
Die berufs­auf­sicht­li­chen Verfah­ren nach Art. 37 bis 39 werden vom Vorstand oder dem hier­für bestell­ten Ausschuss des zahn­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands durch­ge­führt.

Dritter Teil

Tierärzte

Art. 47
 

Die Berufs­ver­tre­tung der Tierärzte besteht aus den tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bän­den und der Landes­tierärz­te­kam­mer.

Art. 48
 

(1)
Die tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sind für den Bereich eines Regie­rungs­be­zirks zu bilden; sie umfas­sen diesen Bereich in seinem jewei­li­gen Gebiets­um­fang. Sie stehen unter der Aufsicht der Landes­tierärz­te­kam­mer und der Regie­rung. Sie sind Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Sie führen ein Dienst­sie­gel.
(2)
Mitglie­der der tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sind alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Tierärzte, die
1.
in Bayern tierärztlich tätig sind oder,
2.
ohne tierärztlich tätig zu sein, in Bayern ihre Hauptwohnung haben

Art. 49
 

(1)
Die Landes­tierärz­te­kam­mer besteht aus 50 Dele­gier­ten der tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände.
(2)
Der Vorstand der Landes­tierärz­te­kam­mer besteht aus dem ersten vorsit­zen­den Mitglied, höchs­tens zwei stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Mitglie­dern, den ersten vorsit­zen­den Vorstands­mit­glie­dern der tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bände sowie höchs­tens drei aus der Mitte der Dele­gier­ten zu wählen­den Mitglie­dern und einer von der Tier­ärzt­li­chen Fakul­tät der Ludwig-Maxi­mi­lians-Univer­si­tät München zu entsen­den­den Lehr­per­son der Tier­heil­kunde; das erste vorsit­zende Mitglied führt die Bezeich­nung „Prä­si­dent“ oder „Prä­si­den­tin“, die stell­ver­tre­ten­den Mitglie­der führen die Bezeich­nung „Vize­prä­si­dent“ oder „Vize­prä­si­den­tin“.
(3)
Der Landes­tierärz­te­kam­mer gehö­ren weiter an dieje­ni­gen Mitglie­der des Vorstands, die nicht aus der Zahl der Dele­gier­ten gewählt wurden und nicht dem Vorstand gemäß Art. 13 Abs. 3 ange­hö­ren, ohne Dele­gierte zu sein.

Art. 50
 

(1)
Für die Weiter­bil­dung der Tierärzte gilt Abschnitt IV des Ersten Teils mit Ausnahme von Art. 35 Abs. 3 und 5 entspre­chend, soweit sich aus den folgen­den Absät­zen nichts ande­res ergibt.
(2)
Die Landes­tierärz­te­kam­mer bestimmt Bezeich­nun­gen nach Art. 27 in den Fach­rich­tun­gen
1.
Theoretische Veterinärmedizin,
2.
Tierhaltung und Tiervermehrung,
3.
Lebensmittel tierischer Herkunft,
4.
Klinische Veterinärmedizin,
5.
Methodisch-theoretische Veterinärmedizin
6.
Ökologische Veterinärmedizin und
in Verbin­dun­gen dieser Fach­rich­tun­gen unter den in Art. 28 Abs. 1 genann­ten entspre­chend anwend­ba­ren Voraus­set­zun­gen.
(3)
Gebiets­be­zeich­nung ist auch die Bezeich­nung „Öffent­li­ches Vete­ri­när­we­sen“.
(4)
Mehrere Gebiets­be­zeich­nun­gen dürfen auf verwand­ten Gebie­ten neben­ein­an­der geführt werden. Die Gebiets­be­zeich­nung „Tier­ärzt­li­che Allge­mein­pra­xis“ darf nicht neben der Bezeich­nung „prak­ti­scher Tier­arzt“ oder „prak­ti­sche Tierärz­tin“ geführt werden. Die Bezeich­nung „prak­ti­scher Tier­arzt“ oder „prak­ti­sche Tierärz­tin“ darf zusam­men mit nicht mehr als zwei Gebiets­be­zeich­nun­gen geführt werden.
(5)
Die Landes­tierärz­te­kam­mer kann in der Weiter­bil­dungs­ord­nung von Art. 30 Abs. 4 Satz 1 und Abs. 6 abwei­chende Bestim­mun­gen tref­fen sowie im einzel­nen Ausnah­men zulas­sen, wenn es mit den Zielen der Weiter­bil­dung verein­bar ist.
(6)
Die Weiter­bil­dung kann teil­weise auch bei einem ermäch­tig­ten nieder­ge­las­se­nen Tier­arzt durch­ge­führt werden.
(7)
Hinsicht­lich der Aner­ken­nung für das Gebiet „Öffent­li­ches Vete­ri­när­we­sen“ gilt Art. 30 Abs. 8 zuguns­ten des Staats­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt und Verbrau­cher­schutz entspre­chend.
(8)
Art. 33 Abs. 5 Satz 2 findet mit der Maßgabe Anwen­dung, dass der Antrag­stel­ler die Wahl zwischen einem höchs­tens drei­jäh­ri­gen Anpas­sungs­lehr­gang oder der Eignungs­prü­fung hat. In den in Art. 33 Abs. 5 Satz 3 genann­ten Fällen ist sowohl von einem Anpas­sungs­lehr­gang als auch von einer Eignungs­prü­fung abzu­se­hen. Das Wahl­recht des Antrag­stel­lers nach Satz 1 besteht nicht, wenn es sich um die Aner­ken­nung eines in einem Dritt­staat ausge­stell­ten Weiter­bil­dungs­nach­wei­ses handelt, der von einem Staat nach Art. 22 Abs. 2 Satz 1 aner­kannt wurde.

Art. 51
 

(1)
Im Übri­gen finden auf die Berufs­aus­übung und die Berufs­ver­tre­tun­gen der Tierärzte die Vorschrif­ten des Ersten Teils mit Ausnahme von Art. 18 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 sinn­ge­mäß Anwen­dung.
(2)
Die berufs­auf­sicht­li­chen Verfah­ren nach Art. 37 bis 39 werden vom Vorstand oder dem hier­für bestell­ten Ausschuss des zustän­di­gen tier­ärzt­li­chen Bezirks­ver­bands durch­ge­führt.
(3)
Im Fall des Art. 4 Abs. 6 Satz 5 tritt an die Stelle des Gesund­heits­amts das Vete­ri­näramt.

Art. 51a

Verwal­tungs­ver­fah­ren nach diesem Teil können über eine einheit­li­che Stelle abge­wi­ckelt werden.

Vierter Teil

Apotheker

Art. 52
 

(1)
Die Berufs­ver­tre­tung der Apothe­ker ist die Landes­apo­the­ker­kam­mer.
(2)
Sie ist eine Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts. Sie führt ein Dienst­sie­gel. Sie hat ihren Sitz in München.

Art. 53
 

(1)
Mitglie­der der Landes­apo­the­ker­kam­mer sind alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Apothe­ker, die
1.
in Bayern als Apotheker tätig sind oder,
2.
ohne als Apotheker tätig zu sein, in Bayern ihre Hauptwohnung haben.
(2)
Sie sind verpflich­tet, sich bei der Landes­apo­the­ker­kam­mer an- und abzu­mel­den.

Art. 54
 

Organe der Landes­apo­the­ker­kam­mer sind die Dele­gier­ten­ver­samm­lung und der Kammer­vor­stand.

Art. 55
 

Auf Antrag der Mehr­heit der Mitglie­der in einem Regie­rungs­be­zirk ist von der Landes­apo­the­ker­kam­mer eine Bezirks­stelle zu errich­ten.

Art. 56
 

Die Dele­gier­ten­ver­samm­lung besteht aus 100 Dele­gier­ten. Diese werden entspre­chend dem Verhält­nis der Zahl der Mitglie­der der Landes­apo­the­ker­kam­mer in den Wahl­be­zir­ken, die den Regie­rungs­be­zir­ken entspre­chen, unter den Mitglie­dern in gehei­mer, schrift­li­cher Wahl auf die Dauer von vier Jahren gewählt. Die Einzel­hei­ten des Vertei­lungs- und Wahl­ver­fah­rens regelt die Landes­apo­the­ker­kam­mer in einer Wahl­ord­nung.

Art. 57
 

Der aus der Mitte der Dele­gier­ten­ver­samm­lung zu wählende Vorstand der Landes­apo­the­ker­kam­mer besteht aus dem ersten vorsit­zen­den Mitglied, höchs­tens zwei stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Mitglie­dern sowie höchs­tens sechs weite­ren Vorstands­mit­glie­dern; das erste vorsit­zende Mitglied führt die Bezeich­nung „Prä­si­dent“ oder „Prä­si­den­tin“, die stell­ver­tre­ten­den Mitglie­der führen die Bezeich­nung „Vize­prä­si­dent“ oder „Vize­prä­si­den­tin“.

Art. 58
 

(1)
Für die Weiter­bil­dung der Apothe­ker gilt der Abschnitt IV des Ersten Teils mit Ausnahme von Art. 35 Abs. 3 und 5 entspre­chend, soweit sich aus den folgen­den Absät­zen nichts ande­res ergibt.
(2)
Die Landes­apo­the­ker­kam­mer bestimmt Bezeich­nun­gen nach Art. 27 in den Fach­rich­tun­gen
1.
Arzneimittelversorgung,
2.
Arzneimittelentwicklung, -produktion und -kontrolle,
3.
Theoretische Pharmazie,
4.
Ökologie und
in Verbin­dun­gen dieser Fach­rich­tun­gen unter den in Art. 28 Abs. 1 genann­ten entspre­chend anwend­ba­ren Voraus­set­zun­gen.
(3)
Gebiets­be­zeich­nung ist auch die Bezeich­nung „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“.
(4)
Mehrere Gebiets­be­zeich­nun­gen dürfen nach Maßgabe der Weiter­bil­dungs­ord­nung neben­ein­an­der geführt werden. Die Landes­apo­the­ker­kam­mer kann in der Weiter­bil­dungs­ord­nung Ausnah­men von Art. 34 Abs. 1 zulas­sen, wenn anzu­neh­men ist, dass der Apothe­ker in seiner auf ein Gebiet beschränk­ten Tätig­keit keine ausrei­chende wirt­schaft­li­che Lebens­grund­lage findet.
(5)
Abwei­chend von Art. 31 Abs. 1 Satz 1 wird die Weiter­bil­dung in Gebie­ten und Teil­ge­bie­ten nach der Natur der jewei­li­gen Fach­rich­tung unter verant­wort­li­cher Leitung ermäch­tig­ter Apothe­ker in entspre­chen­den Einrich­tun­gen der wissen­schaft­li­chen Hoch­schu­len und ande­ren von der Landes­apo­the­ker­kam­mer zuge­las­se­nen Weiter­bil­dungs­stät­ten (Apothe­ken, Kran­ken­haus­apo­the­ken, Arznei­mit­tel­her­stel­lungs­be­triebe, phar­ma­zeu­ti­sche Insti­tute und andere geeig­nete phar­ma­zeu­ti­sche Einrich­tun­gen) durch­ge­führt. Art. 31 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 finden keine Anwen­dung.
(6)
Hinsicht­lich der Aner­ken­nung für das Gebiet „Öffent­li­ches Gesund­heits­we­sen“ gilt Art. 30 Abs. 8 entspre­chend.
(7)
Art. 50 Abs. 8 gilt entspre­chend.

Art. 59
 

(1)
Im Übri­gen finden auf die Berufs­aus­übung und die Berufs­ver­tre­tung der Apothe­ker die Vorschrif­ten des Ersten Teils mit Ausnahme des Art. 18 Abs. 3 sinn­ge­mäß Anwen­dung. Art. 4 Abs. 9 gilt mit der Maßgabe, dass die Landes­apo­the­ker­kam­mer auch Beginn und Ende der Kammer­mit­glied­schaft ihrer Mitglie­der an die Baye­ri­sche Apothe­ker­ver­sor­gung über­mit­telt.
(2)
Art. 37 findet entspre­chende Anwen­dung mit der Maßgabe, dass der Vorstand der Landes­apo­the­ker­kam­mer für jeden Regie­rungs­be­zirk einen Vermitt­ler bestimmt.
(3)
Die Aufga­ben im Voll­zug der Art. 38 und 39 nimmt der Vorstand der Landes­apo­the­ker­kam­mer wahr. An die Stelle der Beschwerde tritt der Einspruch, über den ein hier­für bestell­ter Ausschuss der Landes­apo­the­ker­kam­mer entschei­det.
(4)
(aufge­ho­ben)

Fünfter Teil

Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Art. 60
 

(1)
Es wird eine Berufs­ver­tre­tung der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten errich­tet.
(2)
Die Berufs­ver­tre­tung nach Absatz 1 ist die Landes­kam­mer der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten (Kammer).
(3)
Die Kammer ist eine Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts. Sie führt ein Dienst­sie­gel.

Art. 61
 

(1)
Mitglie­der der Kammer sind alle Berufs­an­ge­hö­ri­gen, die
1.
in Bayern den Beruf des Psychologischen Psychotherapeuten (Gruppe 1) oder des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Gruppe 2) ausüben oder
2.
ohne einen dieser Berufe auszuüben, in Bayern ihre Hauptwohnung haben.
(2)
Sie sind verpflich­tet, sich bei der Kammer an- und abzu­mel­den.

Art. 62
 

Organe der Kammer sind die Dele­gier­ten­ver­samm­lung und der Vorstand.

Art. 63
 

(1)
Die Dele­gier­ten­ver­samm­lung besteht aus 45 Dele­gier­ten. Diese werden entspre­chend dem Verhält­nis der Zahl der den beiden Grup­pen ange­hö­ren­den Kammer­mit­glie­der unter den Mitglie­dern in gehei­mer, schrift­li­cher Wahl auf die Dauer von mindes­tens vier Jahren gewählt. Jedes Mitglied der Kammer ist nur in einer Gruppe berück­sich­ti­gungs­fä­hig, wahl­be­rech­tigt und wähl­bar.
(2)
Die Wahl­ord­nung regelt das Nähere über das Vertei­lungs-und Wahl­ver­fah­ren.

Art. 64
 

Der aus der Mitte der Dele­gier­ten­ver­samm­lung zu wählende Vorstand der Kammer besteht aus dem ersten vorsit­zen­den Mitglied, höchs­tens zwei stell­ver­tre­ten­den vorsit­zen­den Mitglie­dern sowie höchs­tens vier weite­ren Vorstands­mit­glie­dern. Mindes­tens ein Mitglied des Vorstands muss ausschließ­lich der Gruppe 2 ange­hö­ren; das erste vorsit­zende Mitglied führt die Bezeich­nung „Prä­si­dent“ oder „Prä­si­den­tin“, die stell­ver­tre­ten­den Mitglie­der führen die Bezeich­nung „Vize­prä­si­dent“ oder „Vize­prä­si­den­tin“.

Art. 64a

(1)
Für die Weiter­bil­dung der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten gilt Abschnitt IV des Ersten Teils mit Ausnahme von Art. 35 Abs. 3 und 5 entspre­chend, soweit sich aus den folgen­den Absät­zen nichts ande­res ergibt.
(2)
Psycho­lo­gi­sche Psycho­the­ra­peu­ten und Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten dürfen neben ihrer Berufs­be­zeich­nung weitere Bezeich­nun­gen führen, die auf beson­dere Kennt­nisse und Fähig­kei­ten in einem bestimm­ten Gebiet psycho­the­ra­peu­ti­scher Tätig­keit (Gebiets­be­zeich­nung) oder Teil­ge­biet (Teil­ge­biets­be­zeich­nung) oder auf andere zusätz­lich erwor­bene Kennt­nisse und Fähig­kei­ten (Zusatz­be­zeich­nung) hinwei­sen. Mehrere Bezeich­nun­gen dürfen neben­ein­an­der geführt werden.
(3)
Eine Bezeich­nung nach Abs. 2 darf führen, wer eine Aner­ken­nung erhal­ten hat. Über die Aner­ken­nung entschei­det die Kammer. Das Nähere regelt die Weiter­bil­dungs­ord­nung. Die Kammer kann in der Weiter­bil­dungs­ord­nung von Art. 30 Abs. 2, 4 Satz 1 und Abs. 6 abwei­chende Bestim­mun­gen tref­fen sowie im Einzel­nen Ausnah­men zulas­sen, wenn es mit den Zielen der Weiter­bil­dung verein­bar ist. Art. 58 Abs. 4 Satz 2 gilt entspre­chend. Abge­se­hen von Satz 5 kann die Kammer bei der Einfüh­rung neuer Gebiets­be­zeich­nun­gen abwei­chend von Art. 34 Abs. 1 für einen in der Weiter­bil­dungs­ord­nung zu bestim­men­den Erpro­bungs­zeit­raum Ausnah­men vorse­hen, wenn es mit den Zielen der Weiter­bil­dung verein­bar ist.
(4)
Die Weiter­bil­dungs­ord­nung kann vorse­hen, dass die Weiter­bil­dung teil­weise in der Praxis des Weiter­bil­dungs­teil­neh­mers durch­ge­führt werden kann, wenn dies mit den Zielen der Weiter­bil­dung verein­bar ist und die Weiter­bil­dung unter der verant­wort­li­chen Leitung eines zur Weiter­bil­dung befug­ten Psycho­the­ra­peu­ten durch­ge­führt wird.

Art. 65
 

Im Übri­gen finden auf die Berufs­aus­übung und die Berufs­ver­tre­tung der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten die Vorschrif­ten der Abschnitte I, II und V des Ersten Teils, ausge­nom­men Art. 18 Abs. 3, sowie die Art. 55 und 59 Abs. 2 und 3 sinn­ge­mäß Anwen­dung.

Sechster Teil

Berufsgerichtsbarkeit

Art. 66
 

(1)
Die Verlet­zun­gen von Berufs­pflich­ten durch Mitglie­der der Berufs­ver­tre­tun­gen werden im berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren verfolgt, soweit nicht Art. 38 Abs. 1 zur Anwen­dung kommt. Es können auch Berufs­pflicht­ver­let­zun­gen verfolgt werden, die Mitglie­der während ihrer Zuge­hö­rig­keit zu einer vergleich­ba­ren Berufs­ver­tre­tung im Geltungs­be­reich der Bunde­särz­te­ord­nung began­gen haben. Endet die Mitglied­schaft nach Eröff­nung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens, so kann dieses fort­ge­setzt werden, sofern die Appro­ba­tion (Bestal­lung) weiter­be­steht.
(2)
Die Verfol­gung der Verlet­zung der Berufs­pflich­ten verjährt in fünf Jahren. Für den Beginn, die Unter­bre­chung und das Ruhen der Verjäh­rung gelten die Vorschrif­ten des Straf­ge­setz­buchs entspre­chend. Verstößt die Tat auch gegen ein Straf­ge­setz, so verjährt die Verfol­gung nicht, bevor die Straf­ver­fol­gung verjährt. Stellt die Berufs­ver­tre­tung den Antrag auf Einlei­tung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens nach Art. 39 Abs. 3 zurück, so ruht die Verfol­gungs­ver­jäh­rung von der Mittei­lung der Zurück­stel­lung an den Beschul­dig­ten bis zum rechts­kräf­ti­gen Abschluss des ande­ren Verfah­rens.

Art. 67
 

(1)
Im berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren kann erkannt werden auf
1.
Verweis,
2.
Geldbuße bis einhunderttausend Euro,
3.
Entziehung der Delegierteneigenschaft oder der Mitgliedschaft oder eines Amts in Organen der Berufsvertretung,
4.
Entziehung der Wählbarkeit zum Delegierten oder in Organe der Berufsvertretung bis zur Dauer von fünf Jahren.
5.
(aufgehoben)
(2)
Die in Absatz 1 Nrn. 2 bis 4 genann­ten Maßnah­men können neben­ein­an­der verhängt werden.
(3)
Hat ein Gericht oder eine Behörde wegen dessel­ben Verhal­tens bereits eine Strafe, Geld­buße, Diszi­plin­ar­maß­nahme oder ein Ordnungs­mit­tel verhängt, so ist von einer Maßnahme nach Absatz 1 Nrn. 1 und 2 abzu­se­hen, es sei denn, dass diese Maßnahme zusätz­lich erfor­der­lich ist, um das Mitglied zur Erfül­lung seiner Berufs­pflich­ten anzu­hal­ten und das Anse­hen des Berufs­stands zu wahren.
(4)
Das Berufs­ge­richt kann der zustän­di­gen Landes­kam­mer die Befug­nis zuspre­chen, die Verur­tei­lung auf Kosten des Mitglieds zu veröf­fent­li­chen. Die Art der Veröf­fent­li­chung und die Frist, inner­halb der die Veröf­fent­li­chung erfol­gen kann, ist in dem Urteil zu bestim­men.

Art. 68
 

(1)
Das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren wird von den Berufs­ge­rich­ten für die Heil­be­rufe (Berufs­ge­richt) als erster Instanz und dem Landes­be­rufs­ge­richt für die Heil­be­rufe (Landes­be­rufs­ge­richt) als Rechts­mit­tel­in­stanz durch­ge­führt.
(2)
Das Berufs­ge­richt für die Regie­rungs­be­zirke Ober­bay­ern, Nieder­bay­ern und Schwa­ben wird beim Land­ge­richt München I, das Berufs­ge­richt für die Regie­rungs­be­zirke Ober­fran­ken, Mittel­fran­ken, Unter­fran­ken und Ober­pfalz beim Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth errich­tet. Die Berufs­ge­richte vertre­ten sich wech­sel­sei­tig im Fall eines Wieder­auf­nah­me­ver­fah­rens nach Art. 94. Das Landes­be­rufs­ge­richt wird beim Obers­ten Landes­ge­richt errich­tet; seine Aufga­ben werden den Straf­se­na­ten in Nürn­berg über­tra­gen.

Art. 69
 

(1)
Das Berufs­ge­richt verhan­delt und entschei­det in der Beset­zung mit einem Berufs­rich­ter als Vorsit­zen­den und zwei ehren­amt­li­chen Rich­tern, das Landes­be­rufs­ge­richt verhan­delt und entschei­det in der Beset­zung mit einem Berufs­rich­ter als Vorsit­zen­den, zwei weite­ren Berufs­rich­tern und zwei ehren­amt­li­chen Rich­tern. Bei Beschlüs­sen außer­halb der münd­li­chen Verhand­lung wirken die ehren­amt­li­chen Rich­ter nicht mit; Art. 79 Abs. 2, Art. 83 Abs. 2 Satz 1 und Art. 93 Abs. 2 Satz 1 blei­ben unbe­rührt.
(2)
Die ehren­amt­li­chen Rich­ter müssen jeweils Mitglied einer baye­ri­schen Berufs­ver­tre­tung des Heil­be­rufs sein, dem der Beschul­digte ange­hört.
(3)
Die Aufga­ben der Geschäfts­stelle werden von der Geschäfts­stelle des Gerichts wahr­ge­nom­men, bei dem das Berufs­ge­richt errich­tet ist.

Art. 70
 

(1)
Die Präsi­den­ten des Obers­ten Landes­ge­richts und der Land­ge­richte München I und Nürn­berg-Fürth bestel­len für die Dauer von fünf Jahren jeweils für das bei ihrem Gericht errich­tete Berufs­ge­richt und Landes­be­rufs­ge­richt die Mitglie­der und ihre Vertre­ter sowie für jedes Berufs­ge­richt und das Landes­be­rufs­ge­richt einen Unter­su­chungs­füh­rer und seinen Vertre­ter. Die Vorsit­zen­den der Berufs­ge­richte und des Landes­be­rufs­ge­richts bestim­men vor Beginn jedes Geschäfts­jah­res, nach welchen Grund­sät­zen und in welcher Reihen­folge die ehren­amt­li­chen Rich­ter heran­zu­zie­hen sind und einan­der im Verhin­de­rungs­fall vertre­ten.
(2)
Die berufs­rich­ter­li­chen Mitglie­der müssen Rich­ter der Gerichte sein, bei denen die Berufs­ge­richte errich­tet sind; die Unter­su­chungs­füh­rer müssen Rich­ter der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit sein. Ihr Amt erlischt, wenn die Voraus­set­zung des Satzes 1 nach­träg­lich wegfällt.
(3)
Die für die Bestel­lung zustän­dige Behörde bestimmt nach Anhö­rung der jewei­li­gen Landes­kam­mer die Zahl der für jedes Gericht erfor­der­li­chen ehren­amt­li­chen Rich­ter jeder Berufs­gruppe. Die ehren­amt­li­chen Rich­ter werden den Vorschlags­lis­ten entnom­men, die die Landes­kam­mern für die Berufs­ge­richte des ersten und zwei­ten Rechts­zugs bei der für die Bestel­lung zustän­di­gen Behörde einrei­chen. Die Vorschlags­liste muss mindes­tens um die Hälfte mehr Mitglie­der der Berufs­ver­tre­tung enthal­ten als ehren­amt­li­che Rich­ter zu bestel­len sind. Schei­det ein ehren­amt­li­cher Rich­ter vor Ablauf der Amts­zeit aus, so ist für den Rest seiner Amts­zeit ein Nach­fol­ger nur zu bestel­len, wenn hier­für ein Bedürf­nis besteht.

Art. 71
 

(1)
Die Bestel­lung zum ehren­amt­li­chen Rich­ter kann nur aus wich­ti­gem Grund abge­lehnt werden; als solcher gilt insbe­son­dere
1.
Vollendung des 65. Lebensjahres,
2.
Krankheit oder Gebrechen,
3.
andere ehrenamtliche Tätigkeit, wegen der die Übernahme des Amts nicht zugemutet werden kann,
4.
Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter in den vorhergehenden fünf Jahren.
Über die Berech­ti­gung der Ableh­nung entschei­det die für die Bestel­lung zustän­dige Behörde. In den Fällen des Satzes 1 Nrn. 2 und 3 ist die zustän­dige Landes­kam­mer vorher zu hören.
(2)
Zum ehren­amt­li­chen Rich­ter kann nicht bestellt werden, wer
1.
Delegierter ist,
2.
dem Vorstand einer Berufsvertretung angehört,
3.
in einer Berufsvertretung bei Ahndung von Verstößen gegen Berufspflichten mitwirkt,
4.
Bediensteter einer Berufsvertretung ist,
5.
einer staatlichen Behörde angehört, der die Aufsicht über eine Berufsvertretung obliegt,
6.
die Wählbarkeit zum Delegierten oder in Organe der Berufsvertretung nicht besitzt,
7.
wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe rechtskräftig verurteilt worden ist, sofern die Strafe nicht getilgt ist,
8.
nach Absatz 4 gehindert ist, das Richteramt auszuüben.
Werden Gründe, die einer Bestel­lung entge­gen­ste­hen, erst nach­träg­lich bekannt, so ist die Bestel­lung zu wider­ru­fen.
(3)
Das Amt eines ehren­amt­li­chen Rich­ters erlischt, wenn die Gründe, die nach Absatz 2 Nrn. 1 bis 7 einer Bestel­lung entge­gen­ste­hen, nach­träg­lich eintre­ten.
(4)
Ein ehren­amt­li­cher Rich­ter kann das Rich­ter­amt nicht ausüben,
1.
solange seine Approbation, Bestallung oder Erlaubnis zur Berufsausübung ruht,
2.
solange gegen ihn ein Berufsverbot besteht,
3.
während der Dauer eines gegen ihn eingeleiteten berufsgerichtlichen Verfahrens,
4.
während der Dauer eines gegen ihn eingeleiteten gerichtlichen Disziplinarverfahrens, sofern dieses eine Berufsverfehlung im Sinn dieses Gesetzes betrifft,
5.
während der Dauer eines gegen ihn eröffneten Strafverfahrens, sofern das Verfahren ein vorsätzliches Vergehen oder ein Verbrechen zum Gegenstand hat.
(5)
Stimmt ein ehren­amt­li­cher Rich­ter dem Wider­ruf seiner Bestel­lung nach Absatz 2 Satz 2 nicht zu oder hält er die Voraus­set­zun­gen für das Erlö­schen seines Rich­ter­amts nach Absatz 3 nicht für gege­ben, so entschei­det hier­über einer der Straf­se­nate des Obers­ten Landes­ge­richts in Nürn­berg. Der ehren­amt­li­che Rich­ter ist vor der Entschei­dung zu hören. Das Verfah­ren ist gebüh­ren­frei.

Art. 72
 

Die Bestim­mun­gen der Straf­pro­zess­ord­nung (StPO) über die Ableh­nung und Ausschlie­ßung von Gerichts­per­so­nen gelten sinn­ge­mäß. Von der Ausübung des Amts des berufs­rich­ter­li­chen oder ehren­amt­li­chen Mitglieds eines Berufs­ge­richts ist auch ausge­schlos­sen, wer mit dem Sach­ver­halt, der Gegen­stand eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens ist, in einem ande­ren Verfah­ren, insbe­son­dere als Mitglied eines Organs einer kassen­ärzt­li­chen oder kassen­zahn­ärzt­li­chen Verei­ni­gung, befasst war oder ist.

Art. 73
 

Die ehren­amt­li­chen Rich­ter erhal­ten Entschä­di­gung nach Maßgabe des Geset­zes über die Entschä­di­gung der ehren­amt­li­chen Rich­ter.

Art. 74
 

(1)
Alle Gerichte und Behör­den sowie alle Körper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts haben den Berufs­ge­rich­ten, dem Landes­be­rufs­ge­richt und dem Unter­su­chungs­füh­rer Amts- und Rechts­hilfe zu leis­ten.
(2)
Das Berufs­ge­richt kann das Amts­ge­richt um die Verneh­mung von Zeugen und Sach­ver­stän­di­gen ersu­chen.

Art. 75
 

Die Verei­di­gung von Zeugen und Sach­ver­stän­di­gen ist im berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren nur zuläs­sig, wenn es das Gericht zur Siche­rung des Bewei­ses oder wegen der ausschlag­ge­ben­den Bedeu­tung der Aussage oder zur Herbei­füh­rung einer wahren Aussage für erfor­der­lich hält.

Art. 76
 

Der Beschul­digte darf zur Durch­füh­rung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens weder vorläu­fig fest­ge­nom­men noch verhaf­tet oder vorge­führt werden. Er kann nicht zur Vorbe­rei­tung eines Gutach­tens über seinen psychi­schen Zustand in ein psych­ia­tri­sches Kran­ken­haus gebracht werden.

Art. 77
 

(1)
Das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren wird einge­lei­tet auf Antrag
1.
des zuständigen Bezirksverbands oder, sofern selbstständige Untergliederungen nicht bestehen, der zuständigen Landeskammer,
2.
der Regierung,
3.
eines Mitglieds der Berufsvertretung gegen sich selbst.
(2)
Die Antrag­stel­ler haben die Tatsa­chen aufzu­füh­ren, auf die sie ihren Antrag stüt­zen. Die Berufs­ver­tre­tung und die Regie­rung haben in ihren Anträ­gen außer­dem die Beweis­mit­tel zu bezeich­nen und das Ergeb­nis der Ermitt­lun­gen darzu­stel­len. § 200 StPO gilt entspre­chend.
(3)
Zustän­dig zur Durch­füh­rung des Verfah­rens ist das Berufs­ge­richt, in dessen Bezirk der Beschul­digte seinen gewöhn­li­chen Aufent­halt hat. Hält das Berufs­ge­richt die Zustän­dig­keit eines ande­ren Berufs­ge­richts für gege­ben, so verweist es die Sache durch Beschluss an dieses Gericht. Hält sich kein Berufs­ge­richt für zustän­dig, so bestimmt das Landes­be­rufs­ge­richt das zustän­dige Berufs­ge­richt. Die bei Einlei­tung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens begrün­dete Zustän­dig­keit des Berufs­ge­richts wird durch eine spätere Verän­de­rung der die Zustän­dig­keit begrün­den­den Umstände nicht berührt.
(4)
Der Beschul­digte kann sich in jeder Lage des Verfah­rens eines Mitglieds seiner Berufs­ver­tre­tung als Beistand oder eines bei einem deut­schen Gericht zuge­las­se­nen Rechts­an­walts oder eines Rechts­leh­rers an einer deut­schen Hoch­schule als Vertei­di­ger bedie­nen.

Art. 78
 

(1)
Der Beschul­digte und sein Vertei­di­ger sind berech­tigt, nach Einlei­tung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens die Akten, die dem Berufs­ge­richt vorlie­gen, einzu­se­hen sowie amtlich verwahrte Beweis­stücke zu besich­ti­gen. Vor Eröff­nung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens kann der Vorsit­zende und, solange das Unter­su­chungs­ver­fah­ren andau­ert, auch der Unter­su­chungs­füh­rer die Akten­ein­sicht versa­gen, wenn dadurch der Unter­su­chungs­zweck gefähr­det würde. § 147 Abs. 3 StPO gilt entspre­chend. Nach Eröff­nung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens kann das Recht des Beschul­dig­ten auf persön­li­che Akten­ein­sicht nur bei Vorlie­gen schwer­wie­gen­der Gründe einge­schränkt oder versagt werden.
(2)
Die zustän­dige Berufs­ver­tre­tung und die Regie­rung sind berech­tigt, die Akten des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens einzu­se­hen. Im Übri­gen darf Akten­ein­sicht nur gewährt werden, wenn ein berech­tig­tes Inter­esse glaub­haft gemacht ist und vorran­gige schutz­wür­dige Belange des Beschul­dig­ten oder eines Drit­ten nicht entge­gen­ste­hen.
(3)
Nach Abschluss des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens ist Absatz 2 mit der Maßgabe anzu­wen­den, dass über die Akten­ein­sicht der Präsi­dent des die Akten verwah­ren­den Gerichts entschei­det.

Art. 79
 

(1)
Erweist sich der Antrag auf Eröff­nung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens als unzu­läs­sig oder als offen­sicht­lich unbe­grün­det, so kann das Berufs­ge­richt den Antrag durch Beschluss zurück­wei­sen. Es kann den Antrag auch zurück­wei­sen, wenn die Durch­füh­rung eines Verfah­rens wegen der Gering­fü­gig­keit der erho­be­nen Beschul­di­gung nicht erfor­der­lich erscheint; hält es die Voraus­set­zun­gen für das Verfah­ren nach Art. 38 für gege­ben, so über­sen­det es nach Ablauf der Frist des Absat­zes 2 die Akten der für die Ertei­lung der Rüge zustän­di­gen Berufs­ver­tre­tung.
(2)
Gegen die Zurück­wei­sung des Antrags nach Absatz 1 kann der Antrag­stel­ler inner­halb von zwei Wochen nach der Zustel­lung die Beschluss­fas­sung des Berufs­ge­richts in der Beset­zung nach Art. 69 Abs. 1 Satz 1 bean­tra­gen.
(3)
Wird der Antrag nicht nach Absatz 1 zurück­ge­wie­sen oder hat das Berufs­ge­richt den Beschluss nach Absatz 1 aufge­ho­ben, so stellt der Vorsit­zende den Antrag dem Beschul­dig­ten und den übri­gen Antrags­be­rech­tig­ten mit der Auffor­de­rung zu, sich inner­halb eines Monats zu dem Antrag zu äußern. Die Antrags­be­rech­tig­ten können dem berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren durch eine schrift­li­che Erklä­rung gegen­über dem Berufs­ge­richt in jeder Lage des Verfah­rens als Antrag­stel­ler beitre­ten. Die Beitritts­er­klä­rung ist dem Beschul­dig­ten und dem Antrag­stel­ler mitzu­tei­len.

Art. 80
 

(1)
Ergibt sich auf Grund der Äuße­run­gen, dass eine Verlet­zung der Berufs­pflich­ten nicht vorliegt, so gibt das Berufs­ge­richt dem Antrag auf Eröff­nung eines berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens keine Folge.
(2)
Werden weitere Ermitt­lun­gen für erfor­der­lich gehal­ten, so beauf­tragt das Gericht den Unter­su­chungs­füh­rer mit der Durch­füh­rung eines Unter­su­chungs­ver­fah­rens.
(3)
Der Unter­su­chungs­füh­rer fasst das Ergeb­nis seiner Unter­su­chun­gen in tatsäch­li­cher und recht­li­cher Hinsicht schrift­lich zusam­men. Die Zusam­men­fas­sung ist dem Beschul­dig­ten und dem Antrag­stel­ler bekannt zu geben.

Art. 81
 

(1)
Der Beschul­digte und der Antrag­stel­ler sind zu allen Beweis­er­he­bun­gen zu laden, es sei denn, dadurch wird die Unter­su­chung wesent­lich erschwert oder der Unter­su­chungs­er­folg gefähr­det. Der Beschul­digte ist in jedem Fall durch den Unter­su­chungs­füh­rer oder durch ein Gericht zu verneh­men.
(2)
Der Unter­su­chungs­füh­rer hat zu allen Beweis­er­he­bun­gen einen Schrift­füh­rer beizu­zie­hen und ihn, wenn er nicht Beam­ter ist, auf diese Amtstä­tig­keit zu verpflich­ten.

Art. 82
 

Liegt nach dem Ergeb­nis des Unter­su­chungs­ver­fah­rens eine Verlet­zung der Berufs­pflich­ten nicht vor oder ist sie nicht nach­zu­wei­sen, so stellt das Berufs­ge­richt das Verfah­ren ein.

Art. 83
 

(1)
Erge­ben sich hinrei­chende Anhalts­punkte dafür, dass der Beschul­digte seine Berufs­pflich­ten verletzt hat, so eröff­net das Berufs­ge­richt das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren durch einen Beschluss (Eröff­nungs­be­schluss), in dem die Verfeh­lun­gen anzu­füh­ren sind. § 207 StPO gilt entspre­chend.
(2)
Erweist sich die Verlet­zung der Berufs­pflich­ten als gering­fü­gig, so kann das Berufs­ge­richt in der Beset­zung nach Art. 69 Abs. 1 Satz 1 das Verfah­ren in jeder Lage durch unan­fecht­ba­ren Beschluss einstel­len. Sind die Voraus­set­zun­gen für das Verfah­ren nach Art. 38 gege­ben, so über­sen­det der Vorsit­zende die Akten der zustän­di­gen Berufs­ver­tre­tung. Im Übri­gen gelten § 153 a Abs. 2 und 3 StPO mit der Maßgabe entspre­chend, dass ein aufer­leg­ter Geld­be­trag zuguns­ten sozia­ler Einrich­tun­gen der jewei­li­gen Landes­kam­mer zu zahlen ist.
(3)
Beschlüsse nach Art. 82 und nach den Absät­zen 1 und 2 sind den Antrags­be­rech­tig­ten nach Art. 77 Abs. 1 mitzu­tei­len; dem Beschul­dig­ten und dem Antrag­stel­ler sind sie zuzu­stel­len.

Art. 84
 

(1)
Der Termin zur Haupt­ver­hand­lung wird von dem Vorsit­zen­den des Gerichts anbe­raumt.
(2)
Dem Beschul­dig­ten und seinem Vertei­di­ger oder Beistand sowie dem Antrag­stel­ler muss die Ladung mindes­tens zwei Wochen vor der Haupt­ver­hand­lung zuge­stellt werden.
(3)
Das Berufs­ge­richt kann ohne Eröff­nungs­be­schluss und ohne Haupt­ver­hand­lung durch Beschluss auf Verweis oder Geld­buße erken­nen (abge­kürz­tes Verfah­ren). Gegen diesen Beschluss können der Beschul­digte und der Antrag­stel­ler binnen zwei Wochen Einspruch erhe­ben. Es findet dann die Haupt­ver­hand­lung statt.
(4)
In der Haupt­ver­hand­lung kann sich der Beschul­digte durch einen Vertei­di­ger vertre­ten lassen. Gegen einen Beschul­dig­ten, der nicht erschie­nen und nicht vertre­ten ist, kann die Haupt­ver­hand­lung durch­ge­führt werden, wenn er ordnungs­ge­mäß gela­den und in der Ladung darauf hinge­wie­sen ist, dass in seiner Abwe­sen­heit verhan­delt werden kann.

Art. 85
 

(1)
Das Berufs­ge­richt kann unbe­scha­det seiner Aufklä­rungs­pflicht beschlie­ßen, dass
1.
Niederschriften über die frühere Vernehmung eines Zeugen oder Sachverständigen im berufsgerichtlichen Verfahren oder in einem anderen gesetzlich geordneten Verfahren gegen den Beschuldigten,
2.
das schriftliche Gutachten eines Sachverständigen
zu verle­sen sind. Einem Antrag auf Verneh­mung dieses Zeugen oder eines Sach­ver­stän­di­gen in der Haupt­ver­hand­lung ist zu entspre­chen, wenn nicht der Zeuge oder der Sach­ver­stän­dige am Erschei­nen verhin­dert ist oder ihm das Erschei­nen wegen großer Entfer­nung nicht zuge­mu­tet werden kann.
(2)
Der Beschluss nach Absatz 1 muss das zu verle­sende Gutach­ten oder die zu verle­sende Nieder­schrift bezeich­nen. Ergeht er vor der Haupt­ver­hand­lung, so ist er dem Antrag­stel­ler und dem Beschul­dig­ten mit dem Hinweis zuzu­stel­len, dass der Antrag, den Zeugen oder Sach­ver­stän­di­gen in der Haupt­ver­hand­lung zu verneh­men (Absatz 1 Satz 2), binnen zwei Wochen beim Berufs­ge­richt zu stel­len ist. Nach Ablauf dieser Frist braucht das Gericht dem Antrag nur zu entspre­chen, wenn der Antrag­stel­ler darlegt, dass die Einver­nahme der Zeugen oder Sach­ver­stän­di­gen in der Haupt­ver­hand­lung zur Sach­auf­klä­rung erfor­der­lich ist.

Art. 86
 

(1)
Ist gegen den Beschul­dig­ten wegen dessel­ben Sach­ver­halts ein straf­ge­richt­li­ches Verfah­ren anhän­gig, so kann ein berufs­ge­richt­li­ches Verfah­ren zwar eröff­net werden, es ist aber bis zur Been­di­gung des straf­ge­richt­li­chen Verfah­rens auszu­set­zen. Glei­ches gilt, wenn ein solches Verfah­ren während des Laufs des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens anhän­gig wird. Das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren kann von Amts wegen oder auf Antrag eines Berech­tig­ten fort­ge­setzt werden, wenn die Sach­auf­klä­rung gesi­chert ist; das glei­che gilt, wenn im straf­ge­richt­li­chen Verfah­ren aus Grün­den nicht verhan­delt werden kann, die in der Person des Beschul­dig­ten liegen.
(2)
Wird der Beschul­digte im straf­ge­richt­li­chen Verfah­ren frei­ge­spro­chen, so kann wegen des Sach­ver­halts, der Gegen­stand der gericht­li­chen Entschei­dung war, ein berufs­ge­richt­li­ches Verfah­ren nur fort­ge­setzt werden, wenn dieser Sach­ver­halt, auch ohne den Tatbe­stand einer Straf- oder Bußgeld­vor­schrift zu erfül­len, eine Verlet­zung der Berufs­pflich­ten enthält.
(3)
Die tatsäch­li­chen Fest­stel­lun­gen eines rechts­kräf­ti­gen Urteils im Straf­ver­fah­ren oder Bußgeld­ver­fah­ren, auf denen die Entschei­dung beruht, sind im berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren, das densel­ben Sach­ver­halt zum Gegen­stand hat, für das Gericht bindend. Das Gericht hat jedoch die noch­ma­lige Prüfung solcher Fest­stel­lun­gen zu beschlie­ßen, deren Rich­tig­keit seine Mitglie­der mit Stim­men­mehr­heit bezwei­feln; dies ist in den Urteils­grün­den zum Ausdruck zu brin­gen. Die in einem ande­ren gesetz­lich geord­ne­ten Verfah­ren getrof­fe­nen tatsäch­li­chen Fest­stel­lun­gen sind nicht bindend, können aber der Entschei­dung im berufs­ge­richt­li­chen Verfah­ren mit Einver­ständ­nis aller Betei­lig­ten ohne noch­ma­lige Prüfung zugrunde gelegt werden.
(4)
Kommt das Berufs­ge­richt zu der Fest­stel­lung, dass die Schwere der Verfeh­lung einen Entzug der Appro­ba­tion oder Bestal­lung erfor­dert, setzt es das Verfah­ren aus und legt die Akten unter Darle­gung der Gründe der zustän­di­gen Behörde zur Entschei­dung über den Entzug vor. Wird die Appro­ba­tion oder Bestal­lung entzo­gen, so stellt das Gericht das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren ein. Wird der Entzug von der zustän­di­gen Behörde abge­lehnt oder erfolgt inner­halb einer ange­mes­se­nen Frist keine Entschei­dung durch die zustän­dige Behörde, so kann das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren wieder aufge­nom­men werden.

Art. 87
 

(1)
Wird gegen ein beam­te­tes Mitglied der Berufs­ver­tre­tun­gen, das einer Verlet­zung der Berufs­pflich­ten beschul­digt ist, wegen dessel­ben Sach­ver­halts ein Diszi­pli­nar­ver­fah­ren einge­lei­tet, so finden auf das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren Art. 86 Abs. 1 und 3 entspre­chende Anwen­dung.
(2)
Nach Been­di­gung des Diszi­pli­nar­ver­fah­rens kann das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren fort­ge­setzt werden, wenn
1.
die Verletzung der Berufspflichten nicht als Dienstvergehen mit einer Disziplinarmaßnahme geahndet worden ist,
2.
neben der Disziplinarmaßnahme Maßnahmen nach Art. 67 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 zusätzlich erforderlich sind, um das Mitglied zur Erfüllung seiner Berufspflichten anzuhalten und das Ansehen des Berufsstands zu wahren, oder
3.
neben der Disziplinarmaßnahme Maßnahmen nach Art. 67 Abs. 1 Nrn. 3 bis 5 in Frage kommen.

Art. 88
 

(1)
Soweit in diesem Gesetz nichts ande­res bestimmt ist, sind die Vorschrif­ten des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes über Öffent­lich­keit, Sitzungs­po­li­zei und Gerichtss­pra­che auf das Verfah­ren vor dem Berufs­ge­richt und dem Landes­be­rufs­ge­richt entspre­chend anzu­wen­den.
(2)
Die Vorschrif­ten über die ärzt­li­che Schwei­ge­pflicht finden Anwen­dung.
(3)
Die Öffent­lich­keit kann auch zur Wahrung des Berufs­ge­heim­nis­ses für die Haupt­ver­hand­lung ganz oder zum Teil ausge­schlos­sen werden.

Art. 89
 

(1)
Die Haupt­ver­hand­lung endet mit der Verkün­dung des Urteils.
(2)
Das Urteil darf nur auf Tatsa­chen und Bewei­s­er­geb­nisse gestützt werden, die Gegen­stand der Haupt­ver­hand­lung waren.
(3)
Auf die Bera­tung und Abstim­mung finden die Vorschrif­ten des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes und des § 263 StPO entspre­chende Anwen­dung.
(4)
Das Urteil wird durch Verle­sen der Urteils­for­mel und Mittei­lung der wesent­li­chen Urteils­gründe verkün­det. Es ist schrift­lich abzu­fas­sen und entspre­chend § 267 StPO mit Grün­den zu verse­hen. Das Urteil ist von dem Vorsit­zen­den und den Beisit­zern zu unter­zeich­nen und den Antrags­be­rech­tig­ten nach Art. 77 Abs. 1 mitzu­tei­len; dem Beschul­dig­ten, seinem Vertei­di­ger, seinem Beistand sowie dem Antrag­stel­ler ist das Urteil mit Rechts­mit­tel­be­leh­rung zuzu­stel­len.

Art. 90
 

(1)
Gegen die Urteile der Berufs­ge­richte können der Beschul­digte und der Antrag­stel­ler Beru­fung einle­gen.
(2)
Die Beru­fung ist inner­halb eines Monats nach Zustel­lung des Urteils beim Berufs­ge­richt schrift­lich oder zur Nieder­schrift der Geschäfts­stelle einzu­le­gen und inner­halb eines weite­ren Monats zu begrün­den; die Begrün­dung der Beru­fung des Beschul­dig­ten muss durch einen bei einem deut­schen Gericht zuge­las­se­nen Rechts­an­walt oder einen Rechts­leh­rer an einer deut­schen Hoch­schule unter­zeich­net sein. Die Beru­fungs­frist ist auch gewahrt, wenn die Beru­fung inner­halb der Frist beim Landes­be­rufs­ge­richt eingeht.

Art. 91
 

Für das Verfah­ren vor dem Landes­be­rufs­ge­richt gelten die Vorschrif­ten über das Verfah­ren vor dem Berufs­ge­richt entspre­chend, soweit nichts Abwei­chen­des bestimmt ist.

Art. 92
 

(1)
Das Landes­be­rufs­ge­richt verwirft die Beru­fung durch einen mit Grün­den verse­he­nen Beschluss, wenn sie nicht frist- oder form­ge­recht einge­legt ist.
(2)
Hat der Beschul­digte die Beru­fung einge­legt, so ist bei seiner Abwe­sen­heit in der Haupt­ver­hand­lung § 329 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3 der Straf­pro­zess­ord­nung entspre­chend anzu­wen­den, falls der Beschul­digte ordnungs­ge­mäß gela­den und in der Ladung ausdrück­lich auf die sich aus seiner Abwe­sen­heit erge­bende Rechts­folge hinge­wie­sen wurde.
(3)
Soweit das Landes­be­rufs­ge­richt die Beru­fung für zuläs­sig und begrün­det hält, hebt es das Urteil des Berufs­ge­richts auf und entschei­det in der Sache selbst. Das Landes­be­rufs­ge­richt kann durch Urteil die ange­foch­tene Entschei­dung aufhe­ben und die Sache zurück­ver­wei­sen, wenn das Verfah­ren erster Instanz an einem wesent­li­chen verfah­rens­recht­li­chen Mangel leidet.
(4)
Das Urteil darf in Art und Höhe der Rechts­fol­gen nicht zum Nach­teil des Beschul­dig­ten geän­dert werden, wenn ledig­lich zuguns­ten des Beschul­dig­ten Beru­fung einge­legt wurde.

Art. 93
 

(1)
Gegen alle vom Berufs­ge­richt im ersten Rechts­zug erlas­se­nen Beschlüsse und gegen die Verfü­gun­gen des Vorsit­zen­den ist, soweit sie bei sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der Straf­pro­zess­ord­nung anfecht­bar sind, die Beschwerde zuläs­sig. Sie ist binnen zweier Wochen nach Bekannt­ma­chung der Entschei­dung beim Berufs­ge­richt des ersten Rechts­zugs einzu­le­gen.
(2)
Wird die Beschwerde vom Berufs­ge­richt in der Beset­zung nach Art. 69 Abs. 1 Satz 1 für begrün­det erach­tet, so hilft es ihr ab. Andern­falls legt es die Beschwerde binnen einer Woche dem Landes­be­rufs­ge­richt vor. Das Landes­be­rufs­ge­richt entschei­det durch Beschluss.

Art. 94
 

Ein nach diesem Gesetz durch rechts­kräf­tige Entschei­dung been­de­tes Verfah­ren kann unter densel­ben Voraus­set­zun­gen wieder aufge­nom­men werden wie ein Straf­ver­fah­ren. Die Wieder­auf­nahme kann von dem Beschul­dig­ten oder dem gemäß Art. 77 Abs. 1 Berech­tig­ten bean­tragt werden.

Art. 95
 

(1)
In jeder Entschei­dung, die das Verfah­ren der Instanz been­det, muss bestimmt werden, wer die Kosten des Verfah­rens zu tragen hat.
(2)
Für das berufs­ge­richt­li­che Verfah­ren werden Gebüh­ren nur erho­ben, wenn auf eine der in Art. 67 genann­ten Maßnah­men erkannt oder der Beschwer­de­be­scheid gemäß Art. 38 Abs. 6 bestä­tigt wird. Die Gebüh­ren hat der Beschul­digte zu tragen. Sie betra­gen für jede Instanz mindes­tens einhun­dert­fünf­zig Euro, höchs­tens zwei­tau­send­fünf­hun­dert Euro. Das Gericht bestimmt in der Entschei­dung die Höhe der Gebüh­ren unter Berück­sich­ti­gung der Schwie­rig­keit der Sache sowie der persön­li­chen Verhält­nisse des Beschul­dig­ten nach pflicht­ge­mäßem Ermes­sen.
(3)
Die Ausla­gen des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens können ganz oder teil­weise aufer­legt werden
1.
dem Beschuldigten, wenn auf eine der in Art. 67 genannten Maßnahmen erkannt wurde; sind durch Untersuchungen zur Aufklärung bestimmter belastender oder entlastender Umstände besondere Auslagen entstanden und sind diese Untersuchungen zugunsten des Beschuldigten ausgegangen, so dürfen die besonderen Auslagen insoweit dem Beschuldigten nicht auferlegt werden;
2.
dem Antragsteller, soweit er Auslagen durch sein Verhalten herbeigeführt hat.

Art. 96
 

(1)
Die dem Beschul­dig­ten erwach­se­nen notwen­di­gen Ausla­gen sind im Fall der Antrag­stel­lung nach Art. 38 Abs. 5 Satz 1 oder Art. 77 Abs. 1 Nr. 1 der Berufs­ver­tre­tung und im Fall der Antrag­stel­lung nach Art. 77 Abs. 1 Nr. 2 der Staats­kasse aufzu­er­le­gen, wenn der Beschul­digte frei­ge­spro­chen oder das Verfah­ren einge­stellt wird, nach­dem der Beschul­digte aufge­for­dert worden ist, sich zu dem Antrag auf Eröff­nung des berufs­ge­richt­li­chen Verfah­rens zu äußern. Im Übri­gen trägt der Beschul­digte die ihm erwach­se­nen Ausla­gen selbst. § 467 Abs. 2 bis 4 StPO finden sinn­ge­mäß Anwen­dung.
(2)
Die dem Beschul­dig­ten erwach­se­nen notwen­di­gen Ausla­gen können nach Maßgabe des Absat­zes 1 Satz 1 ganz oder teil­weise der Berufs­ver­tre­tung oder der Staats­kasse aufer­legt werden, wenn die zur Last geleg­ten Verfeh­lun­gen nur zum Teil die Grund­lage einer gemäß Art. 67 verhäng­ten Maßnahme bilden. Satz 1 gilt auch, wenn durch Unter­su­chun­gen zur Aufklä­rung bestimm­ter belas­ten­der oder entlas­ten­der Umstände dem Beschul­dig­ten beson­dere Ausla­gen erwach­sen und diese Unter­su­chun­gen zuguns­ten des Beschul­dig­ten ausge­gan­gen sind.
(3)
Wird ein von der Berufs­ver­tre­tung oder der Regie­rung einge­leg­tes Rechts­mit­tel zurück­ge­nom­men oder bleibt es erfolg­los, so sind die dem Beschul­dig­ten im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren erwach­se­nen notwen­di­gen Ausla­gen der Berufs­ver­tre­tung bzw. der Staats­kasse aufzu­er­le­gen. Bei Rück­nahme oder Erfolg­lo­sig­keit eines vom Beschul­dig­ten einge­leg­ten Rechts­mit­tels trägt er die ihm erwach­se­nen Ausla­gen selbst.
(4)
Hat der Beschul­digte das Rechts­mit­tel beschränkt und hat es Erfolg, so sind die notwen­di­gen Ausla­gen des Beschul­dig­ten nach Maßgabe des Absat­zes 1 Satz 1 der Berufs­ver­tre­tung bzw. der Staats­kasse aufzu­er­le­gen. Im Übri­gen findet Absatz 1 Satz 2 Anwen­dung.
(5)
Hat ein Rechts­mit­tel teil­weise Erfolg, so sind die notwen­di­gen Ausla­gen des Beschul­dig­ten teil­weise oder ganz nach Maßgabe des Absat­zes 1 Satz 1 der Berufs­ver­tre­tung bzw. der Staats­kasse aufzu­er­le­gen, soweit es unbil­lig wäre, den Beschul­dig­ten damit zu belas­ten. Im Übri­gen findet Absatz 1 Satz 2 Anwen­dung.
(6)
Die notwen­di­gen Ausla­gen der Berufs­ver­tre­tung sind im Fall der Antrag­stel­lung nach Art. 38 Abs. 5 Satz 1 oder Art. 77 Abs. 1 Nr. 1 dem Beschul­dig­ten aufzu­er­le­gen, wenn
1.
das Berufsgericht den Beschwerdebescheid nach Art. 38 Abs. 6 Satz 1 bestätigt hat,
2.
auf eine der in Art. 67 genannten Maßnahmen erkannt wurde oder
3.
ein Fall des Absatzes 3 Satz 2 vorliegt.
Dies gilt nicht, soweit die notwen­di­gen Ausla­gen des Beschul­dig­ten nach den vorge­nann­ten Absät­zen der Berufs­ver­tre­tung aufer­legt werden. Wird das Verfah­ren nach einer Vorschrift einge­stellt, die dies nach dem Ermes­sen des Gerichts zulässt, und ergibt eine summa­ri­sche Prüfung, dass eine Berufs­pflicht­ver­let­zung vorliegt, können die notwen­di­gen Ausla­gen der Berufs­ver­tre­tung dem Beschul­dig­ten aufer­legt oder nach billi­gem Ermes­sen geteilt werden.
(7)
Zu den notwen­di­gen Ausla­gen gehö­ren auch
1.
die Entschädigung für eine notwendige Zeitversäumnis nach den Vorschriften, die für die Entschädigung von Zeugen gelten,
2.
die Gebühren und Auslagen eines Rechtsanwalts, soweit sie nach § 91 Abs. 2 der Zivilprozessordnung zu erstatten wären, sowie die Auslagen eines sonstigen Beistands.
(8)
Für die Fest­set­zung und die Voll­stre­ckung der zu erstat­ten­den notwen­di­gen Ausla­gen gelten die Vorschrif­ten für das Straf­ver­fah­ren sinn­ge­mäß.

Art. 97
 

(1)
Die auf Grund dieses Geset­zes ergan­ge­nen Entschei­dun­gen werden voll­steck­bar, soweit sie rechts­kräf­tig gewor­den sind.
(2)
Der Verweis gilt mit Eintritt der Rechts­kraft der Entschei­dung als erteilt. Zum selben Zeit­punkt werden Maßnah­men nach Art. 67 Abs. 1 Nrn. 3 bis 5 wirk­sam.
(3)
Die rechts­kräf­tige Entschei­dung ist den Antrags­be­rech­tig­ten nach Art. 77 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 mitzu­tei­len.

Art. 98
 

Soweit das Verfah­ren nicht in diesem Gesetz gere­gelt ist, finden die Vorschrif­ten der Straf­pro­zess­ord­nung und des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes mit Ausnahme derje­ni­gen, welche die Mitwir­kung der Staats­an­walt­schaft betref­fen, sinn­ge­mäß Anwen­dung. Die Vorschrif­ten des Sieb­zehn­ten Titels des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes sind entspre­chend anzu­wen­den.

Art. 99
 

Für die Voll­stre­ckung von Geld­bu­ßen und Kosten sind die für das Straf­ver­fah­ren gelten­den Voll­stre­ckungs­vor­schrif­ten sinn­ge­mäß anzu­wen­den.

Art. 100
 

(1)
Eintra­gun­gen in den bei der Berufs­ver­tre­tung geführ­ten Perso­nal­ak­ten über eine Maßnahme nach Art. 67 Abs. 1 sind nach zehn Jahren zu tilgen. Die über diese berufs­ge­richt­li­chen Maßnah­men entstan­de­nen Vorgänge sind aus den Perso­nal­ak­ten zu entfer­nen und zu vernich­ten.
(2)
Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem die berufs­ge­richt­li­che Maßnahme unan­fecht­bar gewor­den ist.
(3)
Die Frist endet nicht, solange gegen den Betref­fen­den ein Straf­ver­fah­ren, ein berufs­ge­richt­li­ches Verfah­ren oder ein Diszi­pli­nar­ver­fah­ren anhän­gig ist, eine andere berufs­ge­richt­li­che Maßnahme noch nicht zu tilgen ist oder ein auf Geld­buße lauten­des berufs­ge­richt­li­ches Urteil noch nicht voll­streckt ist.
(4)
Nach Ablauf der Frist dürfen die Berufs­pflicht­ver­let­zung und die Verur­tei­lung dem Betref­fen­den im Rechts­ver­kehr nicht mehr vorge­hal­ten und zu seinem Nach­teil verwer­tet werden.
(5)
Die Absätze 1 bis 4 finden bei berufs­auf­sicht­li­chen Maßnah­men nach Art. 38 entspre­chend Anwen­dung, wobei die Tilgungs­frist fünf Jahre beträgt.

Art. 101
 

(1)
Die persön­li­chen und sach­li­chen Kosten der Berufs­ge­richts­bar­keit sind dem Frei­staat Bayern am Schluss eines jeden Rech­nungs­jah­res von den Landes­kam­mern im Verhält­nis der Zahl der Berufs­ge­richts­ver­fah­ren, die die Mitglie­der der einzel­nen Berufs­ver­tre­tun­gen betra­fen, zu erstat­ten.
(2)
Soweit die Einnah­men des Berufs­ge­richts an Kosten und Geld­bu­ßen die nach Absatz 1 dem Frei­staat Bayern zu erstat­ten­den Kosten über­stei­gen, sind sie im nächs­ten Rech­nungs­jahr in dem in Absatz 1 genann­ten Verhält­nis den Landes­kam­mern zur Verwen­dung für die bei ihnen beste­hen­den sozia­len Einrich­tun­gen zuzu­füh­ren.
(3)
Das Staats­mi­nis­te­rium der Justiz kann im Beneh­men mit dem Staats­mi­nis­te­rium mit den einzel­nen Berufs­ver­tre­tun­gen anstelle der in den Absät­zen 1 und 2 vorge­se­he­nen Einzel­be­rech­nung Pauscha­l­er­stat­tun­gen verein­ba­ren.

Art. 102
 

Die für die Bestel­lung zustän­dige Behörde führt die Aufsicht über die Berufs­ge­richte und das Landes­be­rufs­ge­richt.

Siebter Teil

Schlussbestimmungen

Art. 103
 

(1)
Art. 53 Abs. 1 findet keine Anwen­dung auf Apothe­ker, die am Tag vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ände­rung des Kammer­ge­set­zes und des Geset­zes über den öffent­li­chen Gesund­heits­dienst vom 23. Juli 1993 (GVBl S. 511) in Bayern ihre Haupt­woh­nung hatten, ohne Mitglied der Landes­apo­the­ker­kam­mer zu sein. Diese Apothe­ker können jedoch binnen zwei Jahren nach Inkraft­tre­ten des Ände­rungs­ge­set­zes gegen­über der Landes­apo­the­ker­kam­mer ihren Beitritt als frei­wil­li­ges Mitglied erklä­ren. Der Beitritt bedarf der Schrift­form und ist unwi­der­ruf­lich.
(2)
Art. 56 und 57 Abs. 1 in der Fassung des Ände­rungs­ge­set­zes nach Absatz 1 gelten jeweils erst­mals für die im Jahr 1994 durch­zu­füh­ren­den Wahlen.

Art. 104
 

Zum 1. Februar 2019 anhän­gige Verfah­ren vor dem Landes­be­rufs­ge­richt beim Ober­lan­des­ge­richt München werden von diesem zu Ende geführt; das Gericht besteht inso­weit fort. Dieses Gericht bleibt auch für Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren und sons­tige Folge­ent­schei­dun­gen in Bezug auf Verfah­ren nach Satz 1 zustän­dig.

Art. 105
 

Dieses Gesetz tritt am 1. August 1957 *) in Kraft. Art. 104a tritt am 1. Dezem­ber 2015 außer Kraft.
*) Diese Vorschrift betrifft das Inkraft­tre­ten des Geset­zes in der ursprüng­li­chen Fassung vom 15. Juli 1957 (GVBl S. 162). Der Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der späte­ren Ände­run­gen ergibt sich aus den jewei­li­gen Ände­rungs­ge­set­zen.
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