ÄKV Bamberg: Film „Der marktgerechte Patient“

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Pressemeldung — 20.02.2019

Der Ärzt­li­che Kreis­ver­band Bamberg orga­ni­siert 2018 /2019 eine Fort­bil­dungs- und Vortrags­reihe zum Thema „Medi­zi­ni­sche Ethik und Ökono­mie“. Hinter­grund ist der wach­sende Einfluss wirt­schaft­li­cher Über­le­gun­gen auf medi­zi­ni­sches Handeln. Wirt­schaft­lich­keit hat natür­lich seine Berech­ti­gung etwa im Sinne, vorhan­dene Ressour­cen zu scho­nen bzw. opti­mal zu nutzen. Es muss jedoch dort Wider­stand geleis­tet werden, wo das Ziel ärzt­li­chen Handelns nicht das Pati­en­ten­wohl, sondern die Gewinn­ma­xi­mie­rung ist.
Im Rahmen unse­rer Veran­stal­tungs­se­rie laden wir Sie ein am
Mitt­woch, 20. Februar 2019 um 18:00 Uhr
im Kino „Licht­spiel“ in Bamberg, Untere Königstr. 34, (Parken: Tief­ga­rage Geor­gen­damm 3 Min entfernt) sich mit uns zusam­men den Film „Der markt­ge­rechte Pati­ent“ anzu­schauen. Nach der Film­vor­füh­rung besteht die Möglich­keit, den ehema­li­gen Chef­arzt Prof. Dr. Hilde­brandt, der am Film mitge­wirkt hat, zu befra­gen und mit ihm zu disku­tie­ren.
In der Doku­men­ta­tion geht es um die Situa­tion in vo r allem privat­wirt­schaft­li­chen geführ­ten Klini­ken. Seit 2003 wird die statio­näre Behand­lung nach so ge nann­ten Fall­pau­scha­len (DRG: Diagno­sis Rela­ted Groups) abge­rech­net. Dabei ist jeder Diagnose ein festes Entgelt zuge­teilt. Das heißt, je schnel­ler ein Pati­ent das Kran­ken­haus verlässt, des to weni­ger Kosten verur­sacht er, umso höher ist der Erlös für die Klinik. Das bedeu­tet aber auch, dass privat­wirt­schaft­lich orien­tierte Medi­zin­un­ter­neh­men versu­chen, die Krank­hei­ten, die wenig Ertrag brin­gen, nicht in ihren Klini­ken zu behan­deln, dafür aber andere „gewinn­brin­gende“ offen­siv zu bewer­ben.
Die Folgen dieser Fall­pau­scha­lie­rung für die Pati­en­ten liegen auf der Hand: frühe Entlas­sun­gen aus dem gere­gel­ten Pfle­ge­be­reich sind beson­ders für All einste­hende oder Ältere gefähr­lich. So liegen in allen Ländern, die die DRGs einge­führt haben, die Ster­be­quo­ten in den ersten 10 Tagen nach Klini­k­auf­ent­halt über denen der Länder ohne DRGs. Zudem wird es immer schwie­ri­ger, für bestimmte „schlecht bezahlte“ Eingriffe oder Behand­lun­gen einen Kran­ken­haus­platz zu finden. Dafür werden thera­peu­ti­sche Maßnah­men, die nicht eindeu­tig medi­zi­nisch notwen­dig sind, aber Profit verspre­chen, veran­lasst. Auch für die Ärzte und Pfle­ge­kräfte, die in solch e iner Kran­ken­h­aus­fa­brik arbei­ten müssen, brin­gen die DRGs nur Nach­teile, denn der Druck, die Liege­zeit so kurz wie möglich zu halten, führt zu stän­di­gem Stress, zu Fehl­ent­schei­dun­gen und vor allem zur fehlen­den vertrau­ens­vol­len Arzt– Pati­en­ten–Be­zie­hung.
Wir würden uns freuen, Sie am 20.02.19 begrü­ßen zu dürfen und hoffen auf Ihre kriti­sche Beglei­tung der Veran­stal­tung, die natür­lich kosten­frei ist. Wir würden Sie mit diesem Abend gerne als Multi­pli­ka­to­ren gewin­nen, die in ihrem gesell­schaft­li­chen Umfeld die Gefah­ren der DRGs kommu­ni­zie­ren und sich darüber hinaus – entspre­chend ihren Möglich­kei­ten – enga­gie­ren, um eine weitere Verschlech­te­rung der medi­zi­ni­schen Versor­gung in unse­rer Heimat zu verhin­dern.

Zum Trai­ler

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