Umweltpolitik: Klima beschäftigt Ärzte "tagtäglich"

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Pressemeldung — 21.02.2020

Münch­ner Medi­zi­ner fordern „Enkel-taug­li­che“ Vorschläge Von Ekate­rina Kel
Für einige hat dieser Abend ganz persön­li­che Dimen­sio­nen. „Ich bin Mutter von zwei Kindern“, sagt Katha­rina Jäger, Inter­nis­tin und Vorstands­mit­glied des Ärzt­li­chen Kreis- und Bezirks­ver­ban­des München (ÄKBV) bei einer Diskus­si­ons­ver­an­stal­tung über die Luft in München. „Mein Sohn sitzt hier und guckt, was ich erreicht habe.“ Der etwa zwölf­jäh­rige Junge winkt der Mutter von der ersten Reihe im Semi­nar­raum aus kurz zu. Jäger hat tatsäch­lich eini­ges erreicht. Im vergan­ge­nen Jahr entstand unter ihrem Vorsitz im Ausschuss „Gesunde Umwelt und frische Luft in München“ ein Posi­ti­ons­pa­pier zu den drohen­den Gesund­heits­ge­fah­ren der Luft­ver­schmut­zung in dieser Stadt. Nun will sie die Poli­tik damit konfron­tie­ren – und der Sohn, der immer so skep­tisch nach­fragt, was die Erwach­se­nen fürs Klima tun, soll zuschauen. Die Luft­ver­schmut­zung hat neben poli­ti­schen und persön­li­chen auch gesund­heit­li­che Auswir­kun­gen. Atem­wegs- oder Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen, Schlag­an­fälle, aber auch Diabe­tes oder Krebs gehö­ren zu nach­weis­ba­ren Lang­zeit­ef­fek­ten von Schad­stof­fen in der Luft. Fein­staub, Stick­oxide und Ozon zählen laut Studi­en­aus­wer­tun­gen der Deut­schen Gesell­schaft für Pneu­mo­lo­gie und Beat­mungs­me­di­zin zu den zehn häufigs­ten Risi­ko­fak­to­ren in Deutsch­land. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion schätzte schon 2013, dass der Einfluss von Luft­schad­stof­fen die mitt­lere Lebens­er­war­tung in Europa um bis zu neun Monate redu­zie­ren könne. Dabei wolle und könne man aus medi­zi­ni­scher Sicht gar nicht abwä­gen, welcher Schad­stoff maßgeb­lich Schuld ist, sagt Jäger – es sei die Mischung aus allen. Dass München nach wie vor auf Platz eins der deut­schen Städte mit der schmut­zigs­ten Luft ist, sorgt den ÄKBV. Als Arzt in München beschäf­tige man sich „tag­täg­lich“ mit den Folgen. Die Forde­run­gen des Ärzte­ver­ban­des adres­siert die Medi­zi­ne­rin an die poli­ti­schen Entschei­dungs­trä­ger, die sie am Mitt­wo­cha­bend an einem Runden Tisch versam­melt hat. Von den Poli­ti­kern wünsche man sich ein „viel bewus­s­te­res Bekennt­nis“ zu einer Verkehrs­wende. München brau­che einen „inten­si­ven Ausbau“ des öffent­li­chen Nahver­kehrs und der Radwege, denn „so geht es nicht weiter“, sagt Jäger. Dass sich etwas auf Münchens Stra­ßen ändern soll und wird, darauf können sich zwar alle Einge­la­de­nen eini­gen. Nur über das Wie und vor allem über die konkre­ten Ausmaße der Ände­run­gen herrscht laut­star­ker Dissens. Während sich Simone Burger von der SPD („Kli­ma­po­li­tik darf nicht diskri­mi­nie­ren!“) mit Sonja Haider von der ÖDP („Die Forde­run­gen der Ärzte glei­chen unse­rem Programm!“) nach Herzens­lust über die Sinn­haf­tig­keit einer City-Maut strei­ten, hält Hans Theiss von der CSU und selbst prak­ti­zie­ren­der Arzt gegen die umwelt­po­li­ti­schen Forde­run­gen des ÄKBV: „Das können wir uns alles gar nicht leis­ten.“ Gesund­heits­re­fe­ren­tin Stepha­nie Jacobs und Peter Frei vom Baye­ri­schen Umwelt­mi­nis­te­rium blei­ben bei ihren Aussa­gen gemä­ßig­ter. Man habe bereits viel erreicht, ein neues Netz an Radwe­gen ist in Planung und auch die Mess­werte der Luft seien zuletzt etwas herun­ter­ge­gan­gen. Aber an der Lands­hu­ter Allee ließe sich eben auch nicht so viel gestal­ten, solange die älte­ren Diesel-Fahr­zeuge dort noch fahren. Die anwe­sen­den Ärzte, die ihren Verband auch als „Mün­chens Ärzte­par­la­ment“ verste­hen, zeig­ten sich mäßig über­zeugt. Die Dring­lich­keit, die sie umtreibt, fasste der Kinder­arzt Stephan Böse-O’Reilly so zusam­men: Ein Kollege sei kürz­lich Groß­va­ter gewor­den. Er freue sich für ihn, aber wenn er an die Zukunft seines Enkels denkt, habe er „Angst und Sorge“. Sein Appell an die Poli­tik: „Über­prü­fen Sie Ihre Vorschläge auf die Enkel-Taug­lich­keit.“

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