Erhöhter Bedarf der „Ressource Arzt“

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Pressemeldung — 09.10.2019

Im Vorfeld des 78. Baye­ri­schen Ärzte­ta­ges 2019 in München, sprach Dr. Gerald Quit­te­rer aktu­elle gesund­heits­po­li­ti­sche Themen an.

Notfall­ver­sor­gung
„Wir sind hier in Bayern gut aufge­stellt mit 110 Bereit­schaft­spra­xen an Klini­ken“, sagte Quit­te­rer. In Koope­ra­tion mit den Klini­ken sichere die Kassen­ärzt­li­che Verei­ni­gung Bayerns (KVB) die Versor­gung der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit akuten Gesund­heits­stö­run­gen – und hier müsse man ganz klar von echten Notfäl­len unter­schei­den. Die Notauf­nah­men würden entlas­tet; ebenso die dienst­tu­en­den Ärzte. „Das System funk­tio­niert und bedarf keiner gesetz­li­chen Neure­ge­lung. Wir leben hier sekto­ren­ver­bin­dende Versor­gung“, so Bayerns Ärzte-Chef.
Wich­tig in diesem Zusam­men­hang sei eine Steue­rung der Pati­en­ten in die rich­tige Versor­gungs­ebene je nach Dring­lich­keit. Dabei könne es dann schon vorkom­men, dass eine Behand­lung nicht sofort, sondern erst nach einem Woche­n­ende regu­lär durch den Haus­arzt gerecht­fer­tigt sei. Erar­bei­tet werde hierzu eine soge­nannte syste­ma­ti­sierte Erstein­schät­zung Deutsch­land (SmED), in deren medi­zi­ni­schem Beirat Quit­te­rer selbst mitar­bei­tet. Diese „Erstein­schät­zung“ soll sowohl in den Vermitt­lungs­zen­tra­len für den Bereit­schafts­dienst als auch am geplan­ten gemein­sa­men Tresen der künf­ti­gen Inter­dis­zi­pli­nären Notauf­nah­men an den Klini­ken zur Anwen­dung kommen. (Inte­grierte Notfall­zen­tren ‒ INZ)

Digi­ta­li­sie­rung
„Das Thema Digi­ta­li­sie­rung werden wir von Seiten der Ärzte­schaft konstruk­tiv, aber auch kritisch beglei­ten“, kündigte der BLÄK-Präsi­dent an. Konstruk­tiv, wenn es um die Verbes­se­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung, kurze Doku­men­ta­ti­ons­wege, verbes­serte Befund­über­mitt­lun­gen, den Einsatz der Tele­kon­sile oder der Tele­me­di­zin bei der Einbin­dung von Versor­gungs­as­sis­ten­tin­nen und -assis­ten­ten in die Pati­en­ten­be­treu­ung, die Kommu­ni­ka­tion mit ande­ren Leis­tungs­er­brin­gern gehe, wie auch die ambu­lante oder statio­näre Pflege, um nur einige zu nennen. Kritisch, wenn es um die reine Gewin­nung von Daten gehe, die man belie­bi­gen Algo­rith­men preis­gibt ohne konkrete Frage­stel­lun­gen. Kritisch auch, wenn neue Versor­gungs­ebe­nen geschaf­fen würden, wie die „Video-Behand­lung“ oder Behand­lungs­pfade über Gesund­heits-Apps, die schließ­lich sogar in eine Medi­ka­men­ten­emp­feh­lung münde­ten. Quit­te­rer: „Hier verlas­sen wir den geschütz­ten Raum der Arzt-Pati­en­ten-Bezie­hung, den persön­li­chen Kontakt.“ Dieser Kontakt sei uner­setz­lich, letzt­end­lich dann, „wenn wir die Betreu­ung am Lebens­ende betrach­ten, die unter dem Begriff Behand­lung im Voraus planen (BVP) eine ganz neue Bedeu­tung gewinnt. Gemein­same Entschei­dungs­fin­dung geht nicht mit Algo­rith­men oder Künst­li­cher Intel­li­genz“.

Präven­tion
Vermehrt will sich die BLÄK der Präven­tion widmen, insbe­son­dere in Hinblick auf den Klima­wan­del, der zu verän­der­ten Lebens­be­din­gun­gen und gesund­heit­li­chen Belas­tun­gen führen werde. In der Präven­ti­ons­kom­mis­sion der BLÄK wurde diesem Thema ein eige­ner Stel­len­wert einge­räumt, denn hier seien Ärztin­nen und Ärzte gefragt.

Studi­en­plätze
„Wir brau­chen künf­tig mehr von uns. Ich fordere weiter­hin mehr Studi­en­plätze für Medi­zin, denn sowohl die demo­gra­phi­sche Entwick­lung als auch Arbeits- und Lebens­wel­ten von Ärztin­nen und Ärzten haben sich verän­dert“, so der BLÄK-Präsi­dent. Zudem sei eine unge­steu­erte Inan­spruch­nahme der „Res­source Arzt“ durch die Pati­en­ten zu beob­ach­ten. Es handele sich nicht um eine falsche Vertei­lung, es handele sich um einen erhöh­ten Bedarf. In diesem Zusam­men­hang begrüßte Quit­te­rer die Einfüh­rung einer Land­arzt­quote, in der Inter­es­sen­ten für ein Medi­zin­stu­dium jetzt die Möglich­keit haben, völlig unab­hän­gig von der Abitur­note zuge­las­sen zu werden. Die Land­arzt­quote sei sicher­lich ein Baustein zur Lösung des Problems „erhöh­ter Versor­gungs­be­darf“. Ab dem Winter­se­mes­ter 2020/2021 sollen rund 90 Studi­en­plätze in Bayern pro Jahr (5,8 %) Bewer­bern vorbe­hal­ten sein, die später in unter­ver­sorg­ten oder drohend unter­ver­sorg­ten Regio­nen Bayerns haus­ärzt­lich tätig werden wollen. Natür­lich mit der Verpflich­tung, sich später in einem unter­ver­sorg­ten Gebiet nieder­zu­las­sen. Das genau sei Voraus­set­zung für die Siche­rung der medi­zi­ni­schen Versor­gung der Zukunft. „Das kann auch durch ein von der Poli­tik gefor­der­tes Aufbre­chen der in Deutsch­land beste­hen­den Struk­tu­ren und den Ersatz eines Versor­gungs­sek­tors durch einen ande­ren nicht lösen. Den Ärztenach­wuchs brau­chen wir über­all“, sagte Quit­te­rer abschlie­ßend.

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