Fernbehandlung – offensichtlich keine Option

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Pressemeldung — 08.10.2019

„Die neuen digi­ta­len Möglich­kei­ten in der ärzt­li­chen Versor­gung kommen bei den Menschen ganz unter­schied­lich an. Die ausschließ­li­che Fern­be­hand­lung ist für unsere Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten – ein Jahr nach dem Beschluss zur Locke­rung der Berufs­ord­nung an dieser Stelle (§ 7) – offen­sicht­lich keine Option“, sagte Dr. Wolf­gang Rechl anläss­lich des 78. Baye­ri­schen Ärzte­ta­ges in München. Vielen Ärztin­nen und Ärzten sei wohl bewusst, dass es beispiels­weise Haftungs­fra­gen gebe oder sie hätten einfach keine freien Kapa­zi­tä­ten mehr neben dem regu­lä­ren Praxis­be­trieb. „In der BLÄK regis­trie­ren wir vor allem Inter­esse bei gewerb­li­chen Insti­tu­ten, die in der ausschließ­li­chen Fern­be­hand­lung ein neues und mögli­cher­weise lukra­ti­ves Geschäfts­mo­dell sehen“, so der Vize. Die ärzt­li­chen Kolle­gin­nen und Kolle­gen zeig­ten hier weni­ger Inter­esse. Keines­falls sollte mit der Möglich­keit der ausschließ­li­chen Fern­be­hand­lung eine neue Versor­gungs­ebene eröff­net werden.

Quali­täts­stan­dards in der Gutachter­stelle
In der Gutachter­stelle für Arzt­haf­tungs­fra­gen bei der BLÄK würden die hohen Quali­täts­stan­dards weiter­hin gewähr­leis­tet. „Ärz­tin­nen und Ärzte sowie Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten können sich bei Vermu­tung oder dem Vorwurf einer fehler­haf­ten ärzt­li­chen Behand­lung jeder­zeit an die Gutachter­stelle wenden“, erklärte Rechl. Im Berichts­zeit­raum seien 628 Verfah­ren von der Gutachter­stelle bis zur Sachent­schei­dung geführt worden. Bei 27 Prozent der abge­schlos­se­nen Verfah­ren sei ein Behand­lungs­feh­ler fest­ge­stellt worden. In den vergan­ge­nen zehn Jahren lag die Fehler­quote in Bayern zwischen 25 und 33 Prozent. Die bundes­weite Quote für das Jahr 2018 lag bei 25 Prozent, im Jahr davor lag sie bei 24,4 Prozent.

CIRS – aus Fehlern lernen
„Ich ermu­tige alle Kolle­gin­nen und Kolle­gen sowie alle Mitar­bei­te­rin­nen und Mitar­bei­ter des Gesund­heits­we­sens, kriti­sche Ereig­nisse in der Medi­zin im Criti­cal Inci­dent Repor­ting System (CIRS) anzu­zei­gen“, sagte Rechl. Das System sei anonym, sicher und ermög­li­che gegen­sei­ti­ges Lernen aus Fehlern und kriti­schen Ereig­nis­sen. Ziel von CIR-Syste­men in der Notfall­me­di­zin sei es, die Eintritts­wahr­schein­lich­keit von kriti­schen Ereig­nis­sen und Beinahe-Zwischen­fäl­len auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren, bevor daraus tatsäch­lich Pati­en­ten gefähr­dende Zwischen­fälle resul­tie­ren. So müss­ten kriti­sche Ereig­nisse und Beinahe-Zwischen­fälle nicht erst von mehre­ren und unter­schied­li­chen Perso­nen immer wieder erlebt werden, um daraus letzt­lich nach länge­rer Zeit Konse­quen­zen zu ziehen. Bereits eine einzige Meldung solle nach dem CIRS-Prin­zip ausrei­chen, das gesamte betrof­fene System kritisch zu hinter­fra­gen und dadurch helfen, für die Zukunft poten­zi­elle Fehler zu vermei­den. „Nur so können wir lang­fris­tig eine Fehler­ver­mei­dungs­kul­tur etablie­ren“, betont der BLÄK-Vize.

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