„Substitutionsbehandlung im Team ‒ Wie geht das?“

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Pressemeldung — 26.07.2021

81.300 Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten waren zum Stich­tag 1. Juli 2020 beim deut­schen Substi­tu­ti­ons­re­gis­ter gemel­det. Seit rund zehn Jahren lässt sich ein lang­sam, aber stetig stei­gen­der Trend in der Substi­tu­ti­ons­be­hand­lung beob­ach­ten. Ande­rer­seits ist im glei­chen Zeit­raum die Anzahl der substi­tu­ie­ren­den Ärztin­nen und Ärzte leicht auf 2.545 zurück­ge­gan­gen. Außer­dem gibt es in Deut­sch­land und auch in Bayern zahl­rei­che Regi­o­nen, in denen es kein Substi­tu­ti­ons­an­ge­bot für Pati­en­ten gibt. Damit die Behand­lung gelin­gen kann, ist eine berufs­grup­pen­über­grei­fende Zusam­me­n­a­r­beit uner­läss­lich. Nach der Einstel­lung auf eine stabile medi­ka­men­töse Substi­tu­ti­ons­do­sis gilt es, die weite­ren Problem­fel­der der opioid­ab­hän­gi­gen Menschen anzu­ge­hen. Psycho­lo­gen, Psycho­the­ra­peu­ten und Sozi­al­päd­ago­gen helfen bei der Bewäl­ti­gung psychi­scher und sozi­a­ler Schwie­rig­kei­ten, Apothe­ker stel­len die Versor­gung mit dem jewei­li­gen Substi­tu­ti­ons­mit­tel sicher. Das 20. Sucht­fo­rum, das am 28. Juli 2021 als Web-Semi­nar ange­bo­ten wird, widmet sich dem Thema „Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung im Team – Wie geht das?“ und wirft einen Blick aus unter­schied­li­chen Perspek­ti­ven auf die aktu­elle Lage der Substi­tu­ti­ons­be­hand­lung.

„Die Substi­tu­ti­ons­the­ra­pie Opioid­ab­hän­gi­ger ist ein gutes Behand­lungs­an­ge­bot für Perso­nen, die an einer Abhän­gig­keit von Opioiden – meist Heroin – leiden“, erklärt Dr. med. Gerald Quit­te­rer, Präsi­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK). Die BLÄK unter­stützt Ärztin­nen und Ärzte sich hier­für zu quali­fi­zie­ren, zum Beispiel in der Weiter­bil­dung mit der Möglich­keit, die Zusatz­be­zeich­nung „Sucht­me­di­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung“ zu erwer­ben. Dr. med. Heide­ma­rie Lux, Sucht­be­auf­tragte des Vorstan­des der BLÄK, ergänzt: „Die Betäu­bungs­mit­tel-Verschrei­bungs­ver­ord­nung (BtMVV) und die Richt­li­nien der Bunde­s­ärz­te­kam­mer regeln unter ande­rem die Rechte und Pflich­ten der Ärzte bei der Substi­tu­tion. Die Novel­lie­rung dieser Verord­nung vor vier Jahren hat sicher­lich zu mehr Rechts­si­cher­heit für die Ärzte geführt, aller­dings kommt es immer wieder vor, dass Staats­an­wälte ermit­teln und Praxis­durch­su­chun­gen anord­nen bei korrekt durch­ge­führ­ten Substi­tu­ti­ons­be­hand­lun­gen. Dadurch werden enga­gierte Substi­tu­ti­ons­ärzte fälsch­li­cher­weise krimi­na­li­siert und demo­ti­viert.“

Profes­sor Dr. med Oliver Poga­rell, 1. Vorsit­zen­der der Baye­ri­schen Akade­mie für Sucht­fra­gen (BAS), berich­tet, dass die SARS-CoV-2-Pande­mie die Versor­gungs­si­tua­tion sowohl für unbe­han­delte Opioid­ab­hän­gige als auch für Perso­nen in laufen­der Substi­tu­tion verschärfe: „Aus­gangs­be­schrän­kun­gen und Kontakt­sper­ren hatten die Nutzung lang­fris­ti­ger thera­peu­ti­scher Ange­bote beein­träch­tigt, nied­rig­schwel­lige Harm-Reduc­tion-Ansätze muss­ten vieler­orts ausge­setzt werden. Mitt­ler­weile konnte durch Anpas­sun­gen des Sucht­hil­fe­sys­tems, Sonder­re­ge­lun­gen der Kassen­ärzt­li­chen Bundes­ver­ei­ni­gung und Ausnah­men von der BtMVV durch das Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium (SARS-CoV-2-Arznei­mit­tel­ver­sor­gungs­ver­ord­nung) die Versor­gung stabi­li­siert werden. Unab­hän­gig von der Pande­mie gilt es, ein flächen­de­cken­des Substi­tu­ti­ons­an­ge­bot sicher­zu­stel­len, das allen Pati­en­ten möglichst barrie­re­frei und wohn­ort­nah zugäng­lich ist, eine stabile medi­zi­ni­sche und psycho­so­zi­ale Versor­gung gewähr­leis­tet und Teil­ha­bemög­lich­kei­ten am Gesell­schafts- und Arbeits­le­ben bietet.“

Ulrich Koczian, Vize­prä­si­dent der Baye­ri­schen Apothe­ker­kam­mer (BLAK), betont, dass die Substi­tu­ti­ons­the­ra­pie eines inter­dis­zi­pli­nären Netz­werks bedürfe, in dessen Mittel­punkt der Pati­ent stehe und „auf­ge­fan­gen“ werde – nur so könne gemein­sam das indi­vi­du­elle Thera­pi­e­ziel erreicht werden: „Den Apothe­ken kommt dabei nicht nur die Rolle des Ausfüh­ren­den von entspre­chen­den Verord­nun­gen zu; aufgrund ihres flächen­de­cken­den und dich­ten Netzes kann durch die Über­nahme der Sicht­ver­gabe im Auftrag des Arztes durch öffent­li­che Apothe­ken eine flexi­ble, wohn­ort­nahe und an den Bedürf­nis­sen des Pati­en­ten ausge­rich­tete Versor­gung vor allem auch in länd­li­chen Regi­o­nen gewähr­leis­tet werden. Die Bedeu­tung dieser indi­vi­du­el­len, flexi­blen und schnell verfüg­ba­ren Betreu­ungs­mög-ichkeit hat sich gerade in der Pande­mie eindrucks­voll gezeigt. Darüber hinaus stehen die Arznei­mit­tel­ex­per­ten selbst­ver­ständ­lich als Ansprech­part­ner zu allen Fragen in dem sehr komple­xen Bereich der medi­ka­men­tö­sen Thera­pie bei dieser spezi­el­len Pati­en­ten­gruppe zur Verfü­gung. Um eine opti­male Versor­gung der stei­gen­den Zahl an Substi­tu­ti­ons­pa­ti­en­ten auch zukünf­tig im ambu­lan­ten Setting zu gewähr­leis­ten, dürfte es jedoch unab­ding­bar sein, an der ein oder ande­ren Stell­schraube nach­zu­jus­tie­ren, dies betrifft insbe­son­dere die Vergü­tung der Sicht­ver­gabe in Apothe­ken.“

Profes­sor Dr. Heiner Vogel, Vorstands­mit­glied der Baye­ri­schen Landes­kam­mer der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten (PTK Bayern), erklärt: „Opioid­ab­hän­gige Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die sich in einer Substi­tu­ti­ons­be­hand­lung befin­den, weisen neben den mit dem Konsum asso­zi­ier­ten gesund­heit­li­chen Risi­ken auch viele weitere psycho­so­zi­ale Probleme auf, wie
Arbeits­lo­sig­keit, Krimi­na­li­tät, sozi­ale Ausgren­zung oder Wohnungs­lo­sig­keit. Dane­ben konn­ten Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte dieser Pati­en­ten von weite­ren psychi­schen Erkran­kun­gen betrof­fen ist, hier vor allem Depres­si­o­nen, Persön­lich­keits­s­tö­run­gen und Angst­stö­run­gen. Psycho­so­zi­ale Beglei­tung bzw. psycho­the­ra­peu­ti­sche Hilfen sowie die damit verbun­dene berufs­grup­pen­über­grei­fende Zusam­me­n­a­r­beit sind also bei dieser Perso­nen­gruppe ange­zeigt. Ziele und Wege einer ergän­zen­den Psycho­the­ra­pie können viel­fäl­tig sein und von der Reduk­tion des Beige­brau­ches, über die Linde­rung komor­bi­der psychi­scher Störun­gen bis zur Errei­chung von Absti­nenz gehen. Die Substi­tu­ti­ons­be­hand­lung schafft hier­bei für sehr viele Betrof­fene nicht nur den nöti­gen Rahmen, um weitere psycho­so­zi­ale Probleme anzu­ge­hen, sondern bildet durch die Entkri­mi­na­li­sie­rung des Konsums eine entschei­dende Voraus­set­zung. Eine Behand­lung schwer abhän­gig­keits­er­krank­ter Perso­nen kann nur gelin­gen, wenn eine quali­fi­zierte Substi­tu­ti­ons­be­hand­lung in Kombi­na­tion mit psycho­so­zi­a­len und psycho­the­ra­peu­ti­schen Zielen im multi­dis­zi­pli­nären Team umge­setzt wird.“

Das 20. Sucht­fo­rum wird gemein­sam von BAS, BLÄK, BLAK und PTK Bayern am 28. Juli 2021 online als Web-Semi­nar veran­stal­tet. Ziel­gruppe sind vor allem Ärzte, Apothe­ker, Psycho­lo­gi­sche Psycho­the­ra­peu­ten, Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten, Mita­r­bei­ter von Sucht­hil­fe­ein­rich­tun­gen, Sucht­be­ra­tungs­stel­len sowie weitere mit dem Thema Abhän­gig­keits­er­kran­kun­gen befasste Berufs­grup­pen.

Anmel­dung über die Webseite:
https://regis­ter.goto­we­bi­nar.com/regis­ter/5171357642952576780


Baye­ri­sche Akade­mie für Sucht- und Gesund­heits­fra­gen (BAS)
BAS Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haftungs­be­schränkt)
Land­wehr­straße 60–62, 80336 München, Tele­fon 089 530730–0, Fax 089 530730–19
E-Mail: bas@­bas-muen­chen.de, Inter­net: www.bas-muen­chen.de
Die BAS beschäf­tigt sich als Trans­fer­in­sti­tut zwischen Forschung und Praxis mit wissen­schaft­li­chen und praxis­be­zo­ge­nen Frage­stel­lun­gen der Präven­tion und Behand­lung von Sucht­er­kran­kun­gen. Sie wurde im Herbst 1997 mit dem Zweck gegrün­det, die Verbes­se­rung des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens im Sucht­be­reich gezielt zu fördern. Zum Themen­kreis der BAS gehö­ren körper­li­che und psycho­so­zi­ale Störun­gen bezie­hungs­weise Krank­hei­ten im Zusam­men­hang mit Alko­hol, Niko­tin, ille­ga­len Drogen und psycho­ak­tiv wirken­den Medi­ka­men­ten. Darüber hinaus befasst sie sich auch mit den sog. nicht-substanz­ge­bun­de­nen bzw. Verhal­tens­such­ten wie den patho­lo­gi­schen Glückss­pie­len. Auch weitere mit Abhän­gig­keits­s­tö­run­gen asso­zi­ierte Gesund­heits­the­men wie z. B. Angst­stö­run­gen, Depres­si­o­nen oder Essstö­run­gen werden behan­delt. Ein zentra­les Ziel der BAS besteht in der Förde­rung des Trans­fers zwischen Wissen­schaft und Praxis. Neben der jähr­li­chen Vortrags­reihe orga­ni­siert sie regel­mä­ßig Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen und Tagun­gen.

Baye­ri­sche Landes­apo­the­ker­kam­mer − Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts (BLAK)
Maria-There­sia-Straße 28, 81675 München
Marion Resch, Kommu­ni­ka­tion und Öffent­lich­keits­a­r­beit, Tele­fon 089 926287, Fax 089 926260
E-Mail: marion.resch@blak.de, Inter­net: www.blak.de
Die BLAK ist die Berufs­ver­tre­tung der baye­ri­schen Apothe­ke­rin­nen und Apothe­ker. Sie ist Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts und unter­liegt der Aufsicht des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit und Pflege. Die Apothe­ker­kam­mer wacht über die Erfül­lung der Berufs­pflich­ten durch die Apothe­ke­rin­nen und Apothe­ker und vertritt die beruf­li­chen Inter­es­sen der Apothe­ker­schaft gegen­über Poli­tik und Gesell­schaft. Darüber hinaus bietet sie ihren über 15.000 Mitglie­dern eine Viel­zahl an unter­stüt­zen­den Dienst­leis­tun­gen und Services, wie zum Beispiel ein brei­tes Ange­bot an Fort- und Weiter­bil­dun­gen oder ein apothe­ken­spe­zi­fi­sches Quali­täts­ma­na­ge­ment­sys­tem. Die Apothe­ker­kam­mer gewähr­leis­tet durch ihre Mitglie­der eine ordnungs­ge­mäße Versor­gung der Bevöl­ke­rung mit Arznei­mit­teln und trägt damit aktiv zum Pati­en­ten- und Verbrau­cher­schutz bei.

Baye­ri­sche Landes­ärz­te­kam­mer − Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts (BLÄK)
Mühl­baur­straße 16, 81677 München
Pres­se­stelle: Jodok Müller, Tele­fon 089 4147–318, Fax 089 4147–202
E-Mail: pres­se@blaek.de, Inter­net: www.blaek.de
Die BLÄK wurde 1946 als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts gebil­det. Sie ist zusam­men mit 63 Kreis­ver­bän­den und acht Bezirks­ver­bän­den die gesetz­li­che Berufs­ver­tre­tung aller baye­ri­schen Ärzte. Zu den Aufga­ben der BLÄK gehö­ren unter ande­rem die Wahr­neh­mung der beruf­li­chen Belange der Ärzte, die Förde­rung der ärzt­li­chen Fort­bil­dung sowie die Über­wa­chung der Erfül­lung der ärzt­li­chen Berufs­pflich­ten. Die BLÄK enga­giert sich derzeit für rund 90.000 Ärztin­nen und Ärzte. Alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Ärztin­nen und Ärzte, die im Frei­staat ärzt­lich tätig sind oder dort ihren Haupt­wohn­sitz haben, sind Pflicht­mit­glie­der der BLÄK.

Baye­ri­sche Landes­kam­mer der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten (PTK Bayern)
Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts
Birket­weg 30, 80639 München
Pres­se­stelle: Luisa Hiller, Tele­fon 089 515555–241, Fax 089 515555–25
E-Mail: pres­se­stel­le@ptk-bayern.de, Inter­net: www.ptk-bayern.de
Die PTK Bayern ist eine Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts und die Berufs­ver­tre­tung der rund 8.800 Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peutinnen und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peutinnen in Bayern. Nach dem Heil­be­rufe-Kammer­ge­setz (HKaG) gehört es zu den wesent­li­chen Aufga­ben der Heil­be­ru­fe­kam­mer, die beruf­li­chen Belange ihrer Mitglie­der wahr­zu­neh­men, die Erfül­lung der psycho­the­ra­peu­ti­schen Berufs­pflich­ten zu über­wa­chen, die psycho­the­ra­peu­ti­sche Fort­bil­dung zu fördern und in der öffent­li­chen Gesund­heits­pflege mitzu­wir­ken.

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