Trojanisches Pferd

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Pressemeldung — 01.09.2021

Im Leit­ar­ti­kel der Septem­ber-Ausgabe des Baye­ri­schen Ärzte­blatts mahnt Dr. Gerald Quit­te­rer, Präsi­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer, dass durch tele­me­di­zi­ni­sche Ange­bote keine eigen­stän­dige Versor­gungs­ebene neben dem ambu­lan­ten und dem statio­nären Sektor entste­hen dürfe. „Wenn die Tele­me­di­zin die Konkur­renz zu nieder­ge­las­se­nen Ärzten wird, die die gesamte Infra­struk­tur für die Pati­en­ten­ver­sor­gung vorhal­ten, dann ist sie nicht unter­stüt­zens­wert. Dann wird sie zum Instru­ment von Begehr­lich­kei­ten, die zusätz­li­che Versi­cher­ten­gel­der kosten und bewährte Struk­tu­ren kaputt­ma­chen. Und den nächt­li­chen Haus­be­such fährt dann wer?“, fragt Bayerns Ärzte­chef rheto­risch.

Tele­me­di­zi­nan­bie­ter, die mit dem Ange­bot zusätz­li­cher Verdienst­mög­lich­kei­ten für Ärztin­nen und Ärzte ergän­zend zum Praxi­sall­tag werben würden, seien gerade in einer Zeit, in der manch eine Arzt­pra­xis nicht mehr nach­be­setzt werden könne, kontra­pro­duk­tiv für das Gesund­heits­sys­tem. Exem­pla­risch verweist der Präsi­dent auf den Vertrag einer baye­ri­schen Kran­ken­kasse. Diese verschaffe Versi­cher­ten mit Atem­wegs­er­kran­kun­gen über einen Tele­me­di­zi­nan­bie­ter Zugang zu Ärzten, welche Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten mit Rezept und Krank­schrei­bung versorg­ten, obwohl vorher kein persön­li­cher Kontakt bestan­den habe. Die Begrün­dung der Kran­ken­kasse sei, dass teil­neh­mende Versi­cherte künf­tig von zuhause aus die Video­sprech­stunde der Kran­ken­kasse nutzen und damit während der Pande­mie die Praxen entlas­ten könn­ten. „Statt­des­sen müsste es für Poli­tik und Kran­ken­kas­sen von größe­rer Bedeu­tung sein, den ambu­lan­ten Bereich durch Förde­rung der Nieder­las­sung effek­tiv zu stüt­zen, wenn es um die Nach­hal­tig­keit in der Pati­en­ten­ver­sor­gung geht“, führt Quit­te­rer weiter aus.

Abseits davon kriti­siert Bayerns Ärzte­chef, dass der Frei­staat Bayern für bestimmte Perso­nen­grup­pen Corona-Auffri­schimp­fun­gen ermög­licht habe, obwohl dies­be­züg­lich noch keine Empfeh­lung der Stän­di­gen Impf­kom­mis-sion (STIKO) vorliege. „Ich halte es für hoch­pro­ble­ma­tisch, wenn die Poli­tik medi­zi­ni­sche Entschei­dun­gen trifft, ohne ärzt­li­che Exper­tise adäquat zu berück­sich­ti­gen“, so Quit­te­rer. Dage­gen müsse sich die Ärzte­schaft zur Wehr setzen. Über­dies pocht der Präsi­dent darauf, dass es auch unter der nächs­ten Bundes­re­gie­rung keine Impf­pflicht geben dürfe.

Mehr zu „Tro­ja­ni­sches Pferd“ lesen Sie im Leit­ar­ti­kel der Septem­ber-Ausgabe 2021 des Baye­ri­schen Ärzte­blat­tes unter www.baye­ri­sches-aerz­te­blatt.de.

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