Gute Ansätze, aber auch Klärungsbedarf Das Eckpunktepapier zur Notfallreform im Fokus

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Pressemeldung — 17.01.2024

München, 17. Januar 2024: Viele gute Ansätze, aber auch noch eini­gen Klärungs­be­darf attes­tie­ren die Kassen­ärzt­li­che Verei­ni­gung Bayerns (KVB), die Baye­ri­sche Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK) und der Baye­ri­sche Haus­ärz­te­ver­band (BHÄV) dem Eckpunk­te­pa­pier zur Notfall­re­form, das Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Profes­sor Karl Lauter­bach gestern in Berlin vorge­stellt hat. Grund­sätz­lich sei es posi­tiv zu bewer­ten, dass der Minis­ter dieses für die medi­zi­ni­sche Versor­gung eminent wich­tige Thema angeht und auch die Erfah­run­gen aus der Praxis berück­sich­tigt. Denn in dem Eckpunk­te­pa­pier sind zahl­rei­che Vorschläge zu einer besser koor­di­nier­ten Notfall­ver­sor­gung enthal­ten, die in Bayern bereits reali­siert sind bezie­hungs­weise sich in der Umset­zung befin­den. Kritisch gese­hen wird die zusätz­li­che Belas­tung der nieder­ge­las­se­nen Ärztin­nen und Ärzte, wenn es beispiels­weise um Haus­be­su­che rund um die Uhr geht. Hier sind gerade in länd­lich gepräg­ten Regi­o­nen massive Umset­zungs­schwie­rig­kei­ten zu erwar­ten.

In Bayern wird das Thema Notfall­re­form bereits seit vielen Jahren inten­siv bear­bei­tet. Zuletzt konn­ten im Dezem­ber vergan­ge­nen Jahres alle baye­ri­schen Inte­grier­ten Leit­stel­len – Rufnum­mer 112 – mit den Vermitt­lungs­zen­tra­len des Ärzt­li­chen Bereit­schafts­diens­tes – Rufnum­mer 116117 – digi­tal vernetzt werden. Seit­her haben Leit­stel­len und Vermitt­lungs­zen­tra­len weit über 10.000 Einsätze erfolg­reich digi­tal ausge­tauscht. Ende letz­ten Jahres wurde auch für Bayern auf der Inter­netseite www.116117.de die Möglich­keit der digi­ta­len Selbst­ein­schät­zung geschaf­fen, so dass Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sehr einfach ermit­teln können, welcher Weg für sie im Akut­fall die passende Hilfe bringt.

Der Vorstand der KVB – Dr. Chris­tian Pfeif­fer, Dr. Peter Heinz und Dr. Clau­dia Ritter-Rupp – erklärte dazu: „Wir haben in den vergan­ge­nen Jahren unter ande­rem mit der flächen­de­cken­den Einrich­tung von Bereit­schaft­s­pra­xen an mit uns koope­rie­ren­den Klini­ken, einem bayern­wei­ten Fahr­dienst für medi­zi­nisch notwen­dige Haus­be­su­che und der Erpro­bung des gemein­sa­men Tresens von Notauf­nahme und Ärzt­li­chem Bereit­schafts­dienst zahl­rei­che Maßnah­men ange­sto­ßen und umge­setzt, um die Notfall­ver­sor­gung zu verbes­sern. Dass sich viele unse­rer Vorha­ben nun in dem Eckpunk­te­pa­pier wieder­fin­den, zeigt, dass wir dabei auf dem rich­ti­gen Weg sind. Wich­tig wird nun aller­dings auch sein, dass der Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter sich mit seinen Vorstel­lun­gen nicht nur auf Groß­städte wie Berlin bezieht, sondern auch die länd­lich gepräg­ten Regi­o­nen in einem Bundes­land wie Bayern im Blick behält. Hier gelten andere Bedin­gun­gen, die zu berück­sich­ti­gen sind, um die Praxen vor Ort nicht zu über­las­ten.“

Dr. Gerald Quit­te­rer, Präsi­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK): „Mit der Reform wird eine Forde­rung der BLÄK nach einer wirk­sa­men Steu­e­rung von Notfall­pa­ti­en­tin­nen und -pati­en­ten in die für den jewei­li­gen Anlass adäquate Versor­gungs­ebene umge­setzt. So können wir eine Entlas­tung der Notauf­nah­men und auch eine effi­zi­en­tere Pati­en­ten­ver­sor­gung errei­chen“. Begrü­ßens­wert ist laut Quit­te­rer, dass die „ange­dachte rund um die Uhr (24/7) erreich­bare Bereit­schafts­dienst­pra­xis“ nicht mehr Bestand­teil des Eckpunk­te­pa­piers ist. „Die Einrich­tung von inte­grier­ten Notfall­zen­tren (INZ) an geeig­ne­ten Klini­ken in Koope­ra­tion mit Bereit­schaft­s­pra­xen und einer struk­tu­rier­ten Erstein­schät­zung des Behand­lungs­auf­wan­des der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten kann künf­tig die Inan­spruch­nahme von ärzt­li­chen Ressour­cen in der Notfall­ver­sor­gung sinn­voll und sicher gestal­ten“, so der BLÄK-Präsi­dent.

Dr. Wolf­gang Ritter, Vorsit­zen­der des Baye­ri­schen Haus­ärz­te­ver­ban­des, bewer­tet vor allem posi­tiv, dass der Gedanke einer sinn­vol­len Pati­en­ten­steu­e­rung Eingang in das Eckpunk­te­pa­pier gefun­den hat und man sich im Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­te­rium von der Vorstel­lung einer Rundum-die-Uhr Beset­zung der vorge­se­he­nen Inte­grier­ten Notfall­zen­tren durch nieder­ge­las­sene Ärztin­nen und Ärzte verab­schie­det hat, wie dies die Regie­rungs­kom­mis­sion empfoh­len hatte. „Aber auch die Mehr­be­las­tun­gen durch Haus­be­su­che 24/7 und die tele­me­di­zi­ni­sche Betreu­ung von Notfall­pa­ti­en­ten, die vor allem auf uns Haus­ärz­tin­nen und Haus­ärzte zukä­men, sollte das Eckpunk­te­pa­pier eins zu eins in ein Gesetz gegos­sen werden, stel­len die ambu­lante haus­ärzt­li­che Versor­gung vor Heraus­for­de­run­gen. Schon jetzt ist der Versor­gungs­druck in den Haus­a­rzt­pra­xen hoch.“

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