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Der Tod durch Hitze ist vermeidbar: Über 80 europäische Organisationen fordern von der EU deutlich mehr Ambition!

Gesundheitsorganisationen aus ganz Europa, darunter die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK), veröffentlichen die Europäische Erklärung zu Hitze und Gesundheit und fordern einen radikalen Ambitionswandel / Mehrere Tausend hitzebedingte Übersterblichkeitsfälle allein in den Monaten Juni und Juli / Forderungen nach verbindlichen Verpflichtungen im neuen EU-Klimaresilienz-Rahmenwerk / Unterzeichnende verpflichten auch ihren eigenen Sektor.

Nach den Hitzewellen im Juni und Juli 2026 veröffentlicht die Planetary Health Alliance in Europa, ein großes Netzwerk von Gesundheitsorganisationen aus europäischen Ländern, heute die European Declaration on Heat and Health. Sie richtet sich an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und den Rat, ist aber für alle europäischen Länder relevant. Ihre zentrale Botschaft: Europa mangelt es nicht an Plänen, sondern an Ambition und Umsetzung. Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne, Frühwarnsysteme und einer EU-Anpassungsstrategie steigt die hitzebedingte Sterblichkeit weiter an. Unter den Hitzekuppeln des Juni 2026, dem heißesten je in Westeuropa gemessenen, wurden allein in der Spitzenwoche der Hitzewelle mehrere Tausend Übersterblichkeitsfälle registriert – Tendenz weiter steigend. Die Opfer sind überwiegend ältere Menschen, überproportional häufig Frauen, während weitere gesundheitliche Auswirkungen Säuglinge, Schwangere, chronisch Kranke, im Freien arbeitende Menschen sowie Menschen in Armut und in schlecht angepasstem Wohnraum und in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen betreffen. Waldbrände forderten weitere Todesopfer und hüllten Städte in Rauch, dessen Feinstaubpartikel voraussichtlich noch lange nach dem Erlöschen der Flammen weitere Todesfälle verursachen werden.

Die Erklärung stützt sich auf den Europa-Bericht 2026 des Lancet Countdown on Health and Climate Change: In 99,6 Prozent der beobachteten europäischen Regionen ist die hitzebedingte Sterblichkeit gestiegen, allein 2024 gab es rund 63.000 Hitzetote. Gleichzeitig fließen lediglich 0,07 Prozent der von europäischen Gebern bereitgestellten Klimaanpassungsfinanzierung in den Gesundheitsbereich. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an dem European Climate Resilience Framework, das Ende 2026 verabschiedet werden soll. Die Unterzeichner fordern, Gesundheit in dessen Zentrum zu stellen und rechtlich verbindliche Anpassungsverpflichtungen zu schaffen.

Die sechs Forderungen der Erklärung:

  1. Erklärungen des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen umwandeln und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkennen
  2. Einen Europäischen Hitzeschutzplan verabschieden, unterstützt durch einen Notfall-Anpassungsfonds, um die Hitzeüberwachung zu stärken, Programme zur Stärkung des Resilienz in Gemeinden zu fördern und Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kindertagestätten und Schulen klimafest zu machen
  3. Die Lücke im europäischen Arbeitsschutz bei Hitze durch verbindliche, regional angepasste Temperaturschwellenwerte schließen
  4. Sichere Innentemperaturen für vulnerable Menschen im Bestandswohnraum gewährleisten
  5. Klimaschutz als Gesundheitspolitik vorantreiben und die mehr als 400 Milliarden Euro jährlicher fossiler Subventionen abbauen
  6. Gesundheit, Evidenz und Gerechtigkeit ins Zentrum der gesamten EU-Klimapolitik stellen

Verantwortung für den eigenen Sektor

Die Erklärung verpflichtet ausdrücklich auch den Gesundheitssektor selbst. „Wir nehmen uns selbst nicht aus“, heißt es darin. Die Unterzeichner verpflichten sich, ihre eigenen Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu gestalten, Patientinnen, Patienten und Personal vor Hitze zu schützen und den Klimawandel in jede klinische und pflegerische Entscheidung einzubeziehen. Der Anhang legt konkrete Schritte fest, von einrichtungsspezifischen Hitzeplänen und proaktiver Ansprache isolierter älterer Menschen bis hin zur Fortbildung von Gesundheitsfachkräften.

Zitate:

Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, erklärt: „Die dramatische Zunahme hitzebedingter Todesfälle und Erkrankungen zeigt, dass Deutschland und Europa beim Schutz vor extremer Hitze nicht mehr nur nachjustieren, sondern grundlegend umsteuern müssen. Wir brauchen flächendeckend verbindliche Hitzeschutzmaßnahmen, klare Zuständigkeiten und eine konsequente Umsetzung. Hitzeprävention ist keine Option, sondern eine gesundheitspolitische Notwendigkeit.“

Dr. Chiara Cadeddu, Associate Professor of Planetary Health, Erasmus School of Health Policy & Management, Rotterdam, Niederlande: „Als Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte halten wir jeden Sommer ein System aufrecht, das für dieses Klima nie konstruiert wurde. Resilienz muss fest in unseren Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verankert werden.“

Dr. Francesca Costabile, Research Director, Institute for Atmospheric Science and Climate, National Research Council, Italien: „Unsere Städte brennen. Hitze tötet leise und ungerecht. Die verletzlichsten Menschen sterben in überhitzten Wohnungen, nicht in den Schlagzeilen. Sie zu schützen bedeutet, unsere Städte neu zu denken, die Stadtentwicklung neu zu gestalten und urbane Natur als Innovationstreiber zu begreifen. Es bedeutet, gesunde Städte jetzt zu gestalten, statt auf die nächste Eskalation zu warten.“

Professor Josep M. Antó, ISGlobal Barcelona, Spanien: „Die Evidenz ist eindeutig: Die hitzebedingte Sterblichkeit steigt in 99,6 Prozent der beobachteten europäischen Regionen, obwohl Hitze-Gesundheits-Aktionspläne existieren. Das aktuelle Ambitionsniveau wurde an der Realität gemessen und hat versagt.“

Professor Christian M. Schulz, KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit: „Die große Anzahl von Hitzetoten zeigt, dass wir deutlich ambitionierter vorgehen müssen. Auf europäischer Ebene ist das Klimaresilienz-Rahmenwerk die Gelegenheit, Absichtserklärungen in verbindliche Verpflichtungen zu verwandeln. Der Gesundheitssektor muss vorangehen, denn er ist von dieser Krise sowohl betroffen als auch mitverantwortlich für ihre Lösung.“

Über die Erklärung

Die Europäische Erklärung zu Hitze und Gesundheit wurde vom European Regional Hub der Planetary Health Alliance und seinen Kernpartnern initiiert. Sie wird von über 80 Organisationen aus Forschung, Gesundheitsversorgung, Pflege und Zivilgesellschaft unterstützt. Ein Anhang legt ihre Umsetzung auf europäischer, nationaler und kommunaler Ebene dar.

Die vollständige Erklärung steht hier zum Download bereit:

https://planetaryhealthalliance.org/european-declaration-on-heat-and-health

Link zur PDF der Pressemitteilung: 

PM- European Declaration on Heat and Health

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