Der Schutz der Gesundheit vor den Folgen des Klimawandels steht im Mittelpunkt der Beschlüsse des 85. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetages (BÄT) in Berchtesgaden. Die 180 Delegierten des bayerischen Ärzteparlaments fordern eine landesweite Leitlinie zum Hitzeschutz im Schulsport sowie verbindliche Anforderungen an den baulichen Hitzeschutz. Zudem sprechen sie sich für einen konsequenten Ausstieg aus fossilen Energieträgern und die konsequente Verankerung des One-Health-Ansatzes in Prävention, Gesundheitsplanung und Krisenvorsorge aus. „Der Klimawandel ist längst auch eine gesundheitspolitische Herausforderung. Wir müssen die Menschen besser vor den gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung schützen und Prävention sowie Klimaanpassung konsequent zusammendenken. Besonders wichtig ist dies für Kinder und Jugendliche, ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen“, betont Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK).
Landesweite Leitlinie zum Hitzeschutz im Schulsport erstellen
Angesichts häufigerer und intensiverer Hitzeperioden fordert der 85. BÄT eine bayernweite Leitlinie zum gesundheitlichen Hitzeschutz im Schulsport. Sie soll Schulleitungen und Lehrkräften klare, einheitliche und praxisnahe Handlungsempfehlungen für den Sportunterricht bei hohen Temperaturen an die Hand geben. Insbesondere soll das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) konkrete Kriterien dafür festlegen, unter welchen Bedingungen Sportveranstaltungen im Freien aufgrund der Hitzebelastung angepasst, zeitlich verlegt oder abgesagt werden müssen.
Staatliche Bauförderung an wirksamen Hitzeschutz knüpfen
Auch beim Bauen und Sanieren sehen die Delegierten dringenden Handlungsbedarf. Sie appellieren an die Bundesregierung und die Landesregierungen, verbindliche Kriterien zur Klimaanpassung und zum baulichen Hitzeschutz in die Förderrichtlinien für staatlich unterstützte Baumaßnahmen aufzunehmen. Die Anforderungen sollten Neubauten ebenso umfassen wie energetische Sanierungen und Modernisierungen – insbesondere im öffentlichen Bau, im Wohnungsbau sowie bei gesundheitlichen und sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten und Schulen.
Klimaziele einhalten, Gesundheit schützen
Der 85. BÄT fordert, den Ausstieg aus fossilen Energieträgern konsequent fortzusetzen und am 1,5-Grad-Klimaziel festzuhalten. Eine Abschwächung des EU-Klimaziels für 2040 lehnen die Delegierten ab. Dabei betonen sie die unmittelbaren Auswirkungen fossiler Energieträger auf die Gesundheit: Bei ihrer Verbrennung entstünden gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide; zudem trage die Bildung von bodennahem Ozon zu gesundheitlichen Belastungen bei.
One Health: Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt gemeinsam denken
Mit einem weiteren Beschluss unterstreicht der 85. BÄT die Bedeutung des One-Health-Ansatzes, der die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen als eng miteinander verbunden betrachtet. Die Delegierten fordern Bund und Länder auf, dieses Prinzip systematisch in Prävention, Gesundheitsplanung, Krisenvorsorge sowie Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einzubeziehen. Um Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und wirksam einzudämmen, müssten humanmedizinische, veterinärmedizinische und ökologische Perspektiven stärker zusammengeführt werden.
Der Bayerische Ärztetag ist die Delegiertenversammlung der BLÄK. Die 63 Ärztlichen Kreis- und acht Bezirksverbände sowie die sechs medizinischen Fakultäten der Landesuniversitäten entsenden insgesamt 180 Delegierte zu der mindestens einmal im Jahr tagenden Versammlung.
Presseinformation_85. Bayerischer Ärztinnen- und Ärztetag – Klimawandel und Gesundheit im Fokus