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Kursänderung, jetzt!

Angesichts zahlreicher ungelöster struktureller Herausforderungen im deutschen Gesundheitswesen fordert Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), vom neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann einen klaren Richtungswechsel. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Kurs zu ändern“, schreibt Quitterer im Leitartikel der Septemberausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Er spricht sich unter anderem für die umgehende Überprüfung des Gesetzes zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetz), einen konsequenten Bürokratieabbau, die zügige Einführung eines primärärztlichen Versorgungssystems sowie eine deutliche Stärkung des Hitzeschutzes aus.

GKV-Spargesetz: Belastungen für die ambulante Versorgung stoppen

Quitterer fordert rasche Anpassungen am GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die geplanten Kürzungen von rund 2,7 Milliarden Euro im ambulanten Bereich gefährdeten bis zu 46 Millionen Behandlungsfälle. Insbesondere im ländlichen Raum, in dem die Niederlassung bereits heute schwierig sei, drohten spürbare Einschnitte für die Patientinnen und Patienten. Sinkende Attraktivität der Selbstständigkeit führe zu weniger Praxen und Arbeitsplätzen sowie geringeren Behandlungskapazitäten. „Klar ist: Wer die Mittel für die Versorgung reduziert, kann nicht gleichzeitig erwarten, dass Leistungen unverändert bleiben“, betont Quitterer.

Bürokratieabbau endlich ernst nehmen

Quitterer kritisiert, dass Ärztinnen und Ärzte immer mehr Zeit mit Dokumentation und Prüfverfahren verbringen müssten, die ihnen anschließend für die Patientenversorgung fehle. Beispiele seien zusätzliche Prüfungen des Medizinischen Dienstes, neue Anforderungen bei Zweitmeinungsverfahren sowie die geplante Teilarbeitsunfähigkeit ab 2028. Auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag und die Einschränkung der telefonischen AU drohten zusätzliche Arzt‑Patienten‑Kontakte zu erzeugen. „Das ist kontraproduktiv: Während zu Recht über knappe ärztliche Ressourcen und vermeidbare Arztbesuche diskutiert wird, werden zugleich Regelungen geschaffen, die zusätzliche Kontakte erforderlich machen.“ Quitterer fordert daher, das von der Bundesärztekammer vorgelegte Entbürokratisierungsgesetz endlich umzusetzen.

Primärärztliches Versorgungssystem zügig einführen

Quitterer drängt darauf, das im Koalitionsvertrag zugesagte ärztliche Primärversorgungssystem endlich umzusetzen. Dadurch könnten Doppelstrukturen abgebaut, Schnittstellen verbessert und Abläufe besser koordiniert werden. „Patienten benötigen eine klare Orientierung im komplexen Gesundheitswesen – mit ärztlicher Kompetenz als zentralem Bezugspunkt“, erklärt Bayerns Ärztekammerpräsident.

Hitzeschutz stärken

Der Rekordsommer 2026 mit über 10.000 Hitzetoten zeige die Dringlichkeit entschlossenen Handelns. Quitterer fordert deshalb flächendeckend verbindliche Hitzeschutzpläne sowie eine stärkere Berücksichtigung von Hitzeschutz im Bau‑, Arbeits‑ und Katastrophenschutzrecht.

Mehr zu „Kursänderung, jetzt!“ lesen Sie im Leitartikel der September-Ausgabe 2026 des Bayerischen Ärzteblattes unter www.bayerisches-aerzteblatt.de.

Link zur Pressemitteilung

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