München, 9. Juni 2026 – Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen für Extremhitze – wir übernehmen Verantwortung!“ lud das Bündnis Hitzeschutz Bayern am 9. Juni 2026 Expertinnen und Experten in das Ärztehaus Bayern der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) ein. Anlass war der bundesweite Hitzeaktionstag, der auf die Gesundheitsgefahren von Hitzewellen aufmerksam macht. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie das Bewusstsein für die Risiken von Extremhitze geschärft und eine nachhaltige Hitzeprävention sowohl im Gesundheitswesen als auch in den Kommunen verankert werden kann.
Die Bündnispartner stellten zahlreiche Projekte zur Verbesserung des Hitzeschutzes vor – darunter das neue, patientenbezogene Beratungsgespräch „Klimasensible Gesundheitsberatung“, das von allen Gesetzlichen Krankenkassen gefördert wird, die Hitzeschutz-Aktivitäten der Landeshauptstadt München sowie das verfügbare Portfolio an Gesundheits- und Arzneimittelberatung bei Hitzewellen durch Vor-Ort-Apotheken.
Zudem wurden Forderungen an die Politik für ein hitzeresilientes Deutschland bekräftigt. Gesundheitlicher Hitzeschutz müsse auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene gesetzlich verankert und finanziell ausreichend unterstützt werden. Die dazu nötigen Investitionen sollten in den entsprechenden Haushalten und Budgets berücksichtigt werden. Ebenso müsse der Hitzeschutz stärker in das Bau- und Arbeitsrecht, in den Zivil- und Katastrophenschutz und in die Gesundheits- und Arzneimittelversorgung integriert werden. Notwendig ist aus Sicht der Bündnispartner zudem die Einrichtung von Hitzekrisenstäben auf Landes-, Kreis- und Kommunalebene.
Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK, betont: „Die Sommer 2024 und 2025 gehörten weltweit zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zukünftig sind immer extremere sowie häufigere Hitzeperioden zu erwarten, die der Gesundheit der Menschen in Bayern erheblich schaden können. Allein im Jahr 2024 starben in der Bundesrepublik 3.000 Menschen durch Hitze. Neben der Gefahr für Risikogruppen wie ältere Menschen oder chronisch Erkrankte zeigen aktuelle Studien der DAK-Gesundheit¹, dass etwa 1,7 Millionen Beschäftigte in Bayern während Hitzewellen stark belastet sind. Überdies steigt bei Temperaturen über 30 Grad bei Kindern das Risiko für behandlungsbedürftige Hitzeschäden um das Achtfache. Als Bündnis wollen wir deshalb das Wissen über die gesundheitlichen Folgen von Hitze in Gesundheitseinrichtungen, bei den von uns betreuten Patientinnen und Patienten, in Betrieben, sowie in der Bevölkerung stärken. Das heutige Symposium hat gezeigt, dass wir dabei bereits auf einem guten Weg sind.“
Gleichzeitig bestehe beim Thema Hitzeschutz weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Damit Bayern langfristig auf extreme Hitzewellen vorbereitet ist, brauche es im Freistaat einen Hitzeaktionsplan zur Prävention hitzebedingter Erkrankungen und Todesfälle, der als Grundlage für die Umsetzung auf kommunaler Ebene dienen sollte. Darüber hinaus seien für extreme Hitzeereignisse mit Temperaturen über 40 °C vergleichbare Vorsorgemaßnahmen erforderlich wie bei Starkregen, Hochwasser, Erdbeben oder Waldbränden.
Dipl.-Soz. päd. (FH) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Nicole Nagel, Vizepräsidentin der Psychotherapeutenkammer Bayern, und Referentin während der Veranstaltung, unterstreicht die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und erklärt: „Junge Menschen berichten im Zusammenhang mit der Klimakrise über Ängste, Ohnmachts- und Frustrationserleben. Sie sind bereits jetzt mit Konsequenzen der Klimakrise, etwa in Form von außergewöhnlicher Hitze, konfrontiert und werden diesen deutlich länger und intensiver ausgesetzt sein. Belastungen durch die Klimakrise können die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen oder bestehende psychische Erkrankungen verschlechtern. Zum Schutz der psychischen Gesundheit müssen Kinder und Jugendliche in ihrer individuellen Klimaresilienz gestärkt werden. Hierfür müssen auch Veränderungen auf struktureller Ebene stattfinden. Bestandteil dessen sind Maßnahmen zum Hitzeschutz, für die wir uns mit Nachdruck einsetzen, da sich Hitze stark auf die psychische Verfassung auswirkt.“
Dipl.-Ing. (FH) Daniel Willeke, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Klimaschutz sowie Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Globale Umweltgesundheit und Klimawandel am Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der LMU München, und ebenfalls Referent, ergänzt: „Die gesundheitlichen Folgen von Klimawandel und Extremhitze sind seit Jahren wissenschaftlich gut belegt. Es fehlt nicht an Wissen, sondern an konsequenter praktischer Umsetzung. Hitzeschutz und Klimaanpassung müssen als verpflichtende Aufgaben der Daseinsvorsorge verstanden werden – nicht als freiwillige Zusatzleistung. Dafür brauchen Kommunen dauerhaft qualifizierte Klimaanpassungsmanagerinnen und -manager, die Maßnahmen effektiv koordinieren und umsetzen. Gleichzeitig müssen insbesondere Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und andere soziale Einrichtungen gezielt unterstützt werden, um Personal und Bewohnende wirksam vor den Folgen zunehmender Hitze und Extremwetter zu schützen. Wer Gesundheit schützen will, muss jetzt handeln – konkret, strukturiert und dauerhaft – sowie nachhaltig, mit naturbasierten Anpassungsmaßnahmen.“
Hans Peter Mayer, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Bayerischen Gemeindetags, und ebenfalls Referent, fügt hinzu: „Kommunen kommt beim Hitzeschutz eine Schlüsselrolle zu. Dabei spannt sich der Bogen von der Sensibilisierung und Beteiligung der Menschen vor Ort über die Klimaanpassung der Stadt- und Raumplanung bis hin zur Reduzierung der Hitzebelastung in Gebäuden. Wir sind jetzt gefordert wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen, weil wir nah an den Lebenswelten der Menschen vor Ort sind.“
„Das Bayerische Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel am LGL bietet hierbei Unterstützung und begleitet bayerische Kommunen kostenlos bei der Entwicklung von Hitzeanpassungsmaßnahmen bzw. Hitzeaktionsplänen. Unsere Expertinnen gehen dabei auf die individuellen Gegebenheiten der einzelnen Kommunen ein, um bestmöglich zu beraten“, ergänzt PD Dr. Caroline Quartucci, Sachbereichsleitung Arbeits- und Umweltmedizin/-epidemiologie am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Link zu den Angeboten des LGL für Kommunen
Das Bündnis Hitzeschutz Bayern besteht aus über 20 Akteurinnen und Akteuren des Gesundheitssektors im Freistaat. Die Liste der Mitglieder kann auf der Website der BLÄK eingesehen werden. Link: Klimawandel | Bayerische Landesärztekammer (blaek.de)
Das unter anderem von der Bundesärztekammer und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. erarbeitete Positionspapier „Krisenresilienz bei Extremhitze stärken“ ist unter dem folgenden Link abrufbar.
¹ DAK-Gesundheitsreport / DAK-Kinder- und Jugendreport