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Prävention beginnt früh: Gesundheitsbildung und Medienschutz stärken

Der 130. Deutsche Ärztetag 2026 in Hannover hat sich für eine stärkere Prävention gesundheitlicher Risiken im digitalen Raum sowie für den Ausbau von Gesundheits- und Klimakompetenz in Schulen ausgesprochen. Mehrere der angenommenen Beschlüsse wurden maßgeblich von bayerischen Abgeordneten initiiert.

Im Mittelpunkt standen dabei auch die Forderung nach einem wirksameren Kinder- und Jugendmedienschutz sowie nach einer systematischen Weiterentwicklung gesundheitlicher Bildungsinhalte in Schulen. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Gerald Quitterer, ist der Auffassung: „Krankheit darf nicht erst entstehen. Deshalb müssen wir deutlich stärker und früher auf Prävention setzen – gerade auch bei
Suchterkrankungen und problematischem Medienverhalten. Prävention und Eigenverantwortung gehen dabei Hand in Hand. Dafür brauchen wir sowohl Gesundheitskompetenz beim Einzelnen als auch staatliche Verantwortung im Sinne einer Verhältnisprävention“, betont Quitterer.

Beschluss „Problematisches Medienverhalten reduzieren – Sucht vermeiden“

Mit dem angenommenen Beschluss fordert der Deutsche Ärztetag Bund, Länder und europäische Gesetzgeber auf, gesundheitliche Risiken durch digitale Mediennutzung stärker zu regulieren. Hintergrund sind steigende Nutzungszeiten sowie zunehmend suchtähnliche Verhaltensweisen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Konkret spricht sich der Ärztetag in dem Antrag dafür aus, risikoreiche Funktionen wie Autoplay, algorithmisch gesteuerte Endlos-Feeds oder personalisierte Empfehlungssysteme insbesondere für Minderjährige einzuschränken. Plattformbetreiber sollen stärker verpflichtet werden, ihre Angebote nach dem Prinzip „Safety by Design“ zu gestalten und gezielt gesundheitsgefährdende Nutzungsmechanismen zu vermeiden. Zudem fordert der Ärztetag unabhängige Risikoaudits, wirksame Kontrollmechanismen sowie niedrigschwellige Hilfsangebote bei belastenden oder gewalthaltigen digitalen Inhalten.

Nach Auffassung der Ärzteschaft reicht die Vermittlung von Medienkompetenz allein nicht aus, solange digitale Plattformen gezielt auf maximale Verweildauer und Interaktion ausgerichtet sind. Besonders Kinder und
Jugendliche müssten besser geschützt werden. Grundlage hierfür seien neben Verhaltensänderungen auch strukturelle Veränderungen im digitalen Umfeld.
Quitterer verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Empfehlungen der unabhängigen Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, die unter dem Leitgedanken „Schutz, Befähigung und Teilhabe“ Handlungsempfehlungen für einen wirksamen Kinder- und Jugendmedienschutz erarbeitet hat. „Neben Jugendlichen müssen auch kleine Kinder besonders geschützt werden – „Bildschirmfrei bis 3“ könnte in den
ersten Lebensjahren die Leitlinie sein. Altersgrenzen sind notwendig, werden jedoch die bestehenden Probleme allein nicht lösen. Wir brauchen klare Regeln und ein gesellschaftliches Bewusstsein zum Umgang mit sozialen Medien und dafür, dass Erwachsene Vorbilder sind. Mediennutzung ist nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe“, betont Quitterer.

Beschluss „Aktuelles Klima- und Gesundheitswissen systematisch in schulischen Rahmenlehrplänen weiterentwickeln“

Darüber hinaus beschloss der 130. Deutsche Ärztetag, Gesundheitskompetenz sowie Klima- und Präventionswissen verbindlicher und systematischer in schulischen Lehrplänen zu verankern. Die Ärzteschaft begrüßt, dass Gesundheitsförderung in vielen Bundesländern bereits Bestandteil schulischer Bildung ist, sieht jedoch weiteren Handlungsbedarf bei Aktualisierung, Verbindlichkeit und vor allem Umsetzung der Inhalte.

Der Beschluss fordert die Bildungs- und Kultusministerien der Länder auf, insbesondere Prävention und Suchtprävention zu stärken sowie gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels stärker im Unterricht zu berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem Themen wie Hitzebelastung, Umweltveränderungen oder neue Infektionsrisiken.

„Gesundheitskompetenz ist ein zentrales Bildungsziel. Schulen kommt bei ihrer Vermittlung eine entscheidende Rolle zu – ebenso wie Kitas. Dort lernen Kinder und Jugendliche frühzeitig gesundheitsförderliches Verhalten und den verantwortungsvollen Umgang mit Risiken“, erklärt Quitterer. Prävention beginne dort, wo Menschen lernen und aufwachsen.
Die Ärzteschaft unterstützt die Weiterentwicklung entsprechender Konzepte und bringt ihre fachliche Expertise in deren Umsetzung ein. Ziel sei es, Gesundheitswissen frühzeitig und nachhaltig zu vermitteln, um Krankheitslast langfristig zu reduzieren und die Eigenverantwortung der Menschen zu stärken.

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