19. Suchtforum in Bayern: „Guter Rausch, böser Rausch – Alkoholkonsum zwischen Genuss und Sucht“

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Pressemeldung — 08.07.2020

Alko­hol gehört für viele Menschen in Deutsch­land zu einem genuss­vol­len Alltag. Oft wird hier­bei verges­sen, dass es sich bei Alko­hol bereits in klei­nen Mengen um ein gefähr­li­ches, für den mensch­li­chen Körper schä­di­gen­des Zell­gift handelt. Das 19. Sucht­fo­rum zum Thema „Guter Rausch, böser Rausch – Alko­hol­kon­sum zwischen Genuss und Sucht“ wird am 8. Juli 2020 erst­mals als Web-Semi­nar online ange­bo­ten. Die Exper­ten warnen einhel­lig vor einer Verharm­lo­sung des Alko­hols als „Kul­tur­gut“ und weisen auf die nega­ti­ven Folgen des Alko­hol­kon­sums für jeden Einzel­nen und die Gesell­schaft hin. Denn, obgleich der Gesamt­ver­brauch an alko­ho­li­schen Geträn­ken in den letz­ten Jahren zurück­ge­gan­gen ist, ist Alko­hol in Deutsch­land nach wie vor Volks­droge Nummer 1.

Für Prof. Dr. med Oliver Poga­rell, 1. Vorsit­zen­den der Baye­ri­schen Akade­mie für Sucht­fra­gen BAS) ist es deshalb wich­tig, aufzu­klä­ren: „Die wissen­schaft­li­che Erkennt­nis, dass bereits der genus­s­ori­en­tierte Konsum klei­ne­rer Alko­hol­men­gen schäd­lich sein kann, ist in der Bevöl­ke­rung wenig und selbst in Fach­krei­sen nicht hinläng­lich bekannt. Auch halten sich viele Mythen rund um Alko­hol hart­nä­ckig, die es aufzu­klä­ren gilt: dass Rausch­trin­ken ledig­lich ein Phäno­men des Jugen­dal­ters wäre oder dass Alko­hol­kon­sum gesund sei und allge­mein das Risiko für Herzer­kran­kun­gen verrin­gere oder dass Menschen mit einem nied­ri­ge­ren sozia­len Status mehr konsu­mier­ten als solche mit einem höhe­ren Status.“
Prof. Dr. Heiner Vogel, Vorstands­mit­glied der Baye­ri­schen Landes­kam­mer der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten (PTK Bayern), weist nach­drück­lich darauf hin, dass Alko­hol­kon­sum nicht nur dem einzel­nen Indi­vi­duum scha­det, sondern auch für immense gesell­schaft­li­che Schä­den verant­wort­lich ist: „Etwa jede dritte Gewalt­tat wird unter Alko­ho­lein­fluss began­gen. Alko­hol ist für viele vermeid­bare Todes­fälle, beispiels­weise im Stra­ßen­ver­kehr, verant­wort­lich. Alko­hol ist ein zentra­ler Risi­ko­fak­tor für viele Erkran­kun­gen. Jedes Jahr ster­ben in Deutsch­land ca. 74.000 Menschen an den Folgen ihres Alko­hol­kon­sums bezie­hungs­weise des kombi­nier­ten Konsums von Alko­hol und Tabak und Neuge­bo­rene kommen aufgrund Alko­hol­kon­sums der Mutter in der Schwan­ger­schaft mit schwer­wie­gen­den Beein­träch­ti­gun­gen zur Welt.“

Auf Grund dieser Tatsa­chen unter­streicht Dr. med. Heide­ma­rie Lux, Sucht­be­auf­tragte des Vorstan­des der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK), dass die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land eine konse­quen­tere Alko­hol­po­li­tik verfol­gen müsse: „Die große Mehr­heit der verfüg­ba­ren wissen­schaft­li­chen Studien weist auf die schwe­ren gesund­heits­schä­di­gen­den Konse­quen­zen über­mä­ßi­gen Alko­hol­kon­sums hin. Deshalb sind eine spür­bare Verteue­rung von Alko­hol und die Fest­set­zung von Mindest­prei­sen für alko­ho­li­sche Getränke aus Sicht der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer notwen­dig, um riskante Formen des Alko­hol­kon­sums in Deutsch­land zu redu­zie­ren. Ferner fordern wir ein Verbot von Alko­hol­wer­bung, bild­li­che Warn­hin­weise auf Alko­hol­pro­duk­ten und ihren Verpa­ckun­gen und mehr Aufklä­rungs­kam­pa­gnen über die nega­ti­ven Konse­quen­zen des Alko­hol­kon­sums. Außer­dem muss das Verbot der Abgabe alko­ho­li­scher Getränke an Jugend­li­che unter 18 Jahren besser kontrol­liert werden.“ Um die Anzahl der Perso­nen zu redu­zie­ren, die wieder­holt alko­ho­li­siert fahren, soll­ten aus Sicht von Lux ferner soge­nannte „Alko­lock“-Systeme stan­dard­mä­ßig in Kraft­fahr­zeuge einge­baut werden, die eine Alko­hol­fahrt grund­sätz­lich unter­bin­den können.

Dr. Sonja Mayer, Vize­prä­si­den­tin der Baye­ri­schen Landes­apo­the­ker­kam­mer, weist darauf hin, dass es für Apothe­ker wich­tig sei, bei einem Pati­en­ten, der ein Arznei­mit­tel verlangt, eine Abhän­gig­keit zu erken­nen und zu thema­ti­sie­ren: „Gerade wenn der Pati­ent die Proble­ma­tik baga­tel­li­siert oder gar verleug­net, müssen wir Apothe­ker ‒ als Arznei­mit­tel­ex­per­ten und letzte Prüfin­stanz vor der Arznei­mit­te­l­ab­gabe ‒ alle wich­ti­gen Aspekte zum frei verkäuf­li­chen oder verschrie­be­nen Arznei­mit­tel im Kunden­ge­spräch zu klären. Denn eines ist klar: Bei trockenen Alko­hol­kran­ken können bereits geringste Mengen Etha­nol im Arznei­mit­tel den Sucht­kreis­lauf erneut in Gang setzen. Der Apothe­ker hat in diesem Fall die Aufgabe, alle wich­ti­gen Bera­tungs­a­spekte abzu­klä­ren und eine pati­en­ten­ge­rechte Lösung zu finden.“
Das 19. Sucht­fo­rum wird gemein­sam von BAS, BLÄK, BLAK und PTK Bayern am 8. Juli 2020 online als Web-Semi­nar veran­stal­tet. Ziel­gruppe sind vor allem Ärzte, Apothe­ker, Psycho­lo­gi­sche Psycho­the­ra­peu­ten, Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten, Mitar­bei­ter von Sucht­hil­fe­ein­rich­tun­gen, Sucht­be­ra­tungs­stel­len sowie weitere mit dem Thema Abhän­gig­keits­er­kran­kun­gen befasste Berufs­grup­pen.

Baye­ri­sche Akade­mie für Sucht- und Gesund­heits­fra­gen (BAS)
BAS Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haftungs­be­schränkt)
Land­wehr­straße 60–62, 80336 München
Tele­fon 089 530730–0, Fax 089 530730–19
E-Mail: bas@­bas-muen­chen.de, Inter­net: www.bas-muen­chen.de
Die BAS beschäf­tigt sich als Trans­fer­in­sti­tut zwischen Forschung und Praxis mit wissen­schaft­li­chen und praxis­be­zo­ge­nen Frage­stel­lun­gen der Präven­tion und Behand­lung von Such­ter­kran­kun­gen. Sie wurde im Herbst 1997 mit dem Zweck gegrün­det, die Verbes­se­rung des öffent­li­chen Gesund­heits­we­sens im Sucht­be­reich gezielt zu fördern. Zum Themen­kreis der BAS gehö­ren körper­li­che und psycho­so­ziale Störun­gen bezie­hungs­weise Krank­hei­ten im Zusam­men­hang mit Alko­hol, Niko­tin, ille­ga­len Drogen und psychoak­tiv wirken­den Medi­ka­men­ten. Darüber hinaus befasst sie sich auch mit den sog. nicht-substanz­ge­bun­de­nen bzw. Verhal­tens­such­ten wie den patho­lo­gi­schen Glückss­pie­len. Auch weitere mit Abhän­gig­keits­stö­run­gen asso­zi­ierte Gesund­heits­the­men wie z. B. Angst­stö­run­gen, Depres­sio­nen oder Essstö­run­gen werden behan­delt. Ein zentra­les Ziel der BAS besteht in der Förde­rung des Trans­fers zwischen Wissen­schaft und Praxis. Neben der jähr­li­chen Vortrags­reihe orga­ni­siert sie regel­mä­ßig Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen und Tagun­gen. Die BAS besteht aus den beiden Rechts­trä­gern der Baye­ri­schen Akade­mie für Sucht- und Gesund­heits­fra­gen BAS Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haftungs­be­schränkt) und der Baye­ri­schen Akade­mie für Sucht­fra­gen in Forschung und Praxis BAS e. V.

Baye­ri­sche Landes­apo­the­ker­kam­mer − Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts (BLAK)
Maria-There­sia-Straße 28, 81675 München
Marion Resch, Kommu­ni­ka­tion und Öffent­lich­keits­ar­beit
Tele­fon 089 926287, Fax 089 926260
E-Mail: marion.resch@blak.de, Inter­net: www.blak.de
Die Baye­ri­sche Landes­apo­the­ker­kam­mer ist die Berufs­ver­tre­tung der baye­ri­schen Apothe­ke­rin­nen und Apothe­ker. Sie ist Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts und unter­liegt der Aufsicht des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit und Pflege. Die Apothe­ker­kam­mer wacht über die Erfül­lung der Berufs­pflich­ten durch die Apothe­ke­rin­nen und Apothe­ker und vertritt die beruf­li­chen Inter­es­sen der Apothe­ker­schaft gegen­über Poli­tik und Gesell­schaft. Darüber hinaus bietet sie ihren über 15.000 Mitglie­dern eine Viel­zahl an unter­stüt­zen­den Dienst­leis­tun­gen und Services, wie zum Beispiel ein brei­tes Ange­bot an Fort- und Weiter­bil­dun­gen oder ein apothe­ken­spe­zi­fi­sches Quali­täts­ma­na­ge­ment­sys­tem. Die Apothe­ker­kam­mer gewähr­leis­tet durch ihre Mitglie­der eine ordnungs­ge­mäße Versor­gung der Bevöl­ke­rung mit Arznei­mit­teln und trägt damit aktiv zum Pati­en­ten- und Verbrau­cher­schutz bei.

Baye­ri­sche Landes­ärz­te­kam­mer − Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts (BLÄK)
Mühl­baur­straße 16, 81677 München
Pres­se­stelle: Dagmar Nedbal M. A., Tele­fon 089 4147–268, Fax 089 4147–202
E-Mail: pres­se@blaek.de, Inter­net: www.blaek.de
Die Baye­ri­sche Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK) wurde 1946 als Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts gebil­det. Sie ist zusam­men mit 63 Kreis­ver­bän­den und acht Bezirks­ver­bän­den die gesetz­li­che Berufs­ver­tre­tung aller baye­ri­schen Ärzte. Zu den Aufga­ben der BLÄK gehö­ren unter ande­rem die Wahr­neh­mung der beruf­li­chen Belange der Ärzte, die Förde­rung der ärzt­li­chen Fort­bil­dung sowie die Über­wa­chung der Erfül­lung der ärzt­li­chen Berufs­pflich­ten. Die BLÄK enga­giert sich derzeit für über 77.000 Ärztin­nen und Ärzte. Alle zur Berufs­aus­übung berech­tig­ten Ärztin­nen und Ärzte, die im Frei­staat ärzt­lich tätig sind oder dort ihren Haupt­wohn­sitz haben, sind Pflicht­mit­glie­der der BLÄK.

Baye­ri­sche Landes­kam­mer der Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peu­ten und der
Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten (PTK Bayern)
− Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts
Birket­weg 30, 80639 München
Pres­se­stelle: Luisa Hiller, Tele­fon 089 515555–241, Fax 089 515555–25
E-Mail: pres­se­stel­le@ptk-bayern.de, Inter­net: www.ptk-bayern.de
Die PTK Bayern ist eine Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts und die Berufs­ver­tre­tung der rund 8.200 Psycho­lo­gi­schen Psycho­the­ra­peut/innen und der Kinder- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peut/innen in Bayern. Nach dem Heil­be­rufe-Kammer­ge­setz (HKaG) gehört es zu den wesent­li­chen Aufga­ben der Heil­be­ru­fe­kam­mer, die beruf­li­chen Belange ihrer Mitglie­der wahr­zu­neh­men, die Erfül­lung der psycho­the­ra­peu­ti­schen Berufs­pflich­ten zu über­wa­chen, die psycho­the­ra­peu­ti­sche Fort­bil­dung zu fördern und in der öffent­li­chen Gesund­heits­pflege mitzu­wir­ken.

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