Struktur statt Stückwerk

Pressemeldung — 10.03.2026

Nahezu täglich werden neue Vorschläge zur Sanierung unseres Gesundheitssystems präsentiert. „So verschieden diese Ansätze der unterschiedlichsten Akteure im Gesundheitswesen im Detail auch sein mögen, fast alle eint ein zentrales Defizit: Es fehlt nach wie vor ein tragendes Gesamtkonzept, das die Ursachen der finanziellen und strukturellen Schieflage systematisch adressiert, anstatt lediglich die Symptome zu kurieren“, beginnt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) den Leitartikel der Märzausgabe des Bayerischen Ärzteblattes. Vor allem aber müssten die Vorschläge auch praktikabel sein. „Eine digitale Ersteinschätzung beispielsweise neben der 116 117 auch in Hausarztpraxen durchzuführen, ist wenig zielführend, entbehrt dies doch der Überlegung, wie ein solch bürokratischer Aufwand neben einer laufenden Sprechstunde geschultert werden soll“, schreibt Quitterer.
Prognosen, wonach die Beitragssätze für Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Krankenversicherung bis 2035 auf 50 Prozent steigen könnten, verunsicherten Arbeitgeber und Unternehmen. Bleibe das Wirtschaftswachstum aus, könnten die Reformen der sozialen Sicherungssysteme in die immer gleiche Richtung tendieren: Mehr Eigenverantwortung der/des Einzelnen und zusätzliche Absicherungen für Rente, Pflege und bestimmte
medizinische Leistungen. „Mehr Eigenverantwortung muss aber auch die Gesundheitskompetenz und den Präventionsgedanken in der Bevölkerung adressieren und so ist es ein positives Zeichen, dass es sich die Bildungsministerkonferenz zur Aufgabe machen möchte, Gesundheits- und Klimawissen in die Rahmenlehrpläne der Schulen aufzunehmen“, so der Präsident. Quitterer fordert: „Lassen Sie uns also jetzt nicht nur reden, wir müssen ins Handeln kommen: Gesundheitskompetenz stärken im Sinne einer ‚Health in all policies‘, Schutz der Ressource Arzt durch eine sinnvolle und bedarfsorientierte Inanspruchnahme – 292 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte im ersten Halbjahr 2025 sprechen eine deutliche Sprache“. „Was das Gesundheitssystem jetzt braucht, ist kein weiteres Nebeneinander von Einzelmaßnahmen, sondern eine konsistente Gesamtstrategie: klare
Finanzierungsverantwortung des Staates für gesamtgesellschaftliche Aufgaben, eine stringente, bedarfsorientierte Steuerung der Inanspruchnahme des Gesundheitswesens, konsequente Präventions- und Umweltpolitik und nicht zuletzt Vertrauen in die ärztliche Profession als tragende Säule der Versorgung“, so Quitterer abschließend.

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