Für die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) gilt der geplante Gesundheitsfonds nicht als wirksame Maßnahme zur Dämpfung der Kosten im Gesundheitswesen. „Ganz im Gegenteil“, meint BLÄK-Präsident Dr. H. Hellmut Koch, sieht er doch in dem umstrittenen Gesundheitsfonds ein „Bürokratiemonster, das zunächst für eine Verteuerung der Krankenkassenbeiträge sorgen wird und mittelfristig die Hochlohnbundesländer, wie Bayern, benachteiligt“. Ungeachtet aller Kritik halten die Bundeskanzlerin und das Bundesgesundheitsministerium (BGM) am so genannten Kernstück der Gesundheitsreform fest. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach
ein Machtwort und lehnt die Verschiebung des Gesundheitsfonds ab. Dieser komme wie vorgesehen zum 1. Januar 2009, bestätigte auch ein BMG-Sprecher in Berlin. Die BMG-Aussage, dass der Fonds die Solidarität in der gesetzlichen Krankenversicherung stärken werde und helfe, die Beiträge gerecht zu verteilen”, bewertete Koch als zynisch. Bayerns Ärzte-Chef hatte sich wiederholt kritisch zum Gesundheitsfonds geäußert, da der Fonds weder Beitragssatzstabilität noch Bürokratieabbau bringe. Vielmehr käme es zu einem erheblichen Geldabfluss aus Bayern in den Gesundheitsfonds hinein. Dies sei nicht hinzunehmen − nicht für die Patienten und nicht für die Ärzte. „Sämtliche regionalen Unterschiede in der Bundesrepublik werden durch diesen Gesundheitsfonds platt gemacht“, so auch BLÄK-Vizepräsident Dr. Max Kaplan. Damit werde es keinen Einfluss mehr der einzelnen Bundesländer, z. B. auf die Verträge mit den Ärzten und den Krankenhäusern oder auf die Versorgungsstrukturen geben. „Auch die Patientenversorgung wird unter dem Fonds leiden“, ist sich Vizepräsident Dr. Klaus Ottmann sicher, denn vieles, was heute in Bayern möglich sei, werde künftig nicht mehr finanzierbar sein. Insbesondere würden die höhere Wirtschaftskraft, aber auch die höheren Lebenshaltungskosten in Bayern nicht ausreichend abgebildet. Einschnitte werde es auch bei den Vertrags-Krankenhäusern in Bayern geben. Unter dem Titel „Wem hilft eine solche Gesundheitsreform?“ informierte die BLÄK gemeinsam mit dem Marburger Bund (MB), dem Hartmannbund und dem NAV-Virchow-Bund in einer Plakataktion 2007 flächendeckend in ganz Bayern die Patientinnen und Patienten in Wartezimmern bei niedergelassenen Hausärzten und
Fachärzten sowie in Krankenhäusern.