Organspende, Digitalisierung, Gutachterstelle und MFA

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Pressemeldung — 26.10.2018

Dualer Ansatz bei der Organ­spende
Die Zahl der Organ­spen­der in Deut­sch­land ist im ersten Halb­jahr 2018 deut­lich gestie­gen. Wie die Deut­sche Stif­tung für Organ­trans­plan­ta­tion (DSO) berich­tete, konn­ten 484 Spen­dern Organe entnom­men werden. Das sind 18 Prozent mehr als im 1. Halb­jahr 2017. „Diese Entwick­lung ist erfreu­lich, darf aber nicht darüber hinweg­täu­schen, dass in Deut­sch­land mehr als 10.000 Menschen auf ein neues Organ warten“, meinte Dr. Wolf­gang Rechl, Vize­prä­si­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK), im Vorfeld des 77. Baye­ri­schen Ärzte­ta­ges in Nürn­berg. Außer­dem sei im 1. Halb­jahr 2018 in Bayern die Zahl der post­mor­ta­len Organ­spen­der von 69 auf 65 leicht zurück­ge­gan­gen. „Ich plädiere deshalb für einen dualen Ansatz bei der Organ­spende: Diskus­sion über die Einfüh­rung der Wider­spruchs­lö­sung und struk­tu­relle Verbes­se­run­gen bei der Trans­plan­ta­ti­ons­or­ga­ni­sa­tion“, bekräf­tigte der Vize­prä­si­dent. Aktu­ell wurde eine breite gesell­schaft­li­che Debatte über die Wider­spruchs­lö­sung, wie sie zum Beispiel in Spanien und Öster­reich prak­ti­ziert werde, ange­sto­ßen. „Die Frage der Organ­spende muss jeder für sich selbst entschei­den. Da aber rund 80 Prozent der Bevöl­ke­rung einer Organ­spende posi­tiv gegen­über­ste­hen, sich aber nur 35 Prozent die Arbeit machen, einen Organ­spen­de­aus­weis auszu­fül­len, unter­stütze ich die Idee einer Wider­spruchs­lö­sung“, erklärte Rechl. Die Wider­spruchs­lö­sung alleine sei aber zu wenig, deshalb müss­ten flan­kie­rende Maßnah­men ergrif­fen werden. Dazu gehör­ten zum Beispiel verbind­li­che Freistel­lungs­re­geln und mehr Einfluss für die Trans­plan­ta­ti­ons­be­auf­trag­ten. Auch die Vergü­tung der Organ­ent­nahme müsse neu justiert werden.

Digi­ta­li­sie­rung: Stan­dards und Daten­schutz
Die Digi­ta­li­sie­rung mache auch vor dem Gesund­heits­we­sen keinen Halt, ganz im Gegen­teil: Immer wieder stehe ein „smar­ter Pati­ent“ in der Praxis und hätte gerne Infor­ma­ti­o­nen zur Sinn­haf­tig­keit von Gesund­heits-Apps, würde gerne online mit dem Arzt kommu­ni­zie­ren oder möchte seine digi­tale Pati­en­te­n­akte. Erst im Septem­ber wurde die neue App „Vivy“, die einige Pati­en­ten­da­ten elek­tro­nisch bündelt, der Öffent­lich­keit vorge­stellt. „Der Daten­schutz ist im Gesund­heits­we­sen eine große Heraus­for­de­rung und darf nicht der Bequem­lich­keit geop­fert werden“, forderte Rechl. Daten­schutz dürfe aber auch kein K.O.-Argu­ment sein, um die digi­tale Weiter­ent­wick­lung zu blockie­ren. Neben der Daten­si­cher­heit seien vor allem tech­ni­sche Stan­dards eine wich­tige Voraus­set­zung für die Vera­r­bei­tung von Gesund­heits­da­ten und den Date­n­aus­tausch. Hier seien Poli­tik und Indus­trie gefor­dert Stan­dards zu setzen, damit finan­zier­bare Lösun­gen imple­men­tiert werden können. „Wenn es einen tech­ni­schen Stan­dard gibt, der Daten­schutz gewähr­leis­tet und die Finan­zie­rung geklärt ist, sind auch wir Ärzte bereit, unse­ren Teil zum sinn­vol­len Einsatz der Digi­ta­li­sie­rung im Gesund­heits­we­sen beizu­tra­gen“, bekräf­tigte Rechl.

Quali­täts­s­tan­dards in der Gutachter­stelle
Die Gutachter­stelle für Arzt­haf­tungs­fra­gen bei der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK) hat im Berichts­zeit­raum 2017/18 1.050 Verfah­ren abge­schlos­sen. Durch­schnitt­lich dauerte ein Gutach­ter­ver­fah­ren 76 Wochen. „Wir legen hohe Quali­täts­s­tan­dards an die Verfah­ren der Gutachter­stelle. Im Verlauf eines solchen stan­dar­di­sier­ten Verfah­rens erhal­ten die Betei­lig­ten an mehre­ren Stel­len die Möglich­keit zur Stel­lung­nahme, das soge­nannte ‚Recht­li­che Gehör‘“, erklärte Rechl. Dadurch ergä­ben sich immer wieder Leer­lauf­zei­ten und die Bear­bei­tungs­zei­ten verlän­ger­ten sich. Auch die Begut­ach­tung selbst, die in der Regel durch klinisch tätige Fach­ärzte des betrof­fe­nen Fach­ge­biets vorge­nom­men werde, benö­tige oft mehrere Monate Bear­bei­tungs­zeit. „Wir binden in jedem Verfah­ren die Betei­lig­ten inten­siv mit ein, deshalb werden die Entschei­dun­gen der Gutach­ter­kom­mis­sion häufig akzep­tiert“, erläu­terte Rechl. Das koste zwar etwas Zeit, liefere aber mehr Verständ­nis mit dem Ergeb­nis. Bei 28 Prozent der abge­schlos­se­nen Verfah­ren wurde ein Behand­lungs­feh­ler fest­ge­stellt. In den vergan­ge­nen zehn Jahren lag die Fehler­quote in Bayern zwischen 25 und 33 Prozent. Die bundes­weite Quote für das Jahr 2017 lag bei 24,4 Prozent. Bei weite­ren 5,9 Prozent wurde ein Behand­lungs­feh­ler fest­ge­stellt, die Kausa­li­tät wurde aber verneint. Seit über 40 Jahren sichere die BLÄK mit ihrer Gutachter­stelle, dass Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten bei einem vermu­te­ten Scha­dens­fall nicht allein gelas­sen werden.

Medi­zi­ni­sche Fach­an­ge­stellte (MFA)
Um sich künf­tig ganz auf die Fort­bil­dung der MFA konzen­trie­ren zu können, hat der Verein zur Förde­rung der Aus- und Fort­bil­dung in den medi­zi­ni­schen Beru­fen e. V. – Walner-Schu­len – die Berufs­fach­schule für Notfall­sa­ni­tä­ter an das MKT-Insti­tut für Notfall­me­di­zin- und Kata­s­tro­phen­schutz­aus­bil­dung in Bayern gGmbH verkauft. „Die BLÄK und die Walner-Schu­len konzen­trie­ren sich in Zukunft noch mehr auf attrak­tive Fort­bil­dun­gen für MFA“, erklärte Rechl.

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