Attraktivität des Öffentlichen Gesundheitsdienstes erhöhen

download_dokumente

Pressemeldung — 06.10.2020

Im Vorfeld des 79. Baye­ri­schen Ärzte­ta­ges begrüßte Dr. Andreas Botz­lar, Vize­prä­si­dent der Baye­ri­schen Landes­ärz­te­kam­mer (BLÄK), den Anfang Septem­ber von den Gesund­heits­mi­nis­tern von Bund und Ländern beschlos­se­nen Pakt für den Öffent­li­chen Gesund­heits­dienst (ÖGD). Jetzt müss­ten die Voraus­set­zun­gen für die notwen­dige Aufsto­ckung des Perso­nals geschaf­fen sowie Schritte einge­lei­tet werden, um eine Tätig­keit beim ÖGD für Ärztin­nen und Ärzte attrak­ti­ver zu gestal­ten.
„Die­ser Pakt ist ein wich­ti­ger Meilen­stein für den seit Jahr­zehn­ten finan­zi­ell ausge­blu­te­ten und perso­nell stark ausge­dünn­ten Öffent­li­chen Gesund­heits­dienst. Er kann die Grund­lage dafür schaf­fen, dass der ÖGD seine viel­fäl­ti­gen Aufga­ben zukünf­tig besser erfül­len kann“, so Botz­lar.
Über den Pakt sollen im ÖGD bis Ende 2022 5.000 neue Stel­len ausge­schrie­ben und mit Ärztin­nen und Ärzten sowie Fach- und Verwal­tungs­per­so­nal besetzt werden. Darüber hinaus soll in die Digi­ta­li­sie­rung der Gesund­heits­be­hör­den inves­tiert werden. Außer­dem sieht der Beschluss der Gesund­heits­mi­nis­ter­kon­fe­renz bisher nicht exakt defi­nierte finan­zi­elle Mittel für eine bessere Bezah­lung des ÖGD-Perso­nals vor. „Ins­be­son­dere aufgrund der hohen Bedeu­tung des ÖGD für die Pande­mie­be­kämp­fung müssen die im Rahmen des Pakts skiz­zier­ten Maßnah­men vom Bund, vom Frei­staat Bayern sowie von den baye­ri­schen Kommu­nen rasch konkre­ti­siert und schnell umge­setzt werden“, betonte Botz­lar. Aufgrund des hohen Bedarfs an Ärzten im ÖGD müsse außer­dem sicher­ge­stellt sein, dass die Mehr­zahl der neuen Stel­len auch tatsäch­lich mit ärzt­li­chem Perso­nal besetzt werde. Dies könne aller­dings nur reali­siert werden, wenn die Attrak­ti­vi­tät des ÖGD dras­tisch erhöht werde.
„Ärzte im ÖGD sind keine Verwal­tungs­an­ge­stell­ten, sondern Fachärzte, die wich­tige Aufga­ben für den Gesund­heits­schutz der Bevöl­ke­rung wahr­neh­men. Es ist deshalb unver­ständ­lich, warum ange­stellte Ärztin­nen und Ärzte im ÖGD noch immer wesent­lich schlech­ter bezahlt werden als ihre Kolle­gin­nen und Kolle­gen bei Begut­ach­tungs­stel­len oder in Kran­ken­häu­sern“, ergänzte der Vize­prä­si­dent. Dies führe einer­seits zu Abwan­de­run­gen von Ärzten aus dem ÖGD und demo­ti­viere ande­rer­seits mögli­che Bewer­ber.
„Nur neue Stel­len auszu­schrei­ben ist inso­fern zu wenig, denn man wird nicht viele Ärzte finden, die bereit sind, zur derzei­ti­gen Bezah­lung für den ÖGD zu arbei­ten“, so Botz­lar.
„Im Zuge der Umset­zung des Pakts für den ÖGD soll­ten inso­fern – analog zur Praxis in Kran­ken­häu­sern – arzts­pe­zi­fi­sche Tarif­ver­träge mit den Ärztin­nen und Ärzten, welche im ÖGD beschäf­tigt sind, abge­schlos­sen werden. Dabei soll­ten selbst­ver­ständ­lich die verschie­de­nen Verant­wor­tungs­ebe­nen im Rahmen von ausdif­fe­ren­zier­ten Entgelt­grup­pen adäquat abge­bil­det werden. Nur so wird es möglich werden, jungen Fachärz­tin­nen und Fachärz­ten im ÖGD ähnli­che Zukunfts­per­spek­ti­ven wie in ande­ren Insti­tu­tio­nen zu eröff­nen und damit neue Bewer­ber zu gewin­nen und bereits im ÖGD tätige Mitar­bei­ter zu halten“, führte Botz­lar weiter aus. Rein tempo­räre Zula­gen seien dazu keine Alter­na­tive.

Versor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten für Krisen­fälle vorhal­ten und finan­zie­ren

Außer­dem forderte der Vize­prä­si­dent eine Reform der Kran­ken­h­aus­fi­nan­zie­rung: „Die Vergü­tung von Klini­ken sollte sich dauer­haft nach dem Versor­gungs­be­darf und den ange­mes­se­nen Vorhal­te­kos­ten für Infra­struk­tur, Perso­nal und Tech­nik rich­ten und nicht nach der Zahl der behan­del­ten Fälle. So wird unser Gesund­heits­sys­tem in die Lage versetzt, akute Krisen­si­tua­tio­nen auch in Zukunft stem­men zu können, “ erläu­terte der Vize­prä­si­dent. Zu Beginn der Corona-Pande­mie habe die im Vergleich zu ande­ren Ländern höhere Anzahl an Kran­ken­häu­sern und Kran­ken­h­aus­bet­ten, insbe­son­dere Inten­siv­bet­ten, mit dazu beige­tra­gen, dass Deutsch­land eine auffal­lend geringe Morta­li­tät zu verzeich­nen gehabt habe. Die Vorhal­tung solcher bedarfs­not­wen­di­gen Einrich­tun­gen sei aller­dings kost­spie­lig. Im Zuge der Pande­mie hatten die Kran­ken­häu­ser im Rahmen des Covid-19-Kran­ken­hau­s­ent­las­tungs­ge­set­zes deshalb finan­zi­elle Mittel erhal­ten, um Versor­gungs­ka­pa­zi­tä­ten für eine wach­sende Anzahl von Pati­en­ten mit einer Coro­na­vi­rus-Infek­tion bereit­zu­stel­len.
„Dadurch wurde die Kran­ken­h­aus­fi­nan­zie­rung auf völlig neue Beine gestellt, es wurde Geld für freie Kapa­zi­tä­ten anstatt für behan­delte Fälle bezahlt“, erklärte Botz­lar. Leider sei diese Form der Finan­zie­rung nur von vorüber­ge­hen­der Dauer gewe­sen. Norma­ler­weise werde die aufnah­me­be­reite Vorhal­tung bedarfs­not­wen­di­ger Einrich­tun­gen der Daseins­vor­sorge wie von Kreiß­sä­len oder Inten­sivsta­tio­nen eben nicht vergü­tet. Statt­des­sen bekämen Kran­ken­häu­ser zur Deckung der ange­fal­le­nen Betriebs­kos­ten pro Pati­ent bezie­hungs­weise Kran­ken­h­aus­fall einen pauscha­len Euro-
Betrag von der Kran­ken­kasse des Pati­en­ten, die soge­nannte Fall­pau­schale, über­wie­sen. „Eine geringe Auslas­tung bedarfs­not­wen­di­ger Einrich­tun­gen kann bei Kran­ken­häu­sern deshalb schnell zu finan­zi­el­len Engpäs­sen führen“, führte Botz­lar weiter aus.

Posi­ti­ons­pa­pier Gesund­heits­ver­sor­gung Bayern 2025

Über­dies erläu­terte Botz­lar, dass die Dele­gier­ten des 79. Baye­ri­schen Ärzte­tags voraus­sicht­lich über einen Entschlie­ßungs­an­trag unter dem Titel „Posi­ti­ons­pa­pier Gesund­heits­ver­sor­gung Bayern 2025“ debat­tie­ren würden. Darin werde unter ande­rem postu­liert, dass eine Refi­nan­zie­rung von Kosten für infra­struk­tu­relle und perso­nelle Vorhal­tung und Inves­ti­tio­nen unab­hän­gig von erbrach­ten Leis­tun­gen eine Flucht der Kran­ken­häu­ser in die Mengen­aus­wei­tung erspa­ren könne. „Des Weite­ren soll es im Zuge der Diskus­sion des Antrags einen offe­nen Dialog darüber geben, wie wich­tig die Schwer­punkt­bil­dung von Kran­ken­häu­sern im Vergleich zu deren schnel­ler Erreich­bar­keit ist“, so Botz­lar. Auch das Thema Daten­schutz in der Medi­zin werde im Rahmen des Posi­ti­ons­pa­piers ange­spro­chen. „Beim Daten­schutz ist stets eine ratio­nale Abwä­gung von Nutzen und Risiko notwen­dig. Im Notfall kann künf­tig etwa der rasche Einblick in die voll­stän­dige elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­akte auch das Leben von nicht einwil­li­gungs­fä­hi­gen Pati­en­ten retten“, erklärte der Vize­prä­si­dent. Ausge­ar­bei­tet haben das Papier die Mitglie­der der Ausschüsse „Ange­stellte Ärztin­nen und Ärzte“ und „Ambu­lant-statio­näre Versor­gung“ der BLÄK.

Pres­se­stelle

Vielleicht ebenfalls interessant:

Ein Tag Gesundheits- und Berufspolitik ‒ 79. Bayerischer Ärztetag in den Eisbach Studios in München

download_dokumente

Statement von Dr. Gerald Quitterer im Vorfeld des 79. Bayerischen Ärztetages

download_dokumente

Sorgfalt bei Attesten zur Mund-Nasen-Bedeckung

download_dokumente
icon-arrow-download icon-arrow-right-round icon-arrow-right icon-bars icon-checkmark--checked icon-checkmark icon-chevron-left icon-chevron-right icon-contact-external icon-contact icon-down icon-login icon-parapgrah icon-search icon-up