84. Bayerischer Ärztinnen- und Ärztetag – Kinder- und Jugendgesundheit im Fokus
Pressemeldung — 12.10.2025
Die 180 Delegierten des 84. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetages (BÄT) verabschieden am ersten und zweiten Tag ihrer Arbeitssitzung in Bad Kissingen zahlreiche Beschlüsse. Diese betreffen unter anderem die allgemeine Gesundheitspolitik, die Notfallversorgung, die ärztliche Weiterbildung, das Medizinische Assistenzpersonal, den Einsatz von Physician Assistants, die Gesetzliche Krankenversicherung, sowie die Tätigkeit der Bayerischen Landesärztekammer. Einen besonderen Schwerpunkt legt das bayerische Ärzteparlament auf die Kinder- und Jugendgesundheit und fasst hierzu unter anderem folgende Beschlüsse:
Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Alkoholkonsum, Alkoholwerbung und alkoholbezogener Einflussnahme
Der 84. BÄT fordert eine Änderung des Jugendschutzgesetzes mit dem Ziel, die bestehende Ausnahmeregelung zum Erwerb und Konsum von Alkohol im Alter von 14 und 15 Jahren („Begleitetes Trinken“) in Gegenwart einer personensorgeberechtigten Person in Gaststätten, Verkaufsstellen oder in der Öffentlichkeit gemäß § 9 Absatz 2 JuSchG abzuschaffen.
Darüber hinaus appellieren die Delegierten an die Bundesregierung, gemeinsam mit einschlägigen Fachgesellschaften eine umfassende Strategie zur Verhältnisprävention jugendlichen Alkoholkonsums zu entwickeln. Zudem sprechen sie sich für eine gesetzliche Regelung aus, die Kinder und Jugendliche wirksam vor Werbung für Alkohol, sowie für ungesunde Lebensmittel im Fernsehen und auf Online-Plattformen vor 21 Uhr schützt. Schließlich wird auch ein Verbot des Verkaufs, Ausschanks und Konsums von Alkohol bei Sportveranstaltungen gefordert, an denen Jugendliche beteiligt sind.
Werbeverbot für Glücksspiele vor 21 Uhr und Einschränkung von Wettplattformen
Der BÄT fordert die Bayerische Staatsregierung auf, sich für ein Werbeverbot für Glücksspiele vor 21 Uhr einzusetzen. Das Ziel sei, der zunehmenden Gefahr von Glücksspielsucht bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken, die insbesondere durch leicht zugängliche Online-Angebote und intensive Werbemaßnahmen begünstigt werde. Dazu gehöre auch eine wirksame Regulierung von Wettplattformen.
Zuckerreduktion durch verbindliche Standards
Die Delegierten fordern die Bayerische Staatsregierung auf, ein bayernweites Zertifikatssystem zur Zuckerreduktion in Kitas, Schulen, Kliniken, Behördenkantinen und kommunalen Einrichtungen einzuführen. Dieses Zertifikat soll auf bestehenden Standards – etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. oder dem EU-Schulprogramm – aufbauen und verbindliche Höchstwerte für den Gesamtzuckergehalt pro 100 g/ml, sowie pro Portion festlegen. Dabei seien realistische Portionsgrößen zugrunde zu legen, um Umgehungen durch künstlich kleine Portionsangaben zu verhindern.
Zur Begründung verweisen die Delegierten auf aktuelle Zahlen: Bereits heute seien rund 16 bis 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig, etwa 6 Prozent gelten als adipös. Die Folgen reichten von kurzfristigen Belastungen wie Karies, Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter, darunter Adipositas, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und kardiovaskuläre Erkrankungen.
Verbindliche Umsetzung des Pakts Kindergesundheit
Der 84. BÄT fordert die Bayerische Staatsregierung auf, den Pakt Kindergesundheit verbindlich umzusetzen, Pilotregionen zu benennen, und dem Bayerischen Landtag jährlich über die Fortschritte zu berichten. Der Pakt umfasse elf Handlungsfelder – von Bewegung und Ernährung bis hin zur psychosozialen Versorgung. Während er im Koalitionsvertrag der Bundesregierung gestrichen worden sei, habe Bayern die Chance, eine Vorreiterrolle einzunehmen und den Pakt im Freistaat konsequent umzusetzen.